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jazz/phil - Tocumen, Copa Cargo Gelaende am alten Flugafen, etwa 8 km vom neuen, modernen Flughafen entfernt. Die Bikes stehen abflugbereit in der Frachthalle. Das heisst, die Batterien sind abgehaengt, die Rueckspiegel abmontiert, die Tanks leer (oder auch nicht ganz..), die Boxen gepackt und verklebt und die Etikette mit dem Bestimmungsort Quito, Ecuador am Windschutz angebracht. Das alles dauerte 70 Minuten. Nun stehen wir im Buero der Copa Airline, an der brusthohen Theke und erhalten nach wenigen Minuten alle Papiere, die es fuer einen Motorradtransport so braucht. Da uebrigens der Kilopreis, den wir fuer das Motorrad bezahlen, vier mal hoeher ist als der Kilopreis fuer "normale" Ware, und eben dieser normale Kilopreis im PC-Programm eingegeben ist, kostete es unseren Angestelleten schon unangemessen viel Arbeit- fuer sein Empfinden- die Formulare auszufuellen. Er musste naemlich, da selber keine Ahnung, erst seine 2 Kolleginnen neben ihm fragen. Diese wandten sich gekonnt mit der typischen "das ist nicht mein Business-Mine" ab und liessen ihn alleine schmoren, waehrend sie weiterhin einfach nichts taten. So musste sich unser Mann also schon das erste mal muehsam aus seinem Sessel hiefen und seine 40 Kilo Uebergewicht ins Backoffice schleppen, von wo er mit weiblicher Hilfe im Schlepptau wenig spaeter wieder an seinen Platz schlurfte. Zusammen fanden sie die Loesung mit Taschenrechner dann im 3. Anlauf. Wir zahlen uebrigens im Vergleich zu anderen Motorradreisenden (Info von HP anderer Reisender) einen sehr guten Preis, im unteren Mittelfeld: 1124 US$. Soviel zur Situation und etwas Vorgeschichte. Bis hierhin alles durchaus gut gelaufen..
Es ist 10.15 Uhr. Wie gesagt erhalten wir gerade die Papiere und die Rechnung und werden an die Kasse, welche sich an der gleichen Theke, einfach hinter einer duennen Glasscheibe geschuetzt, befindet. Wir erklaeren freundlich, dass wir, wie am Vortag mit einer gewissen Monica telefonisch vereinbart, gerne mit Karte bezahlen moechten. Unser Mann wird etwas bleich und fragt sicherheitshalber nach: mit Monica abgemacht? Ja mit Monica, mit Karte, 1124US$. An dieser Aussage zweifelt unser Mann keine Sekunde, was wir ihm heute noch zu Gute halten. Doch stellte dies ein Problem dar- denn die beschriebene Kasse nebenan nimmt nur Cash. Unser Mann aber erruiert das Problem ueberraschend schnell: Monica! Zu uns meint er, wir sollen uns hinsetzten.
Wir tun wie uns gesagt und setzen uns auf die 2 Stuehle, 2m visavis der Theke. Was macht unser Mann? Er ist sichtlich gestresst. Er nimmt den Hoerer des Telefons, haelt ihn erst an seinen dicken Hals, scheint der Nummer nachzustudieren, haelt den Hoerer dann an seine fette Wange, die Nummer kommt ihm nicht in den Sinn, und bevor er den Hoerer in zeitlupentempo wieder auflegen kann, haelt Phil ihm Monicas Direktwahl hin. Naja, da konnte er kaum anders, als nach 5 Minuten wirklich anzurufen. So verstreicht eine erste Viertelstunde. Unser Mann scheint Monica nicht erreichen zu koennen. Er schwitzt jetzt, vom vielen waehlen. Bei seinen Kolleginnen neben sich, die noch immer filmreif nichtstun, ist er mit seiner Suche nach Hilfe natuerlich laengst abgeblitzt. Und dann passiert etwas: er steht auf! Hieft seine Masse aus dem Buero 10 Meter nach links und kaempft sich die Treppe hoch- zu Monica und ihrem Team.
