Die Motorräder - Vor der Reise Motorräder

1. Allgemein
2. Marktüberblick
3. Grobkriterien
4. Feinkriterien und Entscheidung
5. Händlersuche und Vertrag
6. Umbau
7. Versicherungen
8. Motorradtransport
 
Anhang A - Vertrag
Anhang B - Umbauliste
Anhang C - Reparaturliste
phil - Um eine Motorradreise dieser Länge zu überstehen gibt es eigentlich nur zwei Erfolgsfaktoren: Körper und Geist muss funktionieren, die Maschine muss funktionieren. Um dieses Ziel zu erreichen, resp. den Zustand aufrecht zu erhalten, lassen sich einige andere Komponenten ableiten.

Um Körper und Geist am laufen zu halten achten wir besonders auf folgende Punkte:

  • genügend Flüssigkeitsaufnahme
  • ausgewogene, gesunde Ernährung (versuche Dich schon vor der Reise daran zu gewöhnen)
  • ausreichend Pausen und Schlaf einplanen
  • eine solide Grundfitness (auch hier gilt es frühzeitig mit dem Training anzufangen, eine Woche vor Abreise bringt nichts mehr!) vor allem im Ausdauerbereich, die Kraft soll mindestens ausreichen, das eigene Motorrad aufstellen zu können.

Du siehst, ich beschränke mich hier die wirklich grundlegenden Bedürfnisse aufzulisten, in der Annahme, dass bei deren Zufriedenstellung der gesunde Menschenverstand und damit die Entscheidungsfähigkeit erhalten bleibt und eine Reise beispielsweise abgebrochen wird, wenn kein Geld mehr vorhanden ist.

Somit bleibt noch die Wahl der richtigen Maschine. Es gibt nicht das eine Supergerät für alle und alles, die Wahl ist individuell auf Person und Reiseart abgestimmt. Deshalb möchte ich keinen Lobgesang von dem tollen Superbike welches wir uns kauften vorjodeln, obwohl ich von der Wahl absolut überzeugt bin, vielmehr darauf eingehen, auf was wir achteten, wie wir vorgegangen sind und kurz erläutern, weshalb wir uns schlussendlich für unsere Modelle entschieden haben.

Müller-Jussel
Unser Motorrad Händler
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das projekt und wir
Das Projekt und wir: >>hier
Erster Marktüberblick

Je länger der Winter, desto eher mehren sich die Tagträume von wärmeren Tagen, Fahrtwind am Körper, das Gefühl der Schwerkraft in den engen Kurven langer Passstrassen. Gedrängt von diesen Geistesblitzen, welche das Prädikat freiwillig nur noch knapp zulassen, besuchten wir im Februar 2002 die 2-Rad-Messe in Zürich, der grössten Veranstaltung dieser Art in der Schweiz.
Zu diesem Zeitpunkt schwelt der Gedanke das Motorrad als Fortbewegungsmittel dem öffentlichen Verkehr vorzuziehen in beiden, ist zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht beschlossen, wenn gleich schon ausgesprochen. Es war aber schon spürbar auffällig, dass wir uns beide stark auf das Segment "Enduro" konzentrierten und auf alles setzten, was auch nur annähernd danach aussah.
Jazz war vor der Messe skeptisch, ein Motorrad zu finden, welches zu Ihrer Körpergrösse passt. So war es eine freudige Überraschung die BMW F650 GS zu entdecken, welche ab Werk in einer tiefergelegten Version ausgeliefert wird, dies aber nicht auf Kosten von Federweg.
Die gewonnenen Impressionen entfachten das Feuer und wenige Tage später stand die Diskussion über die Reiseart im bestimmenden Zentrum.
Als nächstes sammelte ich Informationen: Im Internet auf Hersteller-, Händler-, Magazin- und Club/Fan- Seiten, sowie in diversen Motorradmagazinen, von denen viele im Frühling dicke Kataloge aller angebotenen Modelle der kommenden Saison herausgeben. Parallel dazu las ich ein Buch von Thomas Trottmann, Motorradreisen zwischen Urlaub und Expedition. Er ist ein überaus qualifizierter Wüstenfahrer. Auf 380 Seiten werden enorm viele Tipps vermittelt und Erfahrung weitergegeben, ohne dass es belehrend oder überheblich wirkt. In flüssigen Sätzen erzählt er von seinen Erlebnissen als Rallyteilnehmer und x-fachen Sahara-Reiseführer.
Mit diesem Fundus an Informationen machten wir uns an die Auswahl geeigneter Motorradmodelle.


