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phil - Beginnen moechte ich den Text mit etwas Positivem. Nicht, dass im Anschluss nur noch Negatives folgt, doch der heutige Tag verlangt nach einem positiven Anfang des Beitrags, da der ganze Tag als Erfolg verbucht werden kann.
In meinem neuen alten Pass, schweizer Leser die heute noch auf ihren neuen neuen Pass warten, verstehen die Formulierung, hat es schon jede Menge Stempel, Unterschriften und seit heute sogar eine eingeklebte Marke, rot. Darauf steht auch ein Wert, einen Bilbao, die Eintrittsgebuehren von Panama. Es sind diese Stempel von Ein-und Ausreise, Fahrzeugregistrierungen und Transitobescheinigungen, die schlussendlich materiell uebrig bleiben. Der ganze Rest ist Erinnerung:
Ordnet man die Grenzuebertritte nach dem Zeitaufwand, etwa als Indikator fuer Effizienz oder Buerokratie eines Staates, so kommt eine erstaunliche Reihenfolge zu Stande.
| Von |
Nach |
Grenzort |
Zeitaufwand |
Kosten (USD) |
- davon Schmiergeld
| mit "Helfer" |
| Canada |
USA |
Cardston |
5 Min |
0 |
0 |
nein |
| USA |
Canada |
Seattle - Vancouver |
15 Min |
0 |
0 |
nein |
| USA |
Mexico |
Lukeville - Sonoyta |
45 Min |
90 |
0 |
nein |
| Costa Rica |
Panama |
Paso Canoas |
1h |
12 |
2 |
nein |
| Honduras |
Nicaragua |
Guasaule |
2h30 |
40 |
5 |
nein |
| Mexico |
Guatemala |
Ciudad Hidalgo - Tecun Uman |
3h30 |
410 |
ca. 390 |
ja |
| Guatemala |
El Salvador |
La Hachadura |
3h30 |
1 |
0 |
nein |
| El Salvador |
Honduras |
El Amatillo |
4h15 |
120 |
40 |
nein |
| Nicaragua |
Costa Rica |
Penas Blancas |
4h30 |
38 |
0 |
nein |
| Schweiz |
USA |
New York |
3 Tage |
teuer(*) |
0 |
ja |
* Die Einfuhr sollte durch die Spedition durchgefuehrt werden, was nicht ganz funktionierte. Mit drei Tagen Verspaetung, was zur Folge hatte, dass wir im Hotel eine Nacht verlaengern mussten, nach zahlreichen Telefonaten nach Europa und Besuchen der Spedi vor Ort, was mit dem Taxi in NY auch nicht sehr billig ist, konnten wir die Bikes in der Frachthalle von Air France am JFK Flughafen abholen. Zu sehen, was in einem modernen Lager an einem der groessten Flughafen der Welt vor sich geht, war sehr spannend. Alles in allem kostete uns die Einfuhr aber mehr als erwartet: Mehr Zeit, mehr Nerven und mehr Geld.
Es ist nicht moeglich, fuer alle Laender einen einheitlichen Ablauf zu beschreiben. Fuer die zentralamerikanischen Laender ist es nicht einmal moeglich, pro Land den Vorgang zu beschreiben, zu viel scheint mir da noch von der Tagesform der Beteiligten abhaengig. Aus diesem Grund versuche ich grob die Schritte zu beschreiben, welche mit unterschiedlichen Varianten gegangen werden muessen.
Ausgangslage: Sie sind in Land A und wollen nach Land B.
Vorgehen: a) Als Person aus Land A ausreisen mit Reisepass (Schilder: "Migracion" o. "Salida") b) Fahrzeug aus Land A ausfuehren ("Ingreso Vehiculo", "Policia" o. "Aduane") c) Als Person in Land B einreisen ("Migracion" o. "Entrada") d) Fahrzeug in Land B einfuehren (analog Ausreise). Wichtig: "Transito" ist das magische Wort!
Varianten: - Registrieren des Fahrzeugs in einem Transitregister Land B (Achtung, hier wird betrogen!) - Fahrzeug in Land B einfuehren, bevor in Land A definitiv ausgechecked werden kann - Haftpflichtversicherung Land B abschliessen
Kosten: - Personenein- und Ausreise gratis bis ca USD 5 pro Person - Fahrzeug ausfuehren meistens gratis, kann aber auch kosten, ca bis USD 10 p.Fz. - Fahrzeug einfuehren 50 Cent (El Salvador) bis ca. 50 USD, abhaengig von Typ, Kubik, Modell etc. - Versicherung gratis (resp. keine Pflicht) bis ca. 20 USD pro Motorrad - Eintrag ins Transitregister sollte meiner Erkenntnis nach gratis sein, wir wurden an dieser Stelle jedoch mehrmals abgezockt. Das Problem ist, dass ihr euch nicht beschweren koennt. Bei wem wollt ihr euch beschweren, wenn ihr wisst, dass alle unter einer Decke stecken? Die sog. Helfer bei den Grenzuebergaengen sind genau an dieser Stelle keine Hilfe!
Papiere: Wir kamen mit schweizer Pass, nationalem Fuehrer- und Fahrzeugausweis durch. Kein Carnet oder aehnliches benoetigt.
