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29.06.03 Zentralamerika, sowas wie Alltag und wir  

 

jazz - Am 19.06.03 ueberschritten wir bei Hidalgo (Mex) die Grenze zu Guatemala. In unserem Reisefuehrer und auf der site des EDA haben wir nicht viel Touristenfreundliches ueber dieses Land gelesen; besonders, wenn man mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist. Das war dann auch der Grund, weshalb wir uns entschieden, dieses Land geschwind und direkt zu durchfahren. Auf der Strasse Nr 2 ging es in 2 Tagen durch das Land. Mehr Details zum Grenzuebertritt und der Uebernachtung findest Du im Text "Erster Eindrueck von Guatemala".
Seit Guatemala begleitet uns das tropische Regenzeitklima (1mal Regen pro Tag- heftig, sodass Strassen zu Baechen werden) und eine Natur von einer enormen gruenen Vielfalt. Wenn wir morgens losfahren sind die bewaldeten Huegel noch vom Regen und Dunst verhangen. Die Strassen noch nass. Und vor lauter Wald habe ich erst nach etwa 5 Tagen mal wieder weiter als 100 Meter nach links oder rechts gesehen- vom Dach eines Hotels.
Am 20.06.03 ging es in La Hachadura nach einer 3.5 stuendigen, aber wesentlich guenstigeren Prozedur (total 1 US$), ueber die Grenze nach El Salvador. Auf der Strasse Nr 2, entlang der Lavasteinkueste, fuhren wir nach Libertad. Hier verbrachten wir die Nacht in einem Hotel direkt am Strand.... . Weiter ging es nach Santa Ana, El Salvador. Hier verbrachten wir 2 Naechte.
Es ist an der Zeit, mal etwas Alltag zu erwaehnen. Zum Beispiel das Einkaufen. Wobei ich hier unterscheiden muss: Zum einen das Einkaufen im Supermarkt: es gibt nur wenige davon und sie sind teuer im Vergleich zum Frischmarkt. Im Supermarkt, etwa eingerichtet wie bei uns ein Denner nur laeuft laute Volksmusik, es winden Ventilatoren an der Decke, viele Faehnchen die zappeln, und es hat Soldaten die mit Gewehren Wache stehen. Mitgebrachte Taschen muessen am Eingang gegen eine Nummer abgeben werden. Manchmal werden Aktionen und Schnaeppchen von Live-dj mit Mikrophon lautstark angepriesen. An der Kasse geht alles gemuetlich und langsam, und Kinder packen einem fuer ein Trinkgeld die Taschen: auch waehrend der Schulzeit.
Zum anderen gibt es das Einkaufen auf dem Markt. Der Frischmarkt befindet sich jeweils in einem altem, einstoeckigen Gebaeude, meist mit Steinmauern (wobei man die nicht sieht, da sich auch rund um das eigentliche Marktgebaeude Markt befindet: der Wahrenmarkt. Von Kleidern, ueber Zahnbuersten und Papeterieartikeln bis hin zu Motorenoel einfach alles). Diese Gebaeude wirken oft sehr schmuddelig. Anfangs traute ich mich fast nicht, zwischen den eng aneinander gereihten Staenden(und eng heisst, dass sich 2 Personen nur kreuzen koennen, wenn eine davon in eine Nische steht) draussen in dieses Gebaeude zu huschen. Im Gebaeude eroeffet sich einem dann ein kleines Labyrinth an Wegen, Gaengen und eben Nischen. Man braucht gutmuetige Magensaefte und muss auch visuell einiges ertragen. Die Tiere liegen in Vierteln da, mit Kopf, ohne Kopf. Je spaeter am Tag man kommt, je intensiver ist der Geruch von Blut, Fisch, gemischt mit Bratoel, Gewuerzdueften und anderem, dass ich gar nicht richtig herausfiltern will... . Die Verkaeufer rufen einem die Preise entgegen, werden aber weder aufdringlich, noch rennen sie einem hinterher. Maerten ist ein Muss (in Nicaragua weniger). Und schnell muss man sein; ich bekomme am Markt nur dann was ich will, wenn ich mir das vorher genau ueberlege. Ansonsten werde ich einfach durch die Gaenge getrieben bis ans andere Ende und habe gar nichts gekauft. Die Fruechte und das Gemuse sind so guenstig, dass oft nicht der Preis genannt wird fuer ein Stueck, sondern die Menge der Stuecke fuer eine Runde Einheit ihrer Waehrung. Etwa 6 Bananen 50 Centivos (60 Rappen). Und wir mussten schon feststellen, dass es vielen Verkaeufern dann unmoeglich ist, den Stueckpreis zu nennen- sie koennen nicht rechnen.