Grobkriterien und Konzentration auf 2 Modelle

Für unsere Reise benötigen wir eine Enduro Maschine, was sich aus der Reiseroute ergibt. Viele Modelle fallen bei Betrachtung aus mittlerer Distanz weg, hauptsächlich wegen zu hohem Gewicht. Wir bestimmten ein oberes Limit von 300Kg inkl. Fahrer und Ausrüstung als Killerkriterium. Was im ersten Moment nach viel klingt, entpuppt sich als absolutes Sparmass, berücksichtigt man dass Motorräder ab dem gewünschten Leistungsbereich schnell 200Kg und mehr wiegen. Rechnest Du grob über den Daumen zu diesem Gewicht Benzin, Wasser, Ersatzteile, Werkzeug, Zelt, Kocher, Schlafsack und noch den angekleideten Fahrer hinzu, so wird Dir schnell klar, dass eine zweite Ersatzunterhose eigentlich schon zuviel ist.
Tiefes Gewicht steht in Konkurrenz zu mehr Hubraum und damit höherer Leistung. Mehrzylindrige, Hubraumstarke Motorräder (900ccm und mehr) wiegen oft so viel, dass sie auf unbefestigtem Untergrund nicht mehr kontrolliert werden können und in Sand auch schneller einsinken. Selbstverständlich können alte Profis mit solchen Geräten umgehen, das bin ich realistisch gesehen jedoch (noch) nicht und somit ist es für mich persönlich ein zu hohes Risiko mich auf die Gefahr einzulassen mit einem Töff zu starten, den ich nicht im Griff habe. Kleinere Maschinen mit einem Zylinder und entsprechend weniger Hubraum sind grob in zwei Klassen einteilbar:

1) Mehr auf Sport ausgerichtete, in Ausstattung und Komfort sehr spartanische Maschinen. Zwar meistens mit ausreichend Federweg, doch auch immer mit winzigem Tank, so dass sie sich wirklich eher für sportliche Einsätze mit kurzen Etappen oder Touren mit Begleitfahrzeug eignen.

2) Mehr auf komfortables Reisen auf asphaltierten Strassen ausgerichtete Motorräder mit einem hauch Abenteuer in Design und Namen, nicht aber in den Gliedern.

Da abgeleitet von unserem Können, unserem Körperbau und unserer Kraft eine schwere 1000er nicht in Frage kommt konzentrierten wir uns auf die Suche in den beiden erwähnten "leichten" Kategorien und versuchten dabei so vorurteilsfrei wie möglich zu sein, damit wir stammesgerecht einen guten Kompromiss finden könnten. So definierten wir neben Gewicht weitere Messkriterien, nach denen wir die unterschiedlichen Modelle bewerteten:

- Sitzhöhe
- Technik (Bremsen, Federweg, Leistung, Gassteuerung)
- Sicherheit (Bremsen, Licht)
- Zubehörmarkt (Anzahl und Angebot)
- Vertriebsnetz des Herstellers

Ein, resp. zwei Modelle haben die Vorselektion überlebt. Für Jazz schien aus den in der Einleitung erwähnten Gründen das ideale Bike mit der BMW F650 GS gefunden zu sein. Für mich kamen zwei Modelle weiter in Betracht, die KTM 640 Adventure und ebenfalls die BMW F650 GS in der Dakar Ausführung mit längeren Federwegen und ein paar Schnickschnacks mehr.


Feinkriterien, Entscheidung

Nun galt es die verbliebenen zwei Modelle genau unter die Lupe zu nehmen, Vor- und Nachteile aufzulisten und die Resultate gegenüber zu stellen.

Das Motorrad aus der österreichischen Schmiede KTM, die LC4 640 Adventure, besticht auf den ersten Blick und später auch bei genauerem hinsehen mit ihren Leistungsdaten. Hochwertige Bauteile, ungewöhnlich lange Federwege vorne und hinten, grosse Bremsscheiben für hohe Verzögerung (kurzer Bremsweg), serienmässig mit 30 Liter Tank, Tripmaster (unter Fahrradlenkern auch als Velocomputer bekannt) und Roadbook-Halterung im Cockpit für Karten und Wegbeschreibung. Noch erstaunlicher ist das Gewicht, nur 154 Kg soll sie nach Herstellerangaben leicht sein, allerdings trocken, das bedeutet ohne einen Tropfen Flüssigkeit.
Schwingt man sich erst einmal auf die fast einen Meter ab Boden gelegene, schmale Sitzbank ist förmlich zu spüren, auf was die KTM ausgelegt ist: Sie wurde zweifelsohne für den harten Einsatz im Offroadbereich konzipiert, mit dementsprechenden Einbussen bezüglich Komfort. Der etwas höhere Kaufpreis im Vergleich zu den Konkurrenten im selben Segment rechtfertigt sich meines Erachtens, das Preis/Leistungs Verhältnis ist in Ordnung.

