| |
jazz - 13.6.2003 Ich bin nun seit 11 Tagen in
Mexico!!!!! Ich sage Euch liebe Leute, was wir in den USA erlebt haben, Wind
Wetter und Leute, ist im Vergleich zu Mexico wie Ferien! Ich habe es am
Schluss meines letzten Textes ja geschrieben: jetzt beginnt das Abenteuer!
Wenige km nach der Grenze verliessen Philipp und ich den
Touristenhighway und fuhren ins Hinterland, in die Berge. Erst waren die
Strassen noch gut. Erst hatte es noch etwa alle 50 km eine Tankstelle. Erst
hatte es noch Menschen. Dann hatte es immer mehr Huegel, immer mehr
Schalgloecher in der Strasse, immer mehr Tiere (Esel, Pferde, Geissen mitten
auf der "Strasse" und jede Menge Insekten. Und weit und breit keine Tankstelle,
geschweige denn ein Dorf oder wenigsten einige Menschen.. . Es existieren auch
nicht mehr alle Doerfer, die auf unserer sehr bescheidenen Karte (1:3 Mio; wir
hatten noch keine bessere- und hatten auch keine Ahnung, ob die Mexikaner sowas
ueberhaupt kennen) noch fett eingezeichnet sind. Nach 400 km Kurven,
Schlagloechern und etwa 7h Fahrt bei mind. 40 Grad kamen wir dann in einem Dorf
an. Die hatten sogar Benzin, ein Motel und ein Supermarket (ein dunkler, enger
Raum, wo wir von kompletter Toilette bis zur Banane alles haetten akufen
koennen). Doch Philipp und ich, etwas naiv wir geben das zu, hatten im Kaff
nach der Grenze viel zu wenig Bargeld gewechselt. Wir sind etwas USA
geschaedigt und nahmen, ganz unbewusst, einfach an, unsere Plastikkarten seien
auch hier willkommen. Nein. noch nicht mal Checks. Als wir dann aber unsere US$
zueckten wurden wir handelseinig- zum Glueck. So ging es noch 2 Tage weiter,
bis wir wieder am Pazifik in der Strandzone waren, wo es zivilisierter, oder
besser gesagt etwas fortschrittlicher, zu und her geht. Ich muss allerdings
sagen, dass die Natur im Hinterland im Vergleich zur Strandzone hier natuerlich
fanomenal ist: wir bewegten uns so zwischen 500 und 2000 Hoehenmetern, also von
lebloser Steppe bis zum lebenssatten Wald (ab 1200 Meter) alles. Wir hoerten
Grillen, die toenen wie eine Kreissaege von weitem... Wir sahen und hoerten
Voegel, farbig, klein und gross. Ich sah Pflanzen in einem Gruen, das ich noch
nie gesehen habe. Eine Vielfalt von Nadelbaeumen. Und dann natuerlich die
Kakteen: gross, mit Loeffeln, Blueten, Saeulen. Meist mehrere Meter hoch und
breit! Und Huegel soweit das Auge reicht. Und diese Huegel rochen nach
frieschem Pfefferminz... Ein Traum. Aber da kennen wir auch anderes: den
leicht suesslichen Duft der verwesenden Tiere am Strassenrand, die Abgase der
Laster, Busse, Tracks und Autos und dann die Duefte bei den Viehfarmen, den Sau-
und Huehnerzuchten. Der WWF kaeme auch beim Anblick der Tiertransporte ganz
schoen ins Gumpen! Dann die Gerueche bei den Industriegebieten, den
Abfallbergen die manchmal ueber Km parallel zur Strasse verlaufen und
Stellenweise eingehagt sind, damit man die Baracken der Menschen nicht sieht,
die von/auf diesen Abfallbergen leben. Manchmal fast unheimlich diese
gelblichen, gruenlichen und blaeulichen Dunstwolken die aus den kaminen der
Fabriken dampfen. Nicht selten halte ich den Atem an und ueberlege mir ganz
gut, wann ich das naechste Mal tief Luft hole.
