| Die Motorräder - Vor der Reise | Motorräder |
|
|
||||||||||
|
Erster Marktüberblick
Je länger der Winter, desto eher mehren sich die Tagträume von wärmeren Tagen,
Fahrtwind am Körper, das Gefühl der Schwerkraft in den engen Kurven langer
Passstrassen. Gedrängt von diesen Geistesblitzen, welche das Prädikat
freiwillig nur noch knapp zulassen, besuchten wir im Februar 2002 die
2-Rad-Messe in Zürich, der grössten Veranstaltung dieser Art in der Schweiz. |
|
Grobkriterien und Konzentration auf 2 Modelle
Für unsere Reise benötigen wir eine Enduro Maschine, was sich aus der Reiseroute ergibt. Viele Modelle fallen bei Betrachtung aus mittlerer Distanz weg, hauptsächlich wegen zu hohem Gewicht. Wir bestimmten ein oberes Limit von 300Kg inkl. Fahrer und Ausrüstung als Killerkriterium. Was im ersten Moment nach viel klingt, entpuppt sich als absolutes Sparmass, berücksichtigt man dass Motorräder ab dem gewünschten Leistungsbereich schnell 200Kg und mehr wiegen. Rechnest Du grob über den Daumen zu diesem Gewicht Benzin, Wasser, Ersatzteile, Werkzeug, Zelt, Kocher, Schlafsack und noch den angekleideten Fahrer hinzu, so wird Dir schnell klar, dass eine zweite Ersatzunterhose eigentlich schon zuviel ist. |
|
Feinkriterien, Entscheidung
Nun galt es die verbliebenen zwei Modelle genau unter die Lupe zu nehmen, Vor- und Nachteile aufzulisten und die Resultate gegenüber zu stellen. Das Motorrad aus der österreichischen Schmiede KTM, die LC4 640 Adventure,
besticht auf den ersten Blick und später auch bei genauerem hinsehen mit ihren
Leistungsdaten. Hochwertige Bauteile, ungewöhnlich lange Federwege vorne und
hinten, grosse Bremsscheiben für hohe Verzögerung (kurzer Bremsweg),
serienmässig mit 30 Liter Tank, Tripmaster (unter Fahrradlenkern auch als
Velocomputer bekannt) und Roadbook-Halterung im Cockpit für Karten und
Wegbeschreibung. Noch erstaunlicher ist das Gewicht, nur 154 Kg soll sie nach
Herstellerangaben leicht sein, allerdings trocken, das bedeutet ohne einen
Tropfen Flüssigkeit. BMW besticht auf dem Motorradmarkt immer wieder mit Innovationen und hoher
Qualität und schaffen so handfeste Verkaufsargumente, welche den
Standortnachteil gegenüber asiatischen Marken mehr als wett machen. Die F650 GS
und deren Sonderausführung Dakar, wie bei der KTM steht die Zahl im Namen für
den Hubraum, trumpfen mit modernster Technik auf. ABS ist in diesem Segment
noch genauso unüblich wie der geregelte 3-Wege-Katalysator. Ebenso wegweisend
für die Konkurrenz ist die elektronische Einspritzung, damit entfällt nicht nur
das rumschrauben am Vergaser um das Benzin-Luft-Gemisch auf die Höhe
einzustellen, auf welcher man sich bewegt. In den Bergen der Rocky Mountains
oder auf den Hochebenen der Anden trägt dieses Features sehr zum Komfort bei.
Auch die Verbrauchswerte des Motors sind für das heutige Verständnis sehr tief,
was den 17 Liter Tank etwas grösser macht. Eine breite Sitzbank unterstreicht
die Reisetauglichkeit, Ganzjahresfahrer wie ich begrüssen auch die
Griffheizung. Toll gemacht ist auch die Lösung mit dem Luftfilter, welcher sich
unter der Tankattrappe befindet, der Tank selbst befindet sich unter der
Sitzbank. Durch diese geschützte Lage bleibt er weitgehend verschont von
starker Verschmutzung und reduziert so den Unterhaltsaufwand. Beide Maschinen sind sehr gut, gereizt haben sie mich gleichermassen. Jede
hat ihre Stärken, schlussendlich hat die BMW auch bei mir das Rennen gemacht.