BMW besticht auf dem Motorradmarkt immer wieder mit Innovationen und hoher Qualität und schaffen so handfeste Verkaufsargumente, welche den Standortnachteil gegenüber asiatischen Marken mehr als wett machen. Die F650 GS und deren Sonderausführung Dakar, wie bei der KTM steht die Zahl im Namen für den Hubraum, trumpfen mit modernster Technik auf. ABS ist in diesem Segment noch genauso unüblich wie der geregelte 3-Wege-Katalysator. Ebenso wegweisend für die Konkurrenz ist die elektronische Einspritzung, damit entfällt nicht nur das rumschrauben am Vergaser um das Benzin-Luft-Gemisch auf die Höhe einzustellen, auf welcher man sich bewegt. In den Bergen der Rocky Mountains oder auf den Hochebenen der Anden trägt dieses Features sehr zum Komfort bei. Auch die Verbrauchswerte des Motors sind für das heutige Verständnis sehr tief, was den 17 Liter Tank etwas grösser macht. Eine breite Sitzbank unterstreicht die Reisetauglichkeit, Ganzjahresfahrer wie ich begrüssen auch die Griffheizung. Toll gemacht ist auch die Lösung mit dem Luftfilter, welcher sich unter der Tankattrappe befindet, der Tank selbst befindet sich unter der Sitzbank. Durch diese geschützte Lage bleibt er weitgehend verschont von starker Verschmutzung und reduziert so den Unterhaltsaufwand.
Ab dem Modelljahr 2002 gibt es ABS und Griffheizung auch für die Dakar, welche sich ansonsten hauptsächlich durch ein grösseres Vorderrad und etwas längere Federwege vom Grundmodell unterscheidet. Hart und klug als Prädikate für Männer schliessen sich meiner Meinung nach gegenseitig nicht aus, also gehört beides, ABS und Fingerwärmer, bei der Bestellung dazu.

Beide Maschinen sind sehr gut, gereizt haben sie mich gleichermassen. Jede hat ihre Stärken, schlussendlich hat die BMW auch bei mir das Rennen gemacht. Folgende Überlegungen waren dabei ausschlaggebend:

- Dadurch dass Jasmin und ich das selbe Motorrad haben müssen wir Ersatzteile und Werkzeug nur in einfacher Ausführung mitnehmen, was erheblich an Platz und Gewicht einspart.
- Die Serviceintervalle sind bei der BMW deutlich höher, was uns Nicht-Mechanikern entgegen kommt.
- Gerade im europäischen Raum gibt es für BMW zahlreiche Zubehöranbieter, was sich positiv auf die Preise auswirkt.
- Das Vertriebsnetz von BMW ist einmalig. Bei BMW München habe ich eine Broschüre aller Auslandsvertretungen angefordert und erhalten. Die Liste ist eindrücklich. Es gibt fast kein Land auf dieser Erde, in welchem die Weiss-Blauen keinen Ableger haben. Zwar teilweise nur für Autos, doch wird es sicherlich möglich sein, über diese Strukturen auch Ersatzteile für die Zweiräder zu beziehen.
- Bessere Händlerkonditionen, da zwei Motorräder aufs mal gekauft werden.