Waesche waschen lassen ist auf Reisen auch immer mal wieder Thema. Entweder man handelt mit dem Hotelpersonal einen guten Preis aus oder man geht in die Lavanderia. Oft gibt es nur eine Lavanderia in einer Stadt. Die Waesche am Morgen bringen, aber nicht vor 9 Uhr und Namen und Adresse angeben. Etwa 8-10 h spaeter ist die Waesche fertig: getrocknet und zusammengelegt in einem zupostitschten durchsichtigen Plastikbeutel. Ein Kilo Waesche kostet etwa 1.50 CHF.
El Salvador ist stark bevoelkert. Phil hat das an einem Abend mal treffend gesagt: in diesem Land kann man nicht am Strassenrand anhalten um mal eben schnell fuer kleine Jungs und so. Denn man weiss nie, ob man nicht jemanden in den Garten macht! (Weshalb wir nicht auf oeffentliche Toiletten gehen?Ganz einfach: die gibt es nicht. Nirgends. Genauso wenig wie Abfalleimer am Strassenrand. Dementsprechend das Verhalten der Menschen und die Duefte und Abfallberge ueberall!). In ganz Zenrtalamerika: wenn wir am Strassenrand halten, und wir halten immer dort, wo weit und breit kein Mensch zu wohnen scheint, ueberall stroemen nach spaetestens 1 Minute Kinder und/oder Erwachsene aus den Bueschen oder eben aus ihren Naturhuetten, die man fast nicht als Haeuser erkennt.
Von Santa Ana unternahmen wir eine Busfahrt nach Sonsonate. Ein buntbemalter alter Schoolbus der USA. Der Hinweg dauerte 1h, der Rueckweg 1.5h: Der Bus auf dem Rueckweg war noch aelter als der erste! Obwohl Sonntag war der Bus voll von Marktgaengern. Ganze Familien zwaengen sich auf eine Bank: die Mutter spart so bis zu 4 Tickets, denn eine Bank zaehlt 2 Pers.
Nach Santa Ana ging es weiter durch San Salvador nach San Miguel. Wir haetten ja die Hauptstadt San Salvador gerne umfahren, doch das geht ohne Umfahrung kaum. Also mittendurch! Villenviertel, Markt, Armenviertel und Busbahnhof- wir haben nichts ausgelassen! Das ganze ohne Schilder! Der Gestank und die Raserei der Bussfahrer und Laster von San Salvador ist nicht mehr zu uebertreffen! Ich war froh und fast schon ueberrascht, lebendig durch diese Stadt und ihre Strassen gekommen zu sein.
In San Miguel dann eine Nacht. Am 24.06.03 an den Grenzuebergang nach Honduras in El Amatillo. Dieser Grenzuebertritt fand ich bis anhin den schlimmsten. Philipp machte alle Schaltergaenge und ich bewachte die Motorraeder. Dass es nicht unter 3h zu machen ist, das wusste ich ja. Aber ich hatte keine Chance an den Schatten zu gehen, ohne die Bikes aus den Augen zu verlieren. Die Waende und der Boden stanken nach Pisse. Und dann all die bettelnden Kinder und alten Frauen. Du kannst nicht hoeflich"No" sagen. Damit sie verschwinden musst Du richtig grob werden- und das ist sonst nicht meine Art. Und ich war ihnen und der Hitze ausgeliefert, da ich ja die Bikes bewachte. Etwa alle 30 Minuten lief Philipp mit immer mehr Papieren und Helfern mit einem immer groesseren Augenrollen an mir vorbei. Auch dieser Zoll war teuer: 70 US$ Gebuehren und 40 US$ Lohn- und Schmiergeld, damit unsere Papiere auf den Stapel Papier des Beamten kommen, den er heute noch bearbeitet... Ehrlich, so laeuft das hier! Und wenn wir von der Grenze wegfahren, grinsen sie auf den Stockzaehnen und zaehlen die Scheine. Ich habe Muehe damit, immer ausgesogen, bertogen und verarscht zu werden, nur weil ich mir diese Reise leisten kann. 110 Dollar fuer ein Grenzuebertritt ist auch fuer mich viel Geld. Ohne dies auszugeben- wir waeren heute noch dort. Die naechsten 30 Kilometer liefen mir die Traenen unter dem Helm. Irgendwie nehme ich das persoelich, dass sie nur mein Geld wollen. Keiner kam auf die Idee, das Foto meines Passes mit mir zu vergleichen...