Folgende Überlegungen waren dabei ausschlaggebend: |
|
Händlersuche und Vertrag
Glücklich der, wer einen Motorradmechaniker / -händler seines Vertrauens gefunden hat. Hier die Geschichte. Vor Jahren hatte ich plötzlich einmal das Gefühl, man müsse immer ein paar Flaschen Champagner im Kühler haben, da man nicht weiss, was der Tag so mit sich bringt. Schliesslich muss man auf Eventualitäten vorbereitet sein. Seit jenem Tag liegen also etwa sechs Flaschen bei mir im Kühlschrank, da lasse ich lieber die Milch warm werden, ohne dass sie auch nur angerührt wurden. Meistens ist es zu früh oder zu spät am Tag gewesen, der Grund doch nicht feierlich genug oder ich wollte den Erfolg ungetrübt geniessen. |
|
Umbau der Motorräder
So gut unsere erkorenen Motorräder ab Werk schon sind, gibt es gewisse Modifikationen, welche zum Erfolg der geplanten Reise unterstützend beitragen können. Aufgrund der gesammelten Informationen im Internet und dem erwähnten Buch, sowie durch Beratung durch unseren Töffspezialisten Urban Jussel konnten wir eine Liste aller Umbauteile zusammenstellen. Dabei galt es vor allem bei mir Mass zu halten, die Angebotsseite ist sehr umfangreich und ich schwärme schnell von informativen Zusatzdisplays, leistungssteigernden Auspuffanlagen, Chilbibeleuchtung und alles andere auf was die Welt verzichten könnte.
Eine exakte Liste aller Umbauteile findest Du im Anhang B dieser Seite. Nach dem Umbau bleiben uns noch einige Wochen, bevor wir die Töffs in Deutschland einer Spedition übergeben, welche sie für uns nach Amerika transportieren. Diese Zeit nutzen wir nochmals intensiv zum Testen aller Zubehör- und Ausrüstungsteile. Probepacken gehört genauso dazu wie das trainieren von kleineren Reparatur- und Unterhaltsarbeiten. |
|
Versicherungen
Es ist zu bedenken, dass die Maschinen nach ihrer Rückkehr zwar erst knapp ein Jahr alt sind, dennoch als alt bezeichnet werden können. Verläuft alles nach Plan, so werden sie wohl um die 60'000Km auf dem Buckel haben, Beulen und schrammen dieser Distanz angemessen, ich wäre enttäuscht, wenn es nicht so wäre. Aus diesen Überlegungen heraus macht es keinen Sinn, sein Motorrad über zu versichern. Nebst der obligatorischen Haftpflichtversicherung schlossen wir nur noch eine sogenannte Teilkaskoversicherung ab, welche nicht vor Diebstahl schützt, immerhin aber den Verlustschmerz mit einer Geldzahlung mildert. Eine Transportversicherung ist beim Motorradtransport in Höhe von 20US$ pro Kilogramm inklusive, was uns als ausreichend erscheint. Ob Du eine Gepäckversicherung brauchst, hängt ein wenig von Deiner Risikobereitschaft ab. Anscheinend wärst Du nicht der Erste, dessen Gepäck unterwegs verloren geht, zudem haben die Zahlungen der Airlines höchstens symbolischen Charakter und decken sicherlich nicht den Verlust teurer Geräte wie GPS, Handy etc. |
|
Motorradtransport
Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Du Dir sehr gut überlegen solltest, ob Du mit dem eigenen Bike auf Reisen gehst, oder lokal vor Ort eines mietest oder kaufst. Als erstes zähle ich auf, weshalb man besser nicht mit dem eigenen Motorrad gehen sollte und danach weshalb wir es trotzdem tun. Der Motorradtransport ist enorm teuer, zur genauen Formel komme ich später, unabhängig davon ob Du alles alleine organisierst oder dafür jemanden beauftragst. Die Frachtspeditionen bewegen sich alle in einem ähnlichen Preisbereich, Gebühren für den Papierkram am Boden sind feste Beträge und nicht verhandelbar, Trinkgelder in aufstrebenden Staaten zur schnelleren Abwicklung nicht inbegriffen. Der Transport eines Motorrades nach Amerika kommt im Jahr 2002 ganz grob auf etwa 2'000 CHF (1'300 Euro/US$). Zu diesen Kosten kommen dann noch Gebühren für Versicherungen hinzu. Mit diesem Geld kannst Du Dir auch was ganz schönes mieten. Bist Du nicht länger als drei bis vier Wochen unterwegs, so rechnet sich der Transport nicht. Einige Staaten machen einem Motorradwanderer das leben mit seitenlangen Vorschriften bitter, Australien gehört auch dazu. Oft müssen die Zweiräder in diesen Ländern nochmals vorgeführt (DE: TüV), hohe Haftpflichtversicherungen abgeschlossen und zu guter letzt das eigentlich international abgeschaffte Carnet de Passage vorgezeigt werden, ein Schutzbrief der nur gegen viel Geld und eine hohe Kaution (einige tausend CHF) ausgestellt wird und die Wiederausfuhr des Fahrzeuges garantieren soll. Bleibst Du länger als einen Monat in einem Land oder Kontinent fernab der Heimat, so ist ein Kauf / Verkauf eine