Händlersuche und Vertrag

Glücklich der, wer einen Motorradmechaniker / -händler seines Vertrauens gefunden hat. Hier die Geschichte.
Wir sprühten vor Tatendrang und Enthusiasmus nachdem wir unsere Entscheide getroffen hatten, welche Motorräder wir nun kaufen wollten. In der Meinung, dass es den Händlern etwa gleich gehen müsste wenn sie erst mal erfahren, dass sie gleich zwei Stück verkaufen können, starteten wir voller Vorfreude die Suche nach einem geeigneten Partner.
Als Vorbereitung haben wir nach aufwendiger Informationsbeschaffung und gründlichem Studium eine Liste aller Anforderungen zusammengestellt, in welcher neben genauen Motorradspezifikationen auch alle gewünschten Umbauteile mit Lieferantennamen und Artikelnummer aufgeführt sind (siehe Umbau). Das half uns einerseits einen erwarteten Preis zu kalkulieren und konnten somit für uns eine Ober- und Untergrenze festlegen (wird eine gewisse Grenze nach unten unterschritten, ist die Glaubwürdigkeit in Frage gestellt). Zum anderen gibt die Vorgabe sich an eine Struktur zu halten die Chance, dass die Offerten miteinander verglichen werden können. Theoretisch alles korrekt. Mit diesem Anforderungskatalog betraten wir das Geschäft "Müller und Jussel AG", den nächsten BMW Händler in unserer Gegend. Der Inhaber Urban Jussel hörte sich unsere Geschichte an und nahm die Liste entgegen. Anfangs noch zögerlich war er nach kurzer Unterhaltung vermutlich langsam von der Ernsthaftigkeit unseres Vorhabens überzeugt und versprach uns innerhalb der vorgegebenen zwei Wochen eine Offerte zukommen zu lassen. Wir waren zufrieden mit dem Verlauf des Gesprächs, fühlten uns ernst genommen und hatten auch von Urban Jussel, ein eher ruhiger Mensch wie uns schien, einen soliden Eindruck.
Obwohl wir gar nicht warten wollten und am liebsten gleich zugesagt hätten, mahnten wir uns zu überlegter Ruhe und suchten einen weiteren offiziellen Händler, das "Stucki 2-Rad Center" auf. Auch da besprachen wir uns mit dem Chef. Wir waren erfreut als wir merkten, dass er unsere Begeisterung für die Sache sogleich übernahm und massenhaft Vorschläge und Anregungen platzierte. Gerne übergaben wir ihm die Anforderungsliste mit dem Hinweis auf die Ablauffrist.
Auf dem nach Hause Weg diskutierten wir angeregt. Urban Jussel stand auf einmal nicht mehr unangefochten an erster Stelle, Stucki rückte auf! Ziehen wir nun die ruhige, vertrauenserweckende Art der feurigen, begeisterten vor? Eigentlich suchen wir ja jemand der mitdenkt, dessen Erfahrung uns unterstützt.
Nun sind wir nicht blöd und nicht mehr ganz grün hinter den Ohren. Seit einigen Jahren fahren wir Auto und haben da schon reichlich Erfahrungen mit vielen, unterschiedlichen Händlern und Mechanikern gemacht. So hat uns unser Bauchgefühl bei Stucki auch nicht getäuscht und es diente unserer Belustigung als er nach verpasstem Termin und zweimaliger Nachfrage am Telefon Ausflüchte suchte, er könne keinen Kontakt aufnehmen zu dieser Touratech (Zubehörhändler in Deutschland mit gutem Internetauftritt…), auch hätten die keinen Online-Shop (…und Online-Shop) und weiss sonst noch was alles schief gelaufen ist. Damit war für uns der Fall klar, zumal wir von Urban Jussel ein sehr gutes Angebot, pünktlich zugestellt bekamen.
Mit kleinen Anpassungen stellten wir ein Gegenangebot auf Basis unserer Minimalberechnungen zusammen, natürlich nur dort, wo wir tiefer kalkuliert hatten. Die positive Antwort mit vernünftigen Kompromissen gab den Ausschlag zur definitiven Zustimmung.
An einem Wochenende bereiteten wir einen Kaufvertrag vor, in dem wir alle unsere schlechten Erfahrungen in Zusammenhang mit den lieben Automechanikern einfliessen liessen. Bei dieser Gelegenheit: Wenn jemand weiss, was eine "Leerlaufdose" ist, so teile uns das bitte mit, unser altes Auto ist daran gestorben, muss so was wie ein zentrales Organ sein ;-)
Es hat uns wirklich in positivem Sinne erstaunt, dass Urban Jussel den Vertrag (siehe Anhang A) ohne auch nur eine Korrektur akzeptierte, erwarten ihn doch hohe Strafgelder bei Lieferverzug und ähnliches.

Vor Jahren hatte ich plötzlich einmal das Gefühl, man müsse immer ein paar Flaschen Champagner im Kühler haben, da man nicht weiss, was der Tag so mit sich bringt. Schliesslich muss man auf Eventualitäten vorbereitet sein. Seit jenem Tag liegen also etwa sechs Flaschen bei mir im Kühlschrank, da lasse ich lieber die Milch warm werden, ohne dass sie auch nur angerührt wurden. Meistens ist es zu früh oder zu spät am Tag gewesen, der Grund doch nicht feierlich genug oder ich wollte den Erfolg ungetrübt geniessen.
Am Tag der Unterzeichnung haben wir zu dritt im Verkaufsraum bei Müller und Jussel angestossen. Aus dicken Sirupgläsern - wir wollen ja auch um die Welt und nicht ins Theater...