Eine Viertelstunde spaeter, wir beobachteten unterdessen das Treiben im Buero wo Zettel gebracht und geholt werden schlurfend, stoenend, quatschend, im ganzen etwa drei Personen... Eine Viertelstunde spaeter also kommt unser Mann zurueck und laesst sich abgekaempft in seinen Sessel fallen. Er schwenkt, schuetteln waere uebertrieben, er schwenkt seinen Kopf, verdreht die Augen und scheint seinem Ende nahe zu sein. Etwa 2 mal steht er in den naechsten 15 Minuten auf, um sich gleich wieder hinzusetzten. Es passiert also auch in diesen 15 Minuten wirklich nichts, gar nichts, das die Situation aendern wuerde. Jetzt hat Jasmin genug und geht an die Theke: Que pasa? Der Typ nuschelt irgend etwas vor sich hin, gedaempft, am Ende. Da kommt Phil und erkundigt sich nach dem Problem. Er: Das Problem ist, das Monica nicht hier ist. Familienfest. Phil:Das ist mir egal. Er:Mit Karte kann man nur am neuen Fluhafen vorne bezahlen. Phil: Also los- gehen wir! Gehen wir bezahlen! Worauf der Typ nur meint, das ginge nicht. Weshalb, das erfahren wir nie. Die Diskussion versandet hier. Doch er merkt wohl, das wir, obwohl bis jetzt lieb, nett und vor allem ruhig auf unseren Stuehlen wartend, dass wir auch eine Grenze an Geduld haben und sehr wohl anders koennen. Um das gleich nochmals klar zu machen sagt Jasmin: Will zahlen. Jetzt. Will zurueck in die Stadt, ins Hotel. Keine Zeit zu vertrödeln hier!
11.00 Uhr. Unser Mann schwitzt sich Pfunde vom Leibe, telefoniert (immer noch erst mit dem Hals, dann mit der Wange, dann mit der Nachbarin und dann mit jemandem, der nicht abnimmt). Wir diskutieren indessen lautstarkt die Tatsache, dass hier, an diesem abgelegenen Ort, wohl jeder mit dem Auto zur Arbeit kommt. Wo also bitte sehr ist das Problem, jemanden mit Auto zu finden, um uns an den neuen Flughafen zu fahren und wieder zurueck? Es stehen hier genuegend Autos auf dem Parkplatz rum und ebenfalls genuegend Angestellte, die absolut nichts tun!
11.15 Uhr. Unser Dickerchen, er hat noch immer nichts unternommen ausser Nummernwaehlen, aufhaengen und Augenrollen. Er hat noch kein einziges Wort in den Hoerer verloren! Jetzt steht er erneut auf und kaempft sich abermals die Treppe hoch.5 Minuten spaeter kommt er zurueck, mit einem neuen Gesicht hinter sich. Im Vergleich zu den anderen hat dieser als einiziger kaum Uebergewicht und schaut ein bisschen aus, als hatte er schon mal gearbeitet. Doch auch er bekundet als erstes, dass er jetzt und hier absolut unabkoemmlich sei. Er greift zum Hoerer, ueberraschend schnell. Spricht sogar, will nach weiteren 5 Minuten Jasmins Kreditkarte und hat nach nochmals 5 Minuten den schwarzen Peter gefunden, der den Kurrierdienst machen wird. 11.30 Uhr Der schwarze Peter geht los.
12.00 Uhr. Die Mittagspause rueckt gefaehrlich nahe. Unser Mann am Schalter bekundet seinen Unmut darueber, dass er jetzt noch nicht mal Pause machen kann, wenn der Typ nicht bald kommt. Das erste Mal, dass wir das gleiche Ziel verfolgen! 12.05 Uhr. Der schwarze Peter kommt, Jasmin darf unterschreiben- unser Motorradtransport ist bezahlt. Wir wollen noch die Kontaktadresse der Copa Cargo in Quito wissen. Das ist zuviel fuer ihn, nicht sein Job, und sowieso, er hat jetzt Pause. So kommt es, dass wir selber in den ersten Stock geschickt werden, uns dort einer Angestellten in den Weg stellen, damit sie uns wahrnimmt und nicht zufaellig uebersieht. Sie fragt uns, ob wir nach etwas zu Essen suchen. Nein, Kontaktadresse Copa in Quito. Sie hat verstanden, schlurft gemuetlich los und sucht jemanden, dem sie den Job abschieben kann. 10 Minuten danach erhalten wir von einem uns fremden Gesicht die Adresse. Danke und Tschuess.
12.15 Uhr. Wir verlassen das Cargo Gelaende und machen uns zu Fuss auf den Weg zum Zoll.
Am selben Tag auf der Post:
Phil, mit zwei dicken Couverts in den Haenden und Jazz, mit einem schuhschachtelgrossen Paket unter dem Arm, stehen in der Post in der Warteschlange vor dem einzigen geoeffneten Schalter. Soweit nichts neues- alles ok. Waehrend des Anstehens geht Jazz an einen der geschlossenen Schalter, hinter welchem eine Angestellte- Luft atmet. Sie fragt nach einer Adressettikette fuer das Paket. Das gibt es hier nicht. Also fragt sie nach einem Kugelschreiber und schreibt die Adresse am Schalter direkt auf das Paket. Sie stellt sich zu Phil in die Schlange zurueck. Eine halbe Stunde spaeter haben sie es geschafft und stehen vor der Poestlerin, welche ihnen freundlich aber bestimmt klar macht, dass dies hier natuerlich die falsche Post sei, um Briefe und Pakete aufzugeben.
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