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phil - Folgend drei kurze Geschichten zu Beobachtungen, welche selbst keinen Text (von mir) ergeben, die ich aber doch einmal noch erwaehnen moechte.
Urin
Ich starte gleich mit dem unangenehmsten Stichwort. Dieses Thema sticht Jasmin und mich in der Nase, seitdem wir suedlich von Mexico sind. Oeffentliches Urinieren der Maenner ist in diesen Laendern gebilligt und geduldet. Nicht etwa heimlich in abgelegene Ecken oder in Buesche (wie die Frauen und Mädchen). Auf den Kirchenplatz, auf der Hauptstrasse, mit und ohne Publikum. Frueh muss anfangen, was der Grossvater vor macht. Schliesslich bedarf es einer geuebten Technik, sich richtig in den Wind und an eine geeignete Stelle auf den Pflasterstein zu stellen, damit weder die Hosen vollgespritzt noch die Schuhsohlen vom langsam sich ausbreitenden Gelb eingekreist werden. Es kommt durchaus vor, dass wer mit dem Motorrad auf der Hauptsrasse durch ein Dorf unterwegs ist, waehrend einer Strecke von einem Kilometer eingehuellt ist in den Geruch abgestandener Pisse.
In die gleiche Kategorie faellt "das sich am Glied kneifen" der Maenner an den Zolluebergaengen in Zentralamerika. An jedem Zolluebergang in Zentralamerika, zur Regel erhoben, nachdem die Grenze von Costa Rica zu Panama die noch noetige Ausnahme ausmacht. Sehr zum Nachteil empfiehlt die oertliche Mode das Tragen von dicken Jeanshosen, trotz feucht-heissem Klima. Vermutlich kommt sonst noch so das eine oder andere lebendige dazu. Dem staendigen, ebenfalls oeffentlichen, Kratzen, Halten und Druecken nach zu beurteilen, brennt es den Maennern im Genitalbereich wenig bis heftig aber ganz sicher staendig.
Ohrenschmalz
Motorrad fahren ist laut. Das staendige Rauschen des Fahrtwindes kann, gerade bei viel seitlichem Wind, betaeubend sein. Sobald ich mich vertraut fuehle mit den vorherrschenden Verkehrsregeln und Verhaltensweisen der Lokalen, verwende ich deshalb Ohrstoepsel. Das fahren mit Einschraenkung der Sinnesorgane bedarf allerdings etwas Gewoehnung, in Mexico wuerde vermutlich genau in einem solchen Fall zur "Extremen Vorsicht" geraten. Durch Ohrschmalz und Staub nutzen sich diese ab und aus hygienischen Gruenden ist es besser, die Pfropfen ab und zu zu wechseln. Irgendwann ist der Vorrat aufgebraucht, wir gehen in eine Apotheke und fragen nach einer neuen Packung Gehoerschutz. Das Wort vorher extra noch in spanisch auf ein Papier geschrieben, da unsicher, wie man es ausspricht. Das ist auch noch erwaehnenswert: Stimmt die Betonung eines Wortes nicht zu hundert Prozent mit dem Soll ueberein, wird man nicht verstanden. Das Sprachgefuehl ist hier anders. Also wir sagen, was wir wollen, halten dann unser Zettelchen hin, auf dem wir den Begriff geschrieben haben und uns wird ein herrlicher, unglaeubiger Blick entgegnet, der so viel heisst wie: "Wir machen immer extra so viel Laerm und ihr wollt das nicht"? "Vielleicht in einem Sportgeschaeft" meint sie noch und wir machen uns bis Chile vergeblich auf die Suche nach unseren Gummipfropfen.
In Latinamerika ist es immer laut. Die Ausnahme in diesem Fall: Die Regel hat keine Ausnahme! Hoehepunkt bildete eine Nacht in Camaná (Achtung, Betonung auf die letzte Silbe, sonst wird es schwierig, dahin zu kommen). Gluecklich, nach einer langen Fahrt durch die Wueste Perus tragen wir uns im Hotelregister ein und schleppen das Gepaeck in unser Zimmer in der ersten Etage. Der Hotelangestellte versichert mir noch, ein ruhiges Quartier. Aus dem Fenster sehen wir zum Hotel gegenueber auf den Hinterhof. Irgendwann faehrt ein Lieferwagen auf diesen Platz und beginnt, Boxentuerme auszuladen, welche hinter einer hellbeigen Stoffwand, welche einen Sitzplatz umgibt, aufgestellt werden. Die etwa fuenf runden Tische mit jeweils fuenf bis sechs Stuehlen, welche auf dem Sitzplatz stehen, werden fuer die erwarteten Gaeste gedeckt.