Tipps: - Mit heutiger Erfahrung empfehle ich auf die Hilfe von den sog. Helfern, von welchen man am Grenzuebergang belagert wird, zu verzichten. Findet den ersten Schalter und geht da nicht mehr weg, bis Euch gesagt wird, wo ihr als naechstes hin muesst. - Plant den Grenzuebergang auf den fruehen Morgen, keinen Samstag. - Es gibt kein Transitpapier fuer gesamt Zentralamerika. Betrug! - Haltet genug Kleingeld von Land A, Land B und USD bereit. Die verschiedenen Schalter nehmen oft nur die eine Waehrung, wobei das am Zoll des gleichen Landes unterschiedlich sein kann. - Macht Kopien von Ausweisen im voraus, da zehnfach billiger. Trotzdem muesst ihr Kopien am Zoll machen lassen: Kopien von neuen Stempeln etc.: Kleingeld. - Mehr Tipps und Tricks im entsprechenden Bericht vom 15.07.03 - Viel, viel Glueck und Nerven!
Zum Abschluss eine kleine Anekdote vom Grenzuebertritt Costa Rica - Panama, dem angenehmsten Zoll Zentralamerikas. Ausser der permanenten Unfreundlichkeit costa ricanischer Zollbeamter, welche wir schon bei der Einreise kennen gelernt haben und vermutlich als Arbeitsanforderung im Pflichtenheft jedes Angestellten formuliert ist, laeuft hier alles geregelt und vergleichsweise ruhig. Es ist Sonntagmorgen, etwa neun Uhr, ich stehe bereits am Schalter zur Fahrzeugeinfuehrung nach Panama. Der gut gelaunte Angestellte mit einem offenen, hellen Gesicht mit einer der Tag ist schoen Ausstrahlung, sitzt im klimatisierten Buero, ein kuehler Luftzug stroemt durch die kleine Oeffnung des kleinen Fensterchens, ich schiebe ihm die Paesse und weitere Papiere zu. Auch hier, wie ueberall suedlich von Mexico, reicht es, wenn eine Person allen Papierkram erledigt. Die persoenliche Anwesenheit Mitreisender ist genauso wenig gefragt, wie den Inhalt der Transportboxen zu sehen, die letztmals am JFK fuer einen Beamten geoeffnet wurden. Vom Reisefuehrer wusste ich, dass die Republik Panama grossen Wert auf die Wiederausreise legt und aus diesem Grund ein Bus- oder Flugticket verlangt, die diese garantieren sollen. Nun habe ich als Fahrzeuglenker natuerlich kein solches vorzuweisen, trotzdem beantworte ich die vom Beamten suggestiv gestellte Frage, ob wir denn eine Rundreise machten, mit nein, da ich mit Jasmin abgemacht habe, dass wir so weit wie moeglich bei der Wahrheit bleiben wollen. Das muss sich um ein Missverstaendnis handeln, doch noch immer optimistisch im Gesicht fragt er nach unseren Plaenen. Ich erzaehle ihm, dass wir mit dem Flugzeug nach Ecuador zu reisen planen, die Bikes verfrachten wollen. Er entgegnet etwas, was ich beim besten Willen, das Ohr an die kleine Oeffnung des Fensters gedrueckt, akustisch nicht verstehe. Da veraendert sich seine Miene auf tragische Weise, Hoffnung entschwindet und die Mimik signalisiert etwas zwischen warum ich und Verlustangst. In dieser Reaktion sehe ich meine Chance. Wenn ich etwas an diesen verfluchten Grenzuebertritten gelernt habe, dann sind das theatralische Vorstellungen. Nullkommaploetzlich verstehe ich kein Wort spanisch mehr, von sprechen war noch nie die Rede. In jeder seiner Sprechpausen spucke ich nur noch die Woerter "Panama", "Quito", "Ecuador" und mache mit beiden Armen Auf- und Abbewegungen, was in der zum Fenster gebueckten Haltung dann aussah wie Bill Cosby beim Tanzen, aber auch "ich muss mal" haette bedeuten koennen. Der nette Mann entscheidet sich fuer sich und seinen so gemuetlich gestarteten Sonntag, winkt ab und schreibt "solo turistico" und den Namen des Flughafens irgendwo aufs Formular. Keine weiteren Fragen. Still klappert er auf der Schreibmaschine vor sich hin, erst mein Papier, dann Jasmins, danach Unterschrift, Stempel, das Original fuer ihn, den gelben Durchschlag fuer uns und den weissen Durchschlag fuer die Vulkane. Zehn Dollar verlangt er, ich sage nichts, bezahle und mache mich gut gelaunt und erleichtert auf den Weg zum naechsten Schalter. Am Abend des gleichen Tages, ich kann es nur vermuten, ging der Zollbeamte nach Hause und hat seiner Familie von diesem daemlichen tanzenden Touristen erzaehlt, der so keine Ahnung hatte, dass er nicht einmal das Papier vier Dollar pro Fahrzeug gesehen hat. Selber Schuld. War das Bestechung? Nein. Sagen wir lieber, in diesem Fall handelt es sich um ein stillschweigendes (Ueber-) Einkommen, dass wir beide ein wenig nachsichtig waren. Noch nicht ganz wach so frueh am Morgen ;-)
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