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jazz - Wir sind am Samstag, 19.07.03 um 21.38 Uhr in Quito gelandet. Der Pilot informierte uns, dass draussen gerade mal 12 Grad Celsius herrschen. Ich empfand dies als ganz schoen kalt! Mit dem Taxi ging es nach dem reibungslosen Zollgang, dem Zoellner war sein Boxkampf am Mini-TV wichtiger, aufs geratewohl zu einem Hotel, das wir uns in unserem Reisefuehrer auf dem Flug nach Quito rot anstrichen. Es verging keine Stunde seit der Landung und wir sassen auf dem engen Doppelbett in Hotel Majestic.
Am Sonntag, 20.07.03 erkundeten wir zu Fuss, bei klarstem blauen Himmel, wie er nur auf 2850 Metern ueber Meer sein kann, bei kuehlen 24 Grad und atemberaubend duenner Luft die Altstadt Quitos. Etwa 3 Stunden liefen wir herum, von Kirche zu Kirche, von Plaza zu Plaza, manchmal einfach den Leuten, oder der Musik der Einheimischen folgend. In Quito leben viele Indios, zu Teil in ihren traditionellen Trachten, die Frauen mit ihren lustigen Hueten. Wobei fast alle Einwohner hier von sich behaupten, Mestizen zu sein. Wir kamen an Maerkten vorbei, an Strassenkuenstlern (die Indios sind ein "kurzgewachsenes" Volk, und sogar ich konnte locker von der hintersten Reihe nach Vorne sehen; das ist mir noch nie passiert!) und an der Trolleybuslinie der Stadt. Quito liegt wunderschoen an den Haengen von ueber 4000 Meter hohen Bergen, ist eine ueber 30 km in die Laenge gezogene Stadt und der Flughafen befindet sich mitten, aber wirkllich mitten in der Stadt. Beim Anflug konnten wir den Stadtbewohnern in die Stube sehen...! Phil und ich kamen ganz schoen ins Schnaufen, hatten etwas Kopfweh und waren an diesem Abend ungewohnt muede und schlaff.
Es wurde Montag, 21.07.03. Puenktlich um neun Uhr nahmen wir Telefon, Notizblock, Strassenkarte und Kugelschreiber zur Hand. In unseren Unterlagen (unterdessen eine ganz schoene Menge Papier, Quittungen, Fotokopien, Adressen und Telefonnummern) suchten wir die von Panama angegebenen Kontaktnummern und bagaben uns auf die Suche nach unseren Bikes. Diese befanden sich ja noch immer auf irgendeinem Cargo Gelaende am Flghafen- noch nicht ueber dem Zoll. Es verging 1 Stunde mit Telefonieren, Adressen im Internet suchen... und alles was wir erreichten war, dass wir 7 Telefonnummern hatten und keine war die richtige (weder die der "Kollegen aus Panama", noch die aus dem Internet, noch die aus dem Telefonbuch) und wir hatten keine Chance, heraus zu finden, wo unsere Bikes sind! Phil machte sich veraergert auf die Suche nach etwas Essbarem und ich faedelte Plan B ein. Von einem lieben Freund, zur Zeit in Spanien, erhielten wir nur wenige Stunden zuvor per Mail eine Kontaktadresse in Quito- der Bruder des Mannes einer seiner Schwestern. Nach etwa 5 Telefonaten hatte ich ihn am anderen Ende der Leitung: Edison. Es war ein eigenartiges Telefon: er spricht genau so gut english wie ich spanisch. Doch wir schafften es, dass er um 12 Uhr ins Hotel kam um uns mit unseren Bikes zu helfen. Um 12 Uhr begruessten Phil und ich Edison und seinen Freund Carlos, beide in Anzug, in der Halle des Hotels. Zusammen gingen wir in deren Buero, eine Art Anwaltskanzlei. Dort gingen die beiden die genau gleichen Telefonnummern durch wie Phil und ich vor einigen Stunden. Doch sie sprechen ihre Muttersprache und konnten der Sache etwas energischer auf den Grund gehen. Nach etwa 30 Minuten und etwa 20 Telefonaten war klar, dass unsere Motorraeder bei Air France Cargo seien. Klar, wo denn sonst!?! Der Name der Person, die uns in Panama angegeben wurde stimmte, nur die Fluggesellschaft nicht ganz. Begleitet von