interessante Variante. Die Preisdifferenz fällt in der Regel geringer aus, als wenn Du eine Fracht zu bezahlen hast, ausser Du machst einen Totalschaden (dieses Risiko trägst Du aber auch mit dem eigenen Bike). Weitere Vorteile dabei sind, dass Du unter bekannter Flagge fährst, was ein gewisser Vorteil in punkto Sicherheit sein kann, oder dass Du bekannte Modelle fährst, welche die ansässigen Mechaniker kennen und im Griff haben. Jasmin und ich haben uns nicht gegen die Variante Kauf/Verkauf entschieden, sondern lediglich für die Reise mit einem eigenen Zweirad. Kauf/Verkauf stand nie zur Diskussion, was mit der Projektentwicklung zu tun hat. Ursprünglich planten wir eine Route über Asien mit Startpunkt in der Schweiz (mehr dazu auf der Projektseite) und somit brauchten wir auch schon hier ein Motorrad. Nach der Routenänderung waren die Töffs bereits bestellt, desweiteren planen wir nach wie vor auf dem Landweg zurück zu kehren. Genug der Geschichten, kommen wir konkret zum Transport. Als private Person mit dem Wunsch, einmalig etwas zu transportieren, gehört man nicht zur Hauptzielgruppe der Frachtunternehmen. Die Möglichkeiten über das Internet Angebote zu bekommen sind seit dem platzen der Seifenblase beschränkt und bleiben oft unbeantwortet. Die Firma Kühne&Nagel hat als eine der wenigen reagiert und einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Meine grösste Sorge war der Transport von Südamerika nach Afrika, derjenige nach Amerika scheint alltäglich und deshalb relativ einfach zu organisieren. Doch ist es nur schon schwer, Personenflüge zwischen Brasilien oder Argentinien und Südafrika zu finden, welche direkt und nicht über Nordamerika oder gar Europa gehen. Und wenn ich eines auf dieser Reise nicht mache, dann ist dies in Europa, womöglich noch in Zürich, zu kehren! Die beiden Kontinente haben kaum wirtschaftliche Beziehungen, was sich auf die Angebotsseite niederschlägt. Trotzdem wollte ich auch diesen Teil so früh wie möglich klären, um später während der Reise nicht mangels Alternativen schlechte Konditionen akzeptieren zu müssen. Ebenfalls über das Internet sind wir auf die Firma GS Sportreisen in Deutschland gestossen, welche Motorrad Fernreisen und Transporte organisiert und sich auf diesem Gebiet auskennt. Schnell und zuverlässig machten sie uns ein Pauschalangebot für beide Überführungen mit der Option, den Termin des zweiten Transports, der nun von Buenos Aires nach Kapstadt geht, über drei Monate offen zu halten. Das bedeutet, dass wir zwischen Mitte November 2003 bis Mitte Februar 2004 etwa zwei Wochen vor gewünschtem Termin kontakt aufnehmen und uns so einen Platz reservieren. Als besonderes Extra bieten sie (oder der ausführende Spediteur) eigene Spezialpaletten an, auf welchen ein Motorrad ohne grosse Abmontagen verzurrt werden kann. Auch in Buenos Aires wird uns gemäss Vereinbarung ein solches Palett zur Verfügung gestellt. Diese Komfortvariante hat seinen Preis, Kostentreiber ist allerdings das Volumen und nicht das Pauschalangebot. Beide Frachten auf ein mal zu buchen kommt viel günstiger, als zwei mal eine. Teuer ist die Tatsache, dass das Motorrad auf diesen Paletten nicht gross demontiert wird, demnach mehr Platz im Frachtraum in Anspruch nimmt. Transportierst Du etwas kleines mit viel Gewicht, so bezahlst Du das Gewicht, willst Du etwas grosses aber leichtes von A nach B verschoben haben, so bezahlst Du das Volumen. Die Formel zur Berechnung des Preises ist simpel und anscheinend weltweit die selbe: Länge x Breite x Höhe in Centimeter geteilt durch 6'000; ist diese Zahl grösser als das Gewicht, so bezahlst Du diese Zahl mal irgendeinen Preis. Ist das Gewicht grösser als die berechnete Zahl, so bezahlst Du das Gewicht in Kilo mal diesen irgendeinen Preis. Bsp: LxBxH(220*90*120) / 6'000 = 396 Obwohl das Gewicht in Kilo Deines Motorrades wahrscheinlich kleiner als diese 396 ist, bezahlst Du 396 mal X Franken. Das heisst andererseits, Du kannst die Fuhre noch tüchtig bepacken, denn erst ab 396 Kilo würdest Du nach Gewicht und nicht nach Volumen bezahlen. Achte dabei aber auf die Vorschriften des Spediteurs, oft sind nur fest montierte Behälter erlaubt. |
|
Anhang A - Vertrag
Vertrag in PDF Format (305 KB) |
|
Anhang B - Umbauliste
Liste aller Umbauteile in PDF Format (x KB) |
|
Anhang C - Reparaturliste
Technische Berichte mit Reparaturlisten beider Bikes werden im Tagebuch veroeffentlicht. An dieser Stelle deshalb ein Link zu den jeweiligen Berichten:
Bericht vom 29.05.2003 |