Bereits am naechsten Tag, am 25.6.03 ging es dann ueber die Grenze nach Nicaragua. An diesem Zoll machte ich die Schaltergaenge. Immer wenn wir an einen Zoll fahren, kommen uns schon 1 km vor dem Zoll die Jungs auf ihren Velos entgegen, zeigen auf ihre Ausweise und bieten aufdringlichst ihre Hilfe an. Doch an diesem Zoll ueberrumpelten wir sie. Diese Jungs halten sich naemlich immer an den Mann, also an Philipp. An diesem Zoll verschwand ich laengst am ersten Schalter, bis die Jungs verdutzt feststellten, dass Philipp gar nicht "ihr Mann ist"! Auch die Zollbeamten/Innen waren unsicher im Umgang mit einer Frau am Zoll; wo sie es doch sonst hauptsaechlich mit Lastwagenfahrern zu tun haben. Das war zu unserem Vorteil. An diesem Zoll, wo man laut Reisefuhrer auch den Uniformen wieder mehr Vertrauen schenken darf, wurde mir von der Beamtin sogar ein Stuhl gebracht zum warten. Ich kam bei jeder Schlange sofort an die Reihe und ich bestimmte im Kopierbuero den Preis (auch so eine Quelle, wo sie normalerweise einfach unheimlich viel Geld verlangen: sie wissen, wir brauchen die Kopien, also steigt der Preis locker bis auf 1US$ fuer 2 -4 Kopien)Doch an diesem Zoll zahlte ich 0.5$ fuer 8 Kopien- die waren so verdutzt, es mit einer Frau zu tun zu haben, sie schluckten meinen Preisvorschlag glatt. Nach 2 h waren wir durch. Ich muss sagen, der Zoll zu Nicaragua war um einiges angenehmer als die Zolle zuvor, die Phil abgewickelt hat: hier war alles in einem Gebaeude und eben- ich konnte die Uniformen fragen, wo ich nun hingehen muss, was an den Grenzen zuvor nicht viel zur Hilfe beitrug.
In Nicaragua hatten wir die ersten 60 Kilometer eine extrem schlechte Strasse bis zur ersten Stadt. Diese "Strasse" war nunr noch ab und zu geteert, die Erdstrasse dann vom Wasser abgespuehlt und die Schlagloecher war mehr Krater... Es ging nicht darum, welches Schlagloch zu nehmen und welches nicht. Nein. Es ging nur um die Reihenfolge. Danach war die Strasse super. Allgemein in Zentralamerika kann ich sagen, dass an und von der Grenze weg die Strassen schlecht bis eben nicht mehr vorhanden sind und gut bis sehr gut, je naeher der man der Hauptstadt oder der Panamericana ist.
Unsere erste Nacht in Nicaragua verbrachten wir in Leon. Eine typische nicaraguanische Stadt mit spanischen Wurzeln. Ich sah meinen ersten Vulkan- sogar mir Rauch! Am naechsten Tag ging die Fahrt weiter nach Granada, die aelteste Stadt Nicaraguas- und sehr touristisch. Hier spuehrte ich erst richtig, durch was fuer Gebiete und Staedte ich bis anhin kam. Ich sah die letzten 3 Wochen keine weisse Haut (ok Phil)mehr!
An dieser Stelle nochmals etwas Alltag. Laedelen: hier reiht sich eigentlich in jeder Strsse, wo Menschen sind, ein Geschaeft ans naechste. Denn jeder hat irgend etwas zu verkaufen. Man geht also auf dem engen Buergersteig, Schattenseite, und spaeht in die geoffneten Metall- und Holzpforten. Manchmal schaut man so direkt in eine Wohnstube, manchmal in ein Geschaeft. Manchmal besteht das Geschaeft aus einem einzelnen Gestell und einigen Socondhandartikeln, manchmal aus einer kleinen Halle vollgestopft mit Waren. Ich musste mich erst an dieses ueberall Hinaeinschaeun gewoehnen. Aber macht man es nicht, findet man nichts. In groesseren Staedten, bzw. Srassen sind die Namen Geschafte und deren Werbung direkt auf die Hausmauern gemalt.
Oder derRegen: Es kann den ganzen Tag aussehen, als wuerde der taegliche Regen in 5 Minuten einsetzen. Wenn ich wissen will, wann es regnet, schaue ich auf die Einheimischen: erst wenn sie einen Schirm bei sich haben, ist wirklich in den naechsten Minuten mit Regen zu rechnen.