Jasmin und ich ahnen Uebles, sehen der Sache jedoch noch optimistisch entgegen. Um etwa neun Uhr, seit drei Stunden ist es dunkel, wir haben laengst gegessen und befinden uns schon lesend in der Horizontalen, geht die Musik los. Nicht ein wenig, sondern so richtig. "Peruvians have nothing against a radio going full blast" steht im Reisefuehrer und er hat recht. Roxette, "It must have been love, but it's over now", "Nikita" von Elton John und "Angie" von den Rolling Stones werden in den ersten sechzig Minuten je etwa drei mal gespielt. Zwischendurch "Hotel California" von den Eagles und "Love Hurts", von weiss nicht wem. Um etwa halb elf Uhr beginnen die Ansprachen. Eine Dame fuehrt durch den Abend, wir live dabei, da mit Mikrofon ueber die Lautsprecheranlage. Die Namen habe ich wieder vergessen, es handelte sich bei dem Privatfest um eine Hochzeitsfeier. In den Sprechpausen immer wieder "Love Hurts" und "It must have been love", soviel zum Thema Sprachbildung. Die Musik scherbelt aus den ueberforderten Konzertboxen, ein Taxifahrer vor dem Hotel vertreibt sich die Zeit mit rythmischem Mithupen. Die Familie im gleichen Hotel, dessen Kind nicht aufhoert im Gang zu schreien und die Person oberhalb von uns, die "Moebel ruecken kurz vor zwoelf" spielt, sind nur Nebendarsteller des sich uns bietenden Hoerspiels. Um Mitternacht die Ueberraschung. Ein Countdown, lautstark von der Meisterin angefuehrt, von zehn runter auf Null, ein fuenfzehn jaehriges Kind hat Geburtstag, Name ebenfalls vergessen. Die Gesellschaft stimmt zu einem halbherzigen "Happy Birthday" an, danach kommt "It must have been love" und "Love hurts", bevor um halb eins der Volksmusikstampf los geht.
Irgendwann muss es dann passiert sein, immerhin noch vor drei Uhr, und ich habe trotz des Laerms doch noch geschlafen. Heute zaehlt diese Nacht zu den unvergesslichen schlechtesten drei der ganzen Reise und ist fuer Jasmin und mich immer wieder ein Grund, herzlich zu lachen.
Inka Cola
Inka Cola ist das Nationalgetraenk der Peruaner, zu vergleichen mit dem schweizerischen Rivella, welches auch fast ausschliesslich im Inland verkauft wird. Inka Cola ist ebenfalls gelblich in der Farbe, ist geschmacklich aber weit entfernt vom laktathaltigen Gemisch der Schweiz, das als "rot" (mit Zucker gesuesst), "blau" (kuenstlich gesuesst)oder "gruen" (neuere Kraeutermischung, schmeckt leicht nach Gruentee) bestellt werden kann. Das Peruanische Mineralgetraenk, das in weissen Glas- oder Petflaschen daher kommt, schmeckt nach fluessigem Bazooka Kaugummi. Ein echter Hammer also.
Als "Kola" werden in Latinamerika nicht nur braun-schwarze Suessgetraenke mit Bloeterli, welche versuchen besser zu sein als Pepsi, bezeichnet, sondern alles, was mit Mineralwasser gemischt werden kann. So gibt es Kola mit Orangen-, Ananas- oder Himbeergeschmack. Ein Produkt scheint besonders gut anzukommen, wenn man damit viel "Fest" hat, so entnehme ich das der Werbung, die immer ein "Fiesta" waehrend oder nach dem Konsum eines Produktes verspricht. Praktischerweise nennt sich ein Kola Hersteller gleich "Fiesta" und verspricht dann "drei Liter mehr Fest", wenn man die entsprechende Flasche kauft. Ohnehin scheint der Kampf unter den Getraenkeproduzenten ausgebrochen zu sein, was die Flaschengroesse betrifft. Gegenseitig ueberbieten sie sich, was zu eigenartigen Abfuellmengen fuehrt. Es sind 2.2, 2.5, 2.7, 3, 3.120, 3.2 Liter und andere zu haben.
Ich wuensche allerseits viel Party beim lesen der Texte.
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