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jazz - Am Freitag, 25.7.03 verliessen wir Quito. Wir fuhren in den Anden nach Banos. Eine herrliche Strecke von 180 km, vorbei am wolkenverhangenen 6000er Vulkan, vorbei an kleinen Bergdoerfern, hoch auf ueber 3500 Meter, wo ich echt das Gefuehl hatte, die Wolken kitzeln zu koennen. Banos selbst liegt auf 1800 Metern und ist, da am Fusse eines Vulkanes, bekannt fuer seine heissen Quellen und daher etwas ueberlaufen mit Touristen. Wir fanden hier einen Metallhandwerker, der unsere Gepaeckbox soweit in Form haemmerte, dass wir den Deckel wieder schliessen koennen!
Am Samstag, 26.7.03 ging die Fahrt weiter in den Anden, diesmal bei herrlichstem Sonnenschein und angenehmen 22 Grad, ins 108 km entfernte Riobamba. Hier besuchten wir nach Ankunft den Markt. In dieser Stadt leben viele Indios. Am Markt haetten wir unsere kaputten Kleider bei einem der meist maennlichen Naehern flicken lassen koennen- auf einer fussangetriebenen Singer Naehmaschine! Diese Maschinen sind hier noch voll im Gebrauch! Der Markt erstreckte sich, da Samstag, ueber ein ganzes Viertel der Stadt. Schliesslich fanden wir die Strassen, wo Gemuese und Fruechte verkauft wurden. Die Tomaten, Mandarinen und einfach alles, das sich stapeln laesst, wird hier sorgfaeltig aufgetuermt. Die Spitze dieser Tuerme bilden immer zwei einzeln aufeinander getuermte Stuecke der jeweiligen Frucht. Die Stimmung im Vergleich zu den Maerkten in Zentralamerika ist ruhig und gesellig. Die Menschen hier sind freundlich und hilfsbereit. Wenn Bananen hier umgerechnet 30 Rappen das Kilo kosten, ich 35 verstehe und gebe, erhalte ich die 5 Rappen mit einem freundlichen Laecheln zurueck. Das war nicht immer der Fall auf unserer Reise! Muchos Gracias!
Sonntag, 27.7.03. Eine weitere Etappe von 270km fuehrt uns durch die Anden nach Cuenca. Wieder vorbei an kleinen Doerfern, an Familien die mit Esel, Ziegen und Kuehen scheinbar von niergens nach nirgendwo wandern. Fahren wir vorbei, steht am Strassenrand still, was sich vorher noch bewegt hat. Die Strassenarbeiter winken und johlen uns zu. Die Kinder staunen oder verstecken sich hinter Mutters Rock. In den Doerfern erklaeren sie uns hilfsbereit und mit viel Stolz und Freude den Weg. Sie winken, klatschen, die Lastwagenchauffeure und entgegenkkommenden Autos hupen und blenden. Ich habe das gute Gefuehl willkommen zu sein und Freude zu verbreiten. An den Zahlstellen werden wir von weither durch Winken non stop an der Schranke vorbeigelotst! Muchos Gracias!
Wir verlassen Cuenca am Montag, 28.7.03 Richtung Loja. Die ersten 145 km fahren sich wie die letzten Tage gehabt. Doch dann ist die super ausgebaute, asphaltierte Strasse ploetzlich gesperrt und ein Pfeil mit der Aufschrift "Umfahrung" zeigt auf einen einspurigen, lehmigen Pfad, der links wegfuehrt... . Es folgten 50 km Abenteuer! Hier ein kleiner Ausschnitt: Ich stehe mit meinem Motorrad in einer der matschigen Spuhrrinnen, ich konnte gerade noch anhalten. Rechts von mir geht es noch etwa 1.5 Meter eben und matschig weiter, dann 100 Meter senkrecht hinunter. Wenige cm links von mir, genau auf meiner Hoehe, das Fuehrerhaus des mir entgegenkommenden Busses und der steile Hang dahinter. Etwa 5 Meter vor mir, in meiner Spuhr, kommt mir das rutschende Hinterteil des Busses entgegen. Ich ueberlege, dass wenn ich abspringen muesste, dann nach links- aber nicht weiter als 1 Meter. Gleichzeitig spuehre ich, wie meine Fuesse und auch das Bike langsam aber sicher im Lehmmatsch absinken. Wird der Bus es schaffen? Gebannt und gelaehmt schaue ich der Hinterachse zu wie sie keinen Meter vor mir schwungvoll nach links schwenkt
und mir den Weg frei gibt. Meