31.5.2003 Harte Zeiten in den USA  

 

jazz - Nach Jackson ging die Fahrt weiter. Wir schnitten den Staat Idaho im Suedosten. Hier zeigte sich uns karge Landschaft und es wurde brutal heiss (ueber 30 Grad- beinahe Tag und Nacht). Ich weiss jetzt, was der Titel "Somewhere in Idaho" uebersetzt heissen koennte: Du bist nirgends- und dort ist es heiss. Kaum Huegel, wenig Menschen, keine Tiere, ausser einem Ockergelb keine Farben.....das war hart. Die Kilometer zogen sich hin.

Dann Utah, genauer gesagt Salt Lake City. Diese Stadt ist ein einziger Horror (naja, wenn man wie wir vom Land, von den Bergen kommt). Also Berge hat es hier zwar auch wieder.... aber da ist diese haessliche Stadt mit dem Flugplatz, der Industrie und dem vielen Verkehr. Keiner konnte uns sagen, wo der KOA Zeltplatz ist. Nach 50 Meilen suchen (noch immer bei ueber 30 Grad..) entschieden wir uns fuer ein Motel. Und so ging es zwei Tage lang weiter. Immer alles erst stundenlang suchen...
Weshalb wir 2 Tage blieben? Philipp's Toeff brauchte neue Pneus. Und das war auch das einzige Highlight dieser zwei Tage: der BMW Handler. Er machte gute und schnelle Arbeit zu einem fairen Preis.

Als wir Salt Lake verliessen, verloren Philipp und ich uns das erste mal im Verkehrschaos. Ich gebe zu, ich wurde nervoes. Schnell die naechste Ausfahrt von diesem ...Highway, aber merken, welche Ausfahrt es war. Dann Handy, zum Glueck Empfang, und dann 2 SMS und 30 Minuten Fahrt und ich hatte ihn wieder- uff. Nun aber raus aus dieser Stadt.
Bald schon aenderte sich die Landschaft und wir kamen ins Gebiet des Arches und Canyonland NP. Infos : www.nps.gov/arch/ . Diese beiden Parks sind ein Traum. Die roten Felsen, die Steinbogen, die Schluchten.... ich kam aus dem Staunen, und aus dem Schnaufen, als wir bei Sonnenuntergang die 5 km Fussmarsch hoch zum Delicate Arche unter die Fuesse nahmen, nicht mehr heraus! Wir zelteten und machten in der Nacht Bekannschaft mit einem sehr starken Wind- fuer diese Gegend normal. Ach ja- die Temperaturen! Tagsueber 40 Grad und mehr am Schatten und in der Nacht 30 Grad im Zelt. Tiefstwert: 4 Uhr morgens 28.6 Grad.

Am 30. Mai 2003 ging unsere Reise weiter Richtung Sueden durch das Monument Valley. So begleiteten uns gigantische Felstuerme und Felskloetze, riesengross und in schoenstem Rot auf unserer Fahrt. Es war einmal mehr sehr heiss und so war uns die Abkuehlung durch den Regen kurz von Flaggstaff gerade recht.
Bereits zum 2. Mal auf unserer Reise kommen wir nach Flaggstaff. Nicht weil es hier besonders schoen waere. Nein. Aber irgendwie ist es zentral gelegen von vielen NP's und hier hat es alles: Einkaufsmoeglichkeiten, Post, Internet- ein guter Ort also, erneut 2 Naechte zu verweilen.