Doch zurueck ins Hinterland von Nordmexico. Die Menschen
in diesen (wenigen) Bergdoerfern leben sehr einfach. Steinhaeuser, das Radio
klimpert laut, alle sitzen vor der Haustuer, staunen, ertragen die Hitze
irgendwie oder wischen den Dreck auf die staubige Strasse. Kommt ein Gewitter,
verwandelt sich diese Strasse sehr schnell in den Dorfbach. Ja, ja, auch das
haben wir schon erlebt! Sie fahren alte, und ich meine alte, Trucks, verbeulte
Chevis oder reiten auf Eseln und Pferden. Haette ich gewusst, was mich auf
diesem Abstecher an Schlagloechern, Strassen ohne Asphalt (und ich die 20'000km
alten Strassenreifen..), an km langer Einsamkeit (nur ein Steinhaus, ein
Esel...keine Tankstelle.. und wie lange haetten wir auf Rettung bei einer Panne
wohl gewartet) haette ich dies alles gewusst, dann hatte ich auf diesen
Abstecher verzichtet. Das war gefaehrlich- ging ja aber gut aus.
Am Pazifik ist es schon nochmals etwas anderes. Die Zoll-
Strasse ist teuer (etwa 1$ pro 20km), dafuer ist man hier sicher vor
Ueberfaellen und Schlagloechern. Diese Zoll-Strassen fuehren schoen an allen
Staedten vorbei. In den Stedten (etwa 110'000 Einw.)ist alles sehr chaotisch,
bunt und laut. Die Busse, Taxis, der Fruechteverkaeufer, der Huthaendler und
die Lastwagen, die Autos und wir mit dem Motorrad- wir alle wollen das Selbe:
schnell sicher und zuerst durch die Stadt, ans Ziel. So kommt es mir
jedenfalls vor. Manchmal sehe ich Philipp gar nicht mehr, wenn wieder eine
schwarze Rauchwolke aus einem der Auspuffe neben mir in die Luft steigt... .
Die Staedte hier erinnern mich etwas an Sueditalien...
Wir uebernachten in Hotels und Motels. Zelten/Camping ist
hier in Mexico nicht verbreitet. Wir kochen meist selber. Die
Einkaufsmoeglichkeiten sind hier allerdings sehr viel beschraenkter als in den
USA. Ueberhaupt: ich halte den ganzen Tag Ausschau nach Dingen, Kaufhaeusern
usw. die wir noch brauchen. Ich habe schnell gelernt: hier darfst Du an keiner
Tanksstelle, keiner Bank, keinem Laden vorbeifahren- es koennte fuer laengere
Zeit der letzte gewesen sein.
Doch ich gewoehne mich langsam aber sicher an das Tempo,
die Gewohnheiten, die Regeln hier- und an die Tiere im Badezimmer, im Bett, die
immer groesser werden... Obwohl die Menschen hier wirklich nett sind
hoffen Philipp und ich jeden Tag, dass an unseren Toeffs nichts kaputt geht.
Nicht hier. Bitte. Ich habe auf der ganzen Strecke noch keinen
Motorradhaendler oder Reifenhaendler oder eine Werkstatt gesehen.... . Hier
gibt es fuer fast alles ein Spezialgeschaeft. Keine grossen Einkaufszentren
mehr. Fuer die Schnur in diesen Laden, fuer die Schere in den naechsten- und
nicht gleich nebenan. Aber mit viel Zeit und Geduld findet sich hier alles.