Oder das Trinken: Die Menschen haben auch hier Durst. Auf der Strasse sieht man aber keine Petflaschen oder Aludosen- nein. Die Menschen hier kaufen und trinken ihr Wasser oder ihr Suessgertaenk aus Plastiksaecklein (Knuspersaeckli)! Manchmal mit Roehrli, manchmal an einer aufbestochenen Ecke des Beutels.
Ebenfalls alltaeglich-natuerlich- die Sonnenstunden. Ab 6Uhr morgens ist es hell und um 18 Uhr ist die Sonne bereits am untergehen und es herrscht schnell Dunkelheit. Diese Verhaeltnisse geben dem Alltag einen fuer uns Mitteleuropaeer neuen, ungewohnten Tagesrhythmus. Um 6 Uhr sind wir hellwach, bereits um 11 Uhr koennten wir Mittagessen und schon um 21 Uhr kaempfe ich gegen den Schlaf an.
Am 2. Tag in Granada besuchten wir den Lago Nicaragua. den groessten Suesswassersee von Zentralamerika und der einzige mit Haien. Und wir erledigten den "Haushalt": waschen, Motorraeder warten, einkaufen, Koerperpflege und natuerlich texten fuer die Erinnerung und die Homepage. Der Deckel einer unserer Aluboxen war am Halterungsscharnier defekt (fragt Phil, wie das geschehen konnte...) In Granada konnten wir dies mit einer Aluniete bei einem Fensterrahmenhersteller fuer 5 Colones (etwa 50 Rappen) flicken lassen. Das ist eine Erleichterung, das Ding wieder ganz zu wissen. Philipp liess sich noch bei einem alten Barbier den Bart schneiden. So richtig old school mit Klinge, Kippsessel und viel Schaum...
Mir ist bewusst, dass wir auf unserer Reise sehr schnell vorwaerts kommen. Mir gefaellt das. Ich sehe auch so sehr viel im taeglichen Umgang mit den Menschen und unseren Beduerfnissen an der Strasse in den Staedten und draussen in der Pampa. Und es ist schwierig, die Motorraeder irgendwo unter zu stellen, damit wir mal einen Tag mit dem Bus oder zu Fuss etwas unternehmen koennen. Nigaracua koennen wir etwas genauer ansehen. Laut unserem Reisebuch befindet sich vieles, das es zu sehen gibt (Vulcane, historische Staedte, Fluesse, Seen) an unserer Reiseroute im Sueden des Landes.
Am 28.06.03 ging unsere Fahrt weiter auf der Panamericana nach Rivas. Hier wollten wir eigentlich die Nacht verbringen. Doch die kleine Stadt gefiel uns ueberhaupt nicht und so fuhren wir, da auch erst 9 Uhr, weiter an die Grenze zu Costa Rica.. Die Ausreise von NIcaragua dauerte 2 h. Wir standen Schlange und bezahlten etwa 5 US$ pro Person fuer die 2 Stempel. Die Einreise in Costa Rica war muehsamst. Die Beamten waren extrem unfreundlich und absolut nicht hilfsbereit. Wir mussten von einem Gebaeude ins andere, keines war angeschrieben und ueberall hatte es Menschenschlangen. Wir bezahlten 4 h Wartezeit und je 14 US$ Versicherung, dann konnte die Fahrt auf dem Highway 1 weitergehen. Wir fuhren 60 km auf dem roten und weissen, geflickten aber guten Asphalt nach Liberia. Alle 15 km, also insgesammt 4 Strassenkontrollen hatten wir zu absolvieren. Wobei Phil und ich das Gefuehl hatten, die Polizisten seien wesentlich mehr an unseren Bikes denn an unseren Paessen interessiert..... .
In Liberia nun haben wir uns fuer 3 Naechte in einem Hotel eingebucht (die Hotels in Zentralamerica in der Preisklasse wie wir sie besuchen (10-15 US$ pro Nacht), gleichen mehr Jugendherbergen mit geimeinsamer Kuechenbenutzung, TV im Innenhof, 2er Zimmer mit Dusche (kalt) und WC). Am ersten Abend hier in Liberia(mein etwas sturmer Kopf erinnert mich daran, das dies gestern war) stiessen Phil und ich mit einem (...)Glas Wein auf das Erreichen unseres ersten Etappenzieles an: Costa Rica!!!


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