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phil - Etwa in der dritten Woche unserer Reise richteten Jasmin und ich uns in einer kleinen Stadt im Staat New Mexico
auf einem Zeltplatz ein, Alamogordo, so der Name der Ortschaft. Es war noch am Rande dieser windigen Zeit, welche wir
mehrmals beschrieben haben, da vor allem durch Texas besonders intensiv erlebt. Uns wurde eine Parzelle zugeteilt, meistens
ein Vorgang der wohl ueberlegt sein will, auch wenn das ganze Gelaende zu dieser Jahreszeit zu maximal zehn Prozent belegt
ist. Auf keinen Fall darf der Eindruck von schlampiger Fuehrung oder gar Nachlaessigkeit entstehen. Nach genauem abwaegen
aller bekannten Daten und moeglichen Zukunftsszenarien parken wir schlussendlich unsere Motorraeder auf dem uebernaechsten
Platz neben der einzigen, sonst noch anwesenden Gruppe, diese ebenfalls mit Motorraedern. Diese Bikergruppe, drei amerikanische
Paare in den spaeten vierzigern, reisen wenn auch mit Zweiraedern, so doch ganz anders als wir. Pro Paar steht eine
glaenzende Harley Davidson auf dem Kiesplatz, alle mit einer Kupplungsvorrichtung und einem einachsigen Anhaenger in
passendem Farbton.
Unsere Handgriffe bei Routinevorgaengen wie dem abladen der bepackten Motorraedern, dem Kochen oder
dem Zelt aufstellen, gehen ohne Hast doch schnell, meist wortlos vor sich. Diese stummen Ablaeufe werden von aussen
gleichwohl als geschmeidig und flink wahrgenommen, wie auch ich sie empfinde, und sorgen immer wieder fuer anerkennende,
staunende Gesichter. So auch an diesem fruehen Abend. Das Zelt steht, das Gepaeck ist verstaut, in frischen Kleidern widmen
wir uns noch schnell den Ketten, welche wir regelmaessig einfetten. Als dies getan war, trauten sich unsere Zeltnachbarn, uns
in unserem Fluss zu unterbrechen. Wir plauderten ein wenig ueber das woher und wohin, und natuerlich die Motorraeder selbst.
Die Tatsache, dass wir mit dieser Art Toeff in diesem Tempo durch das vorherschende Wetter gefahren sind und uns nicht einmal
(mehr) darueber stoeren, erheitert die Runde. Als wir kurz darauf den Benzinkocher entzuendeten und einen Topf mit Reis auf
die Flamme stellten, ernteten wir nur noch den gleichsam wehmuetigen wie aufatmenden Kommentar: "nice to be young".
In San José, der lauten, fuer zentralamerikanische Verhaeltnisse schnellen und, dies wieder wie gewohnt,
stinkigen Hauptstadt Costa Ricas, schrieben wir uns in einer Art Jugendherberge ein. Nomen est omen, "Costa Rica Backpackers"
ist ueberfuellt mit jungen Rucksacktouristen und adoleszenten Reisegruppen, die meisten aus den Staaten, aber auch aus dem
mitteleuropaeischen Raum stammen. Mit neunzehn Dollar fuer einen fensterlosen Kellerraum mit einer Metallbritsche fuer zwei und einem
Bad/WC fuer etwa 30 Mitbewohner, ist es hier eigentlich zu teuer, unkonfortabel und bezogen auf das WC pro Gast Verhaeltnis
auch etwas schmuddelig. Doch das Lokal ist der Renner. An der Reception laeuft 24 Stunden Musik, die Angestellten sind ebenso
jung wie flink, es werden ein Paar PCs mit kostenlosem Internetanschluss zur Verfuegung gestellt, es gibt einen kleinen Pool
im begruenten Innenhof und im Aufenthaltsraum laeuft MTV an der Glotze.
Am fruehen Morgen legen sich die ersten jungen
Frauen im Bikini an den Pool, jede eine Packung gruener Pringles neben sich, ohne welche nichts zu gehen scheint und so
beliebt sind, dass sie vom Hotel verkauft werden. Die jungen Maenner bemuehen sich um den Kontakt mit den Frauen am Pool,
chancenlose ziehen sich den ganzen Tag MTV rein, einige versuchen ihre Attraktivitaet durch eine gewagte Frisur zu steigern,
oder nehmen ebenfalls gruene Pringles zu sich. Am Abend kommen sich die Geschlechter automatisch naeher, man sammelt sich im
Aufenthaltsraum und schaut sich die Osbournes auf MTV an. Das weinende Maedchen mit Liebeskummer am Telephon.
Die beiden
Tage in dieser Unterkunft boten uns ein herrliches Schauspiel. Mehrmals dachte ich mit einem Schmunzeln an die Generation
meiner Eltern. "Die machen gar nichts, haengen nur herum", kennt wohl jeder von uns. Das haben sicher auch schon unsere
Eltern von den ihren gehoert. Waehrend wir mit den Motorraedern durch die ganze Stadt zum BMW Mechaniker fahren, neue Reifen
auftreiben, Pakete auf der Botschaft abholen, am Zoll stecken gebliebene Pakete aufspueren, einen kleinen Rucksack kaufen,
das Esswarenlager auffuellen, e-Mails schreiben, Bilder auf CD brennen und anfangen, den Toefftransport von Panama nach Quito
zu organisieren, haengen die nur rum. Wie beknackt kamen wir wohl den anderen vor? "Sind in Costa Rica und haben nichts
anderes vor, als mit gestresstem Gesicht durch die Gegend zu hetzen?" muessen sich einige gedacht haben.
Es ist toll zu
hoeren, dass immer noch die selbe Musik laeuft wie damals. Led Zeppelin, Lenny Kravitz, Metallica um nur drei zu nennen. Es
hat Spass gemacht, dem ungehemmten, zum Teil ruecksichtslosen und unaufhaltbaren Treiben oder auch nicht, zu zusehen. Ist
Ihnen auch schon aufgefallen, dass sich zwei Personen, welche daran sind, sich naeher kennen zu lernen, immer in
Ueberlautstaerke miteinander kommunizieren, bevor es in der weiteren Phase fluesternd weiter geht? Dieses Verhalten habe ich
bei jung und alt schon mehrmals beobachtet, gehoert wohl zum Balzen der Menschen dazu. Und jeder Altersschicht ist es in
diesem Moment, unabhaengig von der Uhrzeit, komplett egal, ob die heitere Zweisamkeit auch nebenan zu hoeren ist.
Mit der
wachen Erinnerung, ebenfalls so gewesen zu sein, mit leichter Wehmuetigkeit ob der Erkenntnis, einen Teil dieser
Sorglosigkeit verloren zu haben und dem aufatmenden Wissen, vieles auch nicht mehr durchleben zu muessen, da uns die
Erfahrung beschuetzt, schmunzeln wir uns zu als wir unser Quartier wechseln, um mehr Ruhe zu haben und denken beide: "nice to
be young".
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