Umbau der Motorräder

So gut unsere erkorenen Motorräder ab Werk schon sind, gibt es gewisse Modifikationen, welche zum Erfolg der geplanten Reise unterstützend beitragen können. Aufgrund der gesammelten Informationen im Internet und dem erwähnten Buch, sowie durch Beratung durch unseren Töffspezialisten Urban Jussel konnten wir eine Liste aller Umbauteile zusammenstellen. Dabei galt es vor allem bei mir Mass zu halten, die Angebotsseite ist sehr umfangreich und ich schwärme schnell von informativen Zusatzdisplays, leistungssteigernden Auspuffanlagen, Chilbibeleuchtung und alles andere auf was die Welt verzichten könnte.
Es ist jeweils nicht alleine das Budget, welches mich auf der Jagd nach diesen Gimmicks stoppt. Jasmins grosse Augen und fragenden Blicke, wenn ich mit erhöhtem Puls und einem Katalog in den Fingern, wild auf eine ganze Reihe kleine Bilder zeigend neben ihr stehe, machen mir augenblicklich wieder klar - das braucht es nicht unbedingt. So haben wir beschlossen, uns auf die elementaren Sachen zu beschränken:

  • Tankausbau: Auf unbefestigten Strassen, welche wir in den USA suchen und denen wir in Afrika nicht ausweichen können verbraucht der Motor einiges mehr Benzin, so dass die Reichweite mit einer Tankladung schrumpft. Damit wir genügend Kraftstoff auch für längere Strecken mitführen können, haben wir uns für einen Tankausbau entschlossen. Natürlich könnten wir auch Kanister irgendwo am Rahmen des Fahrzeugs anbringen, was die Beweglichkeit jedoch stark beeinträchtigt. Gerade auf den langen Etappen ist schon ausreichend Wasser mitzuführen, welches möglichst optimal, das heisst möglichst tief und möglichst in der Mitte, verstaut werden soll. Je mehr sich der Schwerpunkt hebt und viel Gewicht an den Seiten hängt, umso eher kommt man ins wanken und die Sturzgefahr steigt.
    Es werden zwei Zusatztanks an elf Liter an die Tankattrappe angebracht und mit dem Haupttank unter der Sitzbank verbunden. Somit erreichen wir eine Reichweite auf befestigten Strassen bis über 700Km, im Extremfall rechnen wir immer noch mit 500Km, was bis zur nächsten Tankstelle reichen sollte.
  • Die Zusatztanks belasten die vordere Federung zusätzlich, weshalb wir härtere Federn einbauen. Ob das reicht werden wir berichten.
  • Wasser, Zelt, Schlafsack, Apotheke, Kocher, Geschirr, Ersatzteile, Werkzeug, Kleider, Geschenke, Fotoausrüstung, Kleider, Joggingschuhe, Karten, Necessaire finden neben anderen Sachen bequem in einem Koffersystem platz. Das hoffen wir zumindest. BMW bietet Koffer für unsere Modelle an, welchen ich aber keine Weltreise zumute. Formschön und mit einer ausgetüftelten Technik, in zwei Griffen abnehmbar, sicher toll für den Alltagsgebrauch in Europa. Doch traue ich der Halterung mit genau der ausgetüftelten Technik keine 10 Monate geschüttel und rüttel mit dem einen oder anderen Abgang zu. Deshalb setzen wir auf hässliche, eckige Alukoffer welche die Motorräder mit dem letzten hauch Weltenbummler verzaubern. So stehen uns je 70 Liter Stauraum zur Verfügung. Die je zwei Koffer an den Seiten angebracht bilden mit der hinteren Sitzbank eine grosszügige Fläche, auf welcher das Zelt und die Schlafsäcke ideal Platz haben.
  • Stahlflexleitungen für Bremsen, Kupplung und Gaszug. Nicht dass die Originalkabel aus Garn wären, Stahlflexleitungen haben eine spezielle, stählerne Ummantelung und sind gegen Eindringen von Schmutz an den Enden geschützt. Damit steigert sich die Lebensdauer einer solchen Leitung markant und wir erhoffen uns, aus diesem Grund nicht oft am Strassenrand zu stehen.
  • Diverse Protektoren für Motor und Hände, damit herumschleudernde Steine keine gravierenden Schäden anrichten können.
Die Motorräder werden uns anfangs Oktober 2002 ausgeliefert, also ca. 6 Monate vor dem Start im April 2003. Abgesehen von Ausstattungs- und Zubehörteilen direkt ab Werk, bei der GS sind das Handprotektoren und hohes Windschild, ABS und Griffheizung müssen bei beiden als Extras bestellt werden, sind die Maschinen zu diesem Zeitpunkt noch nicht umgebaut. Dieser findet im Januar statt, was Vorteile für uns und unseren Händler mit sich bringt. Jasmin und ich können uns während dreier Monate erst einmal an die neuen Dimensionen gewöhnen, die Gewichtssteigerung gegenüber den kleinen und leichten Geräten welche wir zuvor hatten, erfolgt in zwei Etappen. Die Müller und Jussel AG auf ihrer Seite kann ihre Werkstatt im auftragsschwachen Winter besser auslasten, die Arbeit konzentriert sich nicht nur auf die Hochsaison Frühling bis Herbst.
Eine exakte Liste aller Umbauteile findest Du im Anhang B dieser Seite.