Vielleicht also auch ein Motorradhaendler? Waehrend unseres dreitaegigen
Aufenthalts in Mazatlan haben wir das Leck in Philipps Tank geflickt. Wird es
halten? Ich werde berichten. Ebenfalls in Mazatlan haben wir es geschafft, eine
Karte von Mexico aufzutreiben und zu kaufen. Jetzt koennen wir es wagen, die
Pazifikkueste zu verlassen und an den Golf von Mexico zu fahren. Ein grosser
Bogen um das touristische Acapulco und das pulsierende Mexico City,
natuerlich. Die Strecke nach Durango betrug 318 km, fuehrte von Meereshoehe
auf 2850 MueM, wieder runter aufs Hochplateau von 2300MueM und dauerte 7h.
Weshalb so lange? Die Strasse, keine Zollstrasse mehr, fuehrte in jedes Dorf.
Und alle diese Dorfer haben Eingangs und Ausgangs und bei allen unsichtbaren
Fussgaengerstreifen sogenannte Topes: hohe, spitzige, breite, Schlaglochmaessig
ausgebaute Bodenwellen! Am fiesesten sind die Metallkuppen; etwa fussballgrosse
Halbkugeln die einer neben dem naechsten aus dem Boden ragen. Kein Vorbeikommen
dazwischen. Auch mit dem Motorrad nicht. Da gab es schon mal den ein oder
anderen Schlag auf Rad und Federn! Und dann die Kurven. Sowas habe ich in bis
jetzt noch nie erlebt. Eine Wende nach der naechsten. Keine 100 Meter gerade
Strecke! Aber die Strasse herrlich ausgebaut, keine Schlaglloecher (nur
Badewannentiefe Spurrinnen). Die Vegetation war sehr viel tropischer als bei
unserem ersten Versuch, das Land zu durchqueren! Palmen, Farn und viel Gruen,
dass ich nicht beim Namen kenne. Von Durango bis San Luis Potosi fuhren wir
dann alles auf 2300MueM: fruchtbares Land. Viel Agrag- und Holzwirtschaft. Die
Menschen hier (Viele Doerfer und grosse Staedte) leben besser als in Nordmexico-
aber auch hier gibt es die Armut. Das Wetter (nebenbei: noch immer 35 Grad am
Schatten am Tag) bescherte uns bei unserer Fahrt eine faszinierende Kulisse:
die grossen, weissen, grauen und schwarzen Wolken boten einen tollen kontrast
zu der roten Erde, den Kateenwaelder, der weiten Ebene.... Nach drei Tagen,
am 11.6.2003 kamen wir am Golf von Mexico in Tampico an. Die Fahrt runter auf
Meereshoehe gestaltete sich flacher als auf der Razifikseite, zog sich in
Terassen laenger hin (1900MueM, 1000MueM, ab 500mUem kontinuierlich abfallend)
und fuehrte durch tropisches Klima. Die feuchte Hiteze (ueber 40 Grad), machte
uns sehr zu schaffen. Wir fuhren jeweils um 6.30 Uhr los- schon
patschnass. Die Fahrt ging weiter dem Golf entlang nach Tuxpan. Hier machen
wir nun 2 Tage Pause.
Spanisch? Ich? Nein. Noch nicht. Aber ich lerne jeden Tag-
und ich habe einen guten Lehrer. Philipp war ja vor 8 Jahren 6 Monate in
Suedamerika. Und spricht echt noch gut. Wenn wir also in Kaufhaeuser/kleine
Strassenlaeden gehen, plappert er mir immer alles auf spanisch vor.. und er
schickt mich an die Reception um fuer die Nacht zu buchen.... und das nach 7h
Fahrt bei ueber 40 Grad. Ein wirklich guter Lehrer ;-)
Ich bin auch nach 11 Tagen Mexico noch sehr damit beschaeftigt, in
diesem Land meine Grundbeduerfnisse zu saettigen (wo schlafen, wo tanken, wo
trinken, was essen....) Und wenn wir das dann alles haben, wird erstmal deftig
geduscht, einige Kakerlaken gejagt (habe gerade eine unter meinem PC Tischli
entdeckt...) und dann gepennt- Kakerlaken hin oder her.
top
|