Am 1. Juni 2003 ging es frueh morgens weiter. Bereits um 7.30 Uhr fuhren wir los. Und taten gut dabei, wie sich sehr schnell herausstellen sollte. Es wurde heiss. Sehr heiss. Bereits um 10 Uhr war auf den Elektrowerbungen in Phoenix zu lesen, dass 35 Grad herrschten. Wir machten 410 Km mit 3 Pausen, nur Trink- und Tankpausen und fuhren bis ans Zielort, Ajo, 40 Meilen von der Grenze zu Mexico.
Die Fahrt durch Phoenix (ca 1h mit 110kmh auf der Interstate) war echt krass. Es war Sonntag- ich moechte nicht wissen, was auf diesen Strassen unter der Woche los ist. Es wurde gerast und geschnitten. Einmal sah ich Philipp, er fuhr vor mir, schon in den Strassengraben spicken, weil so ein Vollidiot von hinten links kam, ueberholte ohne die Spur zu wechseln- uns beide also abdraengte, um danach rechts abzubiegen!
Bald verliessen wir diese Interstate und fuhren der Grenze zu Mexico entgegen. Auf dieser langen Strasse, Steppe mit mannshohen Kakteen soweit das Auge reicht, auf 200 Meter ueber Meer, an die 40 Grad, Mittag, fast kein Verkehr, seit Meilen kein Dorf mehr, auf dieser Strasse also wurde mir etwas mulmig zu Mute: wie wird das in Mexico? Ich kann die Sprache nicht. Stimmt es, was dir alle sagen von wegen gefaehrlich, Schmiergeld, Nachts nicht fahren, Highwayrobbery?
Wir kamen in diesem Ajo an und verzogen uns sofort in ein Motel. Wegen den gefaehrlichen Menschen ? Nein- wegen der Hitze. Menschen hat es hier gar keine- ausser dem Durchgangsverkehr. Die ganze Stadt befindet sich an einer Strasse, die sich im folgenden Rapport wiederholt: 3 hohe Kakteen, 10 Meter Kiesplatz, ein altes Restaurant, ein Motel, ein Schrotthaendler, eine Tankstelle und eine Versicherungsgesellschaft fuer Haftpflichversicherungen fuer Motorfahrzeuge fuer Mexico und dann ein Wohnhaus, verlassen natuerlich .
Wir schliefen gut, wenn auch nicht sehr lange. Die Hitze und die Nervositaet weckten uns um 5.45 Uhr. Wir fruehstueckten, wortlos. Wir packten, wortlos. Wir fuhren los, wortlos. Wir kamen in die Region den Organ Pipe NP. Infos: www.nps.gov/arch/ .Irgendwie wollte ich anhalten und unendlich viel Zeit hier verbringen- um nicht an die Grenze zu muessen. Und irgendwie wollte ich gar nicht anhalten, um moeglichst schnell an der Grenze zu sein. Also hielten wir bei der Tourist Information, machten 2,3 Fotos- wortlos? Nein. Hier gestanden wir uns gegenseitig ein, sehr nervoes zu sein- was die Sache nicht viel einfacher machte.
Ploetzlich waren sie da- die Schranken. Mit dem letzten USA-Muenz nochmals tanken uind dann an den Zoll. Den Helm hatten wir an, den Pass wollte er auch nicht sehen, nur eine Box musste ich oeffnen und dann wuenschte er uns buen viaje!
Ich konnte es kaum glauben. War das wirklich alles? Etwas unsicher fuhren wir die ersten Meilen, aehm Kilometer, auf mexikanischem Boden. Die Haeuser kleiner, fabiger, aelter. Die Strasse holprig und voller Schlagloecher. Nach etwa 20 km kam ein Militaerzoll- wir wurden vorbeigewunken. Nach nochmals etwa 30 km dann eine grosse Schranke, 4 einfache Steingebaeude und viel Uniform. Jetzt sollte es also losgehen.
Der Beamte war sehr freundlich und geduldig. Er rief uns ins erste Haus, wollte aber nur den Pass sehen fuers Visum. Mit diesem Papier und dem Stempel im Pass ging es dann ins andere Haus nebenan. Dort erhielten wir die mex. Haftpflicht fuer das Motorrad (Die Beamtin fragte uns, ob die Schweiz nun eigentlich zu Kanada oder zu Europa gehoere). Im 3. Haus bezahlten wir das Visum. Dann ab auf den Toeff fuer 100m und dem Mann an der Schranke alle Stempel, Papiere und Quittungen, die man gerade gemacht hat, nochmals zeigen- fertig.
Je 45 Dollar und etwas Geduld- das ist alles, was es brauchte. Die Nervostitaet war umsonst! Hallo Mexico!!! Wir sind da!!!! Bis jetzt hatten wir Ferien- nun beginnt das Abenteuer.


top
Tagebuch