Edison gingen wir dahin und unterschrieben die ersten Papiere, erhielten die ersten Stempel und Durchschlaege und zahlten 28 Dollar Lagerhallengebuehr. Daraufhin fuehrte uns Edison zu einem Freund, der bei einem Anwalt (Zollagentur) arbeitet und der uns helfen wuerde beim Zoll. Bald sassen Phil und ich an einem Tisch mit Edison und 2 weiteren Maennern in Anzug, die uns erklaerten, dass wir bis zu 300 Dollar zu bezahlen haetten, deren kleines Gehalt inklusive. Denn Versicherungen und, und, und seien noetig. Er wuerde sich in 24 h mit der genauen Kostenaufstellung wieder bei uns melden. Wir drei verliessen das Haus. Draussen verdrehten nicht nur wir, sondern auch Edison die Augen. Wir waren uns einig, dass dies zu teuer kommt und auch anders gehen muesste. Es war unterdessen fast 16.00 Uhr. Auf meinen Vorschlag hin machten wir uns selber auf an den Zoll- alle noetigen Papiere hatten wir ja. Wie vermutet, war aber am Flughafen Frachtzoll schon fuer die meisten Feierabend. Ein netter Herr erklaerte Edison den Ablauf, was wir braeuchten und dass wir es morgen versuchen sollen. Jetzt wusste Edison, wie die Sache zu laufen hat und er stimmte uns mit seinem Tatendrang durchaus optimistisch, dass wir das auch zu dritt hinkriegen. Erneut gingen wir in sein Buero. Dort verfasste Carlos fuer uns ein nettes Gesuchsschreiben um Transitoerlaubnis, in perfektem spanisch. Es war etwa 19 Uhr als dieses Schreiben aus dem Drucker kam- in 3facher Ausfuehrung- und ich freute mich schon auf eine heisse Dusche, etwas zu Essen und das warme Bett. Da erklaerte uns Carlos, dass er eben gerade heute noch ein Auto habe und uns gerne die Muy Bonitos de Quito Stellen zeigen will. Nur eine oder zwei Stunden. Natuerlich willigten wir ein und auch Edison war bald von Carlos Leidenschaft ueberzeugt und kam mit. Es war dunkel und wir mussten zu Teil sehr schnell sein mit aus dem Auto lugen, wenn es von Vorne wieder hiess: Universidad, Iglesia (Kirche), Ciudad vieja (Altstadt) oder Plaza soundso. Die Fuehrung war auf spanisch, klar. Ich glaube, das Wichtigste verstand ich.... Wir fuhren unter anderem auch durch das wirklich sehr, sehr gefaehrliche Viertel mit der Strasse 24 de mayo. Die Tueren des Autos wurden verriegelt, die Fenster hochgekurbelt. Dafuer oeffnete Carlos das Schiebedach und Phil und ich wechselten uns ab mit aufstehen und oben hinauslugen- auf Carlos Draengen hin. Das gefaehrliche Viertel bestand aus sehr engen Gassen mit hohen Haeusern; eine Art Tunnel mit nur einer Richtung. Frauen und Kinder huschten in die Hauseingaenge. Das wars. In der Naehe des Plaza de la Independenzia (Orte, die Phil und ich am Sonntag besuchten, bekamen ploetzlich Namen)parkten wir das Auto. Ein bewaffneter Polizist bakam etwas Trinkgeld, dafuer warf er ein Auge auf das Auto. Wir liefen etwa 1 h herum, von Kirche zu Kirche, erfuhren etwas Historia (Phil sicher mehr als ich) und besuchten einige Plaetze Quitos. Zum Schluss der Stadtrundfahrt ging es einen der "Huegel" hoch und wir erhielten einen traumhaften Ausblick auf Quito by night. Den, da hatten Edison und Carlos bestimmt recht, den nicht viele Touristen zu sehen bekommen. Phil und ich trauten uns ja, wie empfohlen, in den anderen Staedten nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr auf die Strassen. Carlos fuhr uns dann direkt vors Hotel, wo wir uns herzlich aber muede voneinander verabschiedeten. Im Hotelzimmer verschlangen Phil und ich dann erst mal die paar Broetchen, die wir auf der Stadtrundfahrt noch gekauft haben, und die Buechse Thon, die wir noch hatten, nahmen eine heisse Dusche und legten uns muede schlafen.