Nach dem Umbau bleiben uns noch einige Wochen, bevor wir die Töffs in Deutschland einer Spedition übergeben, welche sie für uns nach Amerika transportieren. Diese Zeit nutzen wir nochmals intensiv zum Testen aller Zubehör- und Ausrüstungsteile. Probepacken gehört genauso dazu wie das trainieren von kleineren Reparatur- und Unterhaltsarbeiten.


Versicherungen

Es ist zu bedenken, dass die Maschinen nach ihrer Rückkehr zwar erst knapp ein Jahr alt sind, dennoch als alt bezeichnet werden können. Verläuft alles nach Plan, so werden sie wohl um die 60'000Km auf dem Buckel haben, Beulen und schrammen dieser Distanz angemessen, ich wäre enttäuscht, wenn es nicht so wäre. Aus diesen Überlegungen heraus macht es keinen Sinn, sein Motorrad über zu versichern. Nebst der obligatorischen Haftpflichtversicherung schlossen wir nur noch eine sogenannte Teilkaskoversicherung ab, welche nicht vor Diebstahl schützt, immerhin aber den Verlustschmerz mit einer Geldzahlung mildert.
Die Deckung unserer heimischen Versicherung gilt allerdings nur für Europa und den Mittelmeerraum, für die Kontinente Amerika und Afrika musste daher eine andere Lösung gesucht werden. Die Reiseagentur GS Sportreisen in Deutschland, welche für uns die Motorradtransporte organisiert hat, vermittelt Versicherungen der AIU, einer amerikanischen Gesellschaft (Siehe Liste Anhang C).
Da können Haftpflicht und Kaskoversicherungen für Nordamerika, aber auch für Afrika, Zentral- und Südamerika abgeschlossen werden. Die Versicherungsdauer kann jeweils monatsweise gewählt werden. Als erstes buchten wir eine Versicherung für sechs Monate. Sollte die Reise aus irgend einem Grund nicht fortgesetzt werden können, so wäre es schade, eine Leistung zu bezahlen, welche nie in Anspruch genommen wird. Eine Verlängerung sollte problemlos von unterwegs organisiert werden können.
Auf Kasko verzichten wir aus besagten Gründen, die Haftpflichtversicherung wird bei der AIU auf Basis des Hubraums und der Deckungshöhe berechnet. Die Deckung kann für Nordamerika gewählt werden, bis fünfzig-, hundert- oder dreihunderttausend Dollar. Berücksichtige erst einmal, was für einen Schaden Du mit einem Zweirad anstellen kannst. Materiell gesehen wird das fünfzigtausend Dollar nur in krassen Ausnahmefällen überschreiten. Gemäss Information unseres selbst reiseerfahrenen Versicherungsagenten wird zudem in den USA auch kaum auf einen Betrag höher als die Deckung geklagt, da darüber hinaus nichts zu holen ist. Selbst schuld, wer sich also für das Maximum versichert. Vor Zivilklagen mit Phantasiebeträgen wie sie in den vereinigten Staaten an der Tagesordnung sind, schützt Dich ohnehin weder eine Haftpflicht noch eine Kaskoversicherung.
Allgemein kann ich empfehlen, sich beim Thema Versicherung von einem Profi beraten zu lassen. Viele Personen wissen ein wenig, sind sich aber auch nicht hundertprozentig sicher, verweisen auf Kollegen von Kollegen, von denen sie gehört haben dass, oder aber geben zu, so wie ich, dass sie eigentlich keine Ahnung haben. Die Versicherer schaffen, vermutlich absichtlich, für den Normalverbraucher eine unüberschaubare Palette an unterschiedlichen Angeboten und damit Raum für scheinbare Verkaufsargumente.
Damit für mich die Welt der Versicherungen rund bleibt entschloss ich mich alle meine Bedürfnisse durch zwei Versicherer abzudecken. Durch die eine Gesellschaft ist die Kranken- und Unfallversicherung, die auch während der Reise bezahlt werden muss (ins Budget einkalkulieren!), abgedeckt. Da die Leistungen in der Schweiz gesetzlich geregelt sind und dadurch kaum Unterschiede bestehen, kann ich keine empfehlen; nehmen Sie die günstigste. Die andere Gesellschaft, die Zürich (neu auch Zurich Financial Services, ZFS) versichert meinen Hausrat, sowie die Motorräder. Ein Zusatzpaket der Zürich mit der Marketingbezeichnung Relax bietet weltweite Pannenhilfe (Erfahrungen werden an dieser Stelle publiziert…), Rechtsschutz ausserhalb Europas und Reiseschutz, welche Kosten für Such- und Rettungsaktionen sowie Krankentransport deckt.
Gerade bei den Kosten für Such- und Rettungsaktionen gibt es grosse Unterschiede. Beachte dass heutzutage auf der ganzen Welt für 5'000 Franken nicht mehr sehr lange gesucht wird. Eine Rechtsschutzversicherung kann gerade im Ausland, in welchem Du nicht Abonnent der lokalen Konsumentenschutz-Zeitschrift bist, hilfreich sein. Meine mehrjährige Erfahrung mit der Zürich im Bereich Versicherung ist durchwegs positiv und kann deshalb die Unternehmung mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