Dienstag, 22.07.03 (Happy Birthday Bruderherz). Es ist 8.00 Uhr und Phil und ich warten an der Bushaltestelle vor dem Flughafen auf Edison. Puenktlich und gut gelaunt kommt er, nicht mehr im Anzug- ein anderer Mensch! Wir werden bald von Buero zu Buero geschickt, von Secretario zu Secretario verwiesen. Doch Edison ist hartnaeckig und eine gewisse Dr. Patricia Bravo kuemmert sich schliesslich um unser Anliegen- vorerst. Sie blaettert wichtig im Gesetzesbuch und liesst die Stelle auf spanisch vor. Darin war die Rede von Carnet de Passage (Phil und ich rollten versteckt die Augen) und von einem Unterschied, ob man die Motorfahrzeuge importieren will oder nur eine Durchfahrtserlaubnis (demporaere Einfuerung) will. Sie klappte den dicken Ringordner zu und sagte sowas wie: Also, sie muessen Tourismo beantragen und erhalten eine Bewilligung fuer max. 15 Tage. Sonst ist eine Agentur noetig- was teuer waere. Nichts mehr von Carnet de Passage und auch was sie sonst noch sagte, 15 Tage, Tourismo usw. stand niergends im Gesetzesbuch- soviel Spanisch verstehe unterdessen sogar ich. Wir muessen den von Carlos mit Hingabe geschriebenen Brief also neu formulieren: Transito ist falsch, dies wuerde bedeuten, wir wollen die Bikes Importieren. Es muss Tourismo stehen. Also gehen wir ins Gebaeude nebenan. Dort tippt uns ein Mann den benoetigten Brief fuer 2 Dollar. Zusammen mit diesem Schreiben, 2 Kopien davon und unseren Paessen sowie den Motorfahrzeugausweisen stehen wir, wieder im anderen Gebaeude, beim Secretario an. Diese machen die Schreibarbeit bis 15.00 Uhr- dann sollten wir wieder kommen. In der Zwischenzeit checken Phil und ich im Hotel aus, bringen unser Gepaeck zu Edison ins Buero. Wir werden ab jetzt bei ihm zu Hause wohnen. Danach verbringen Phil und ich einige Stunden "auf der Strasse" bevor wir uns um 14 Uhr erneut mit Edison treffen. Edison hat unterdessen den Kostenvoranschlag des Freundes eines Freundes erhalten: 550$... . Das schaffen wir alleine billiger! Zu dritt gehen wir wie vereinbart um 15 Uhr an den Zoll. Dort laesst man uns ueber 1 h warten bis sich die Sekretaerin per Handschlag von uns verabschieden will mit den Worten, wir sollen morgen nochmals kommen. Daraufhin werden Phil und ich, und auch Edison, leicht hysterisch und wir erklaeren, dass sie noch unseren Pass haben und wir ohne diesen nicht in die Nacht koennen. Da zeigt sie Verstaendnis und ploetzlich duerfen wir doch noch ins Buero hinein, wo ein Angestellter mit unseren Ausweisen vor einem PC sitzt. Er schreibt den 3. Gesuchsbrief. Nochmals alle Daten, nochmals alle Nummern....Und es wird nochmals brenzlig. Das Problem ist, dass wir die Bikes an einem Flughafenzoll einfuehren, sie aber am Landeszoll ausfuehren werden. Da muessen wir ein Depot bezahlen, Prozentsatz des Kaufpreises der Bikes, das Depot erhalten wir dann an der Grenze bei der Ausreise wieder. Wir erklaeren, mit einem Pokerface das geuebt sein will, dass die Bikes je einen Wert von etwa 2'000 bis 3’0000 Dollar haben (so billig, da Herstellerland Deuschland ja unser Nachbarland ist), dass wir jedoch leider keine Kaufquittung besitzen. Der Mann runzelt seine Stirn. Das koennen die hier verdammt gut. Da legt sich zusaetzlich Edison erneut fuer uns ins Zeug. Er erklaert unsere Reiseabsichten, unsere Homepage und dass wir Amigos von ihm seien. Phil zueckt noch unseren Joker: Die Quittung und den Vertrag unseres Motorradtransportes von Buenos Aires nach Kapstadt im November. Unser Mann schaut sich dieses Papier und deren Stempel genau an, fragt nochmals nach bei Edison: Amigos? und willigt ein, schliesslich hatte er schon einige "CH-Chicas", so seine Worte (=Austauschstudentinnen), bei sich zu Hause und kennt die Schweiz: wir muessen ihm nur versprechen, dass wir das eine der Formulare mit Stempel von der Grenze nach Peru an Edison faxen und er bringt es dann ihm. Abgemacht (Nur schon den uns folgenden Bikefahrern, die ebenfalls einen Transport in Angriff nehmen- also Quasi dem Ruf der Biker zuliebe, werden wir dieses unsinnige Fax senden). Der Brief Nummer 3 wird pro Person 7 mal (!) ausgedruckt, alles wird mit je 3 verschiedenen Stempeln und 2 verschiedenen Unterschriften versehen. Fertig! Leider wird es nichts mehr mit Bikes holen, da es bereits 17.00 Uhr ist und niemand mehr arbeitet. Wir fahren erst ins Buero zurueck, Phil und ich gehen zum Chinesen um die Ecke zu Nacht essen, dann geht es, von Carlos chauffiert zu Edisons Eltern. Dort isst Edison und wir packen Matratzen und Bettzeugs ins Auto des Vaters, der uns drei zu Edison faehrt. Dort zeigt er uns seine Junggesellenbude: ein Appartement am Hang mit Sicht auf den Flughafen, gutes Viertel, 2 Zimmer, Bad, Kueche. Bilder stehen am Boden, keine Moebel, nur sein Bett. Wir machen es uns auf dem Boden in der leeren Stube bequem, schauen in seinem Zimmer zu dritt auf dem Bett einen Film an und gehen bald schlafen. Der Tag war anstrengend und Phil macht erneut an seiner hartnaeckigen Erkaeltung rum.
Mittwoch, 23.7.03. Edison weckt uns mit seinem Singsang unter der Dusche. Es ist 7 Uhr und gerade mal 15 Grad in der Wohnung. Heizung gibt es nicht. Um 8 Uhr stehen wir erneut zu dritt mit all den Papieren, Kopien und Quittungen am Zoll. Wir brauchen noch je 3 Kopien des Passes, des Fahr- und des Fahrzeugausweises. Danach geht es mit dem Taxi um den Fluhafen herum in einen anderen Stadtteil. Dort zum Frachtgelaende der Extecomexco (oderso), wo unsere Bikes tatsaechlich in einer Halle stehen!!!!! Wir entdecken, dass eine Box stark eingedrueckt ist. So stark, das wir sie bei einem geschickten Metallhandwerker geradehaemmern lassen mussten, damit wir sie ueberhapt wieder einigermassen fahrtauglich am Bike befestigen konnten. Die zurrten Phil’s Bike so stark an einen anderen Gegenstand, dass sogar die Pfanne in der Box zerdrueckt war! Die Karzter am Tank und der angeschlagene Blinker sind weniger tragisch... Und sie haben uns die Luft aus den Reifen gelassen. Sonst alles ok. Die Boxen (wir haben sie verklebt)wurden nicht geoffnet. Alles dran, Helme noch ganz. Wir machen die Bikes startklar, pumpen sie fahrtauglich, waehrend Edison die letzten Schaltergaenge (28$ Lagerhallngebühr) fuer uns macht. Schliesslich erhalten wir die Einfuhrstempel in unsere Paesse und wir duerfen los!!!! 2 Tage, 56$- dies ist mit Abstand die billigste Fahrzeugeinfuhr ohne Carnet de Passage, von der wir wissen! (Wir holen Tipps und Infos oft von HP’s anderer Reisender und auf www.horizonunlimitet.com). Zuerst ging es an eine Tankstelle, ganz langsam und vorsichtig: Luft in die Pneus! Dann mit Edisons Schluessel im Hosensack zu ihm nach Hause: umpacken, umziehen, duschen, rasieren... Es ist so gut, wieder all meine Sachen bei mir zu haben! Wir gehen zurueck ins Buero zu Edison und ueberreichen ihm und Carlos Dankesgeschenke. Edison hat auch eine Ueberraschung fuer uns: heute Abend spielt seine Fussballmannschaft in Quito und er hat genau drei Saisonkarten organisiert! Und so kam es , dass Phil, Edison und ich zuammen am Abend an den Fussballmatch gingen. Dieses Erlebnis fuehre ich hier nicht weiter aus- das ist ein Bericht fuer sich wert! Nur so viel: wir gewannen 2:0!
Am Donnerstag, 24.07.03 schliefen Phil und ich aus. Edison verliess und ueberliess uns somit das Haus frueh am morgen. Nach einem feinen Fruehstueck, die Panaderia befindet sich gleich um die Ecke, machten wir uns und unsere Motorraeder startklar und fuhren zur La Liniea- dem Aequator! Es war herrlich, endlich wieder Toeff zu fahren. Es war wie nach Hause kommen! Wenn wir auch nur 50 Kilometer gemacht haben, es war eine Freude. Und die Bikes, mit der elektronisch geregelten Benzineinspritzung, fahren wie geschmiert, trotz der Hoehe! Den Nachmittag verbrachten wir nochmals in Quito New Town und zusammen mit Edison im Buerro. Von Carlos verabschiedeten wir uns via Edison- leider sahen wir ihn nicht mehr persoenlich. Den Abend verbrachten wir mit packen.
Es ist Freitag, 25.07.03. Unsere Reise geht weiter. Muchos gracias Edison! Suedamerika wir kommen!!!
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