Eine Transportversicherung ist beim Motorradtransport in Höhe von 20US$ pro Kilogramm inklusive, was uns als ausreichend erscheint. Ob Du eine Gepäckversicherung brauchst, hängt ein wenig von Deiner Risikobereitschaft ab. Anscheinend wärst Du nicht der Erste, dessen Gepäck unterwegs verloren geht, zudem haben die Zahlungen der Airlines höchstens symbolischen Charakter und decken sicherlich nicht den Verlust teurer Geräte wie GPS, Handy etc.


Motorradtransport

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Du Dir sehr gut überlegen solltest, ob Du mit dem eigenen Bike auf Reisen gehst, oder lokal vor Ort eines mietest oder kaufst. Als erstes zähle ich auf, weshalb man besser nicht mit dem eigenen Motorrad gehen sollte und danach weshalb wir es trotzdem tun.

Der Motorradtransport ist enorm teuer, zur genauen Formel komme ich später, unabhängig davon ob Du alles alleine organisierst oder dafür jemanden beauftragst. Die Frachtspeditionen bewegen sich alle in einem ähnlichen Preisbereich, Gebühren für den Papierkram am Boden sind feste Beträge und nicht verhandelbar, Trinkgelder in aufstrebenden Staaten zur schnelleren Abwicklung nicht inbegriffen. Der Transport eines Motorrades nach Amerika kommt im Jahr 2002 ganz grob auf etwa 2'000 CHF (1'300 Euro/US$). Zu diesen Kosten kommen dann noch Gebühren für Versicherungen hinzu. Mit diesem Geld kannst Du Dir auch was ganz schönes mieten. Bist Du nicht länger als drei bis vier Wochen unterwegs, so rechnet sich der Transport nicht.

Einige Staaten machen einem Motorradwanderer das leben mit seitenlangen Vorschriften bitter, Australien gehört auch dazu. Oft müssen die Zweiräder in diesen Ländern nochmals vorgeführt (DE: TüV), hohe Haftpflichtversicherungen abgeschlossen und zu guter letzt das eigentlich international abgeschaffte Carnet de Passage vorgezeigt werden, ein Schutzbrief der nur gegen viel Geld und eine hohe Kaution (einige tausend CHF) ausgestellt wird und die Wiederausfuhr des Fahrzeuges garantieren soll.

Bleibst Du länger als einen Monat in einem Land oder Kontinent fernab der Heimat, so ist ein Kauf / Verkauf eine interessante Variante. Die Preisdifferenz fällt in der Regel geringer aus, als wenn Du eine Fracht zu bezahlen hast, ausser Du machst einen Totalschaden (dieses Risiko trägst Du aber auch mit dem eigenen Bike). Weitere Vorteile dabei sind, dass Du unter bekannter Flagge fährst, was ein gewisser Vorteil in punkto Sicherheit sein kann, oder dass Du bekannte Modelle fährst, welche die ansässigen Mechaniker kennen und im Griff haben.

Jasmin und ich haben uns nicht gegen die Variante Kauf/Verkauf entschieden, sondern lediglich für die Reise mit einem eigenen Zweirad. Kauf/Verkauf stand nie zur Diskussion, was mit der Projektentwicklung zu tun hat. Ursprünglich planten wir eine Route über Asien mit Startpunkt in der Schweiz (mehr dazu auf der Projektseite) und somit brauchten wir auch schon hier ein Motorrad. Nach der Routenänderung waren die Töffs bereits bestellt, desweiteren planen wir nach wie vor auf dem Landweg zurück zu kehren.

Genug der Geschichten, kommen wir konkret zum Transport. Als private Person mit dem Wunsch, einmalig etwas zu transportieren, gehört man nicht zur Hauptzielgruppe der Frachtunternehmen. Die Möglichkeiten über das Internet Angebote zu bekommen sind seit dem platzen der Seifenblase beschränkt und bleiben oft unbeantwortet. Die Firma Kühne&Nagel hat als eine der wenigen reagiert und einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

Meine grösste Sorge war der Transport von Südamerika nach Afrika, derjenige nach Amerika scheint alltäglich und deshalb relativ einfach zu organisieren. Doch ist es nur schon schwer, Personenflüge zwischen Brasilien oder Argentinien und Südafrika zu finden, welche direkt und nicht über Nordamerika oder gar Europa gehen. Und wenn ich eines auf dieser Reise nicht mache, dann ist dies in Europa, womöglich noch in Zürich, zu kehren! Die beiden Kontinente haben kaum wirtschaftliche Beziehungen, was sich auf die Angebotsseite niederschlägt. Trotzdem wollte ich auch diesen Teil so früh wie möglich klären, um später während der Reise nicht mangels Alternativen schlechte Konditionen akzeptieren zu müssen.

Ebenfalls über das Internet sind wir auf die Firma GS Sportreisen in Deutschland gestossen, welche Motorrad Fernreisen und Transporte organisiert und sich auf diesem Gebiet auskennt. Schnell und zuverlässig machten sie uns ein Pauschalangebot für beide Überführungen mit der Option, den Termin des zweiten Transports, der nun von Buenos Aires nach Kapstadt geht, über drei Monate offen zu halten. Das bedeutet, dass wir zwischen Mitte November 2003 bis Mitte Februar 2004 etwa zwei Wochen vor gewünschtem Termin kontakt aufnehmen und uns so einen Platz reservieren. Als besonderes Extra bieten sie (oder der ausführende Spediteur) eigene Spezialpaletten an, auf welchen ein Motorrad ohne grosse Abmontagen verzurrt werden kann. Auch in Buenos Aires wird uns gemäss Vereinbarung ein solches Palett zur Verfügung gestellt. Diese Komfortvariante hat seinen Preis, Kostentreiber ist allerdings das Volumen und nicht das Pauschalangebot. Beide Frachten auf ein mal zu buchen kommt viel günstiger, als zwei mal eine. Teuer ist die Tatsache, dass das Motorrad auf diesen Paletten nicht gross demontiert wird, demnach mehr Platz im Frachtraum in Anspruch nimmt. Transportierst Du etwas kleines mit viel Gewicht, so bezahlst Du das Gewicht, willst Du etwas grosses aber leichtes von A nach B verschoben haben, so bezahlst Du das Volumen. Die Formel zur Berechnung des Preises ist simpel und anscheinend weltweit die selbe: Länge x Breite x Höhe in Centimeter geteilt durch 6'000; ist diese Zahl grösser als das Gewicht, so bezahlst Du diese Zahl mal irgendeinen Preis. Ist das Gewicht grösser als die berechnete Zahl, so bezahlst Du das Gewicht in Kilo mal diesen irgendeinen Preis.

Bsp: LxBxH(220*90*120) / 6'000 = 396

Obwohl das Gewicht in Kilo Deines Motorrades wahrscheinlich kleiner als diese 396 ist, bezahlst Du 396 mal X Franken. Das heisst andererseits, Du kannst die Fuhre noch tüchtig bepacken, denn erst ab 396 Kilo würdest Du nach Gewicht und nicht nach Volumen bezahlen. Achte dabei aber auf die Vorschriften des Spediteurs, oft sind nur fest montierte Behälter erlaubt.


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Anhang A - Vertrag

Vertrag in PDF Format (305 KB)

Anhang B - Umbauliste

Liste aller Umbauteile in PDF Format (x KB)

Anhang C - Reparaturliste

Technische Berichte mit Reparaturlisten beider Bikes werden im Tagebuch veroeffentlicht. An dieser Stelle deshalb ein Link zu den jeweiligen Berichten:

Bericht vom 29.05.2003
Bericht vom 23.08.2003
Bericht vom 30.10.2003
Bericht vom 22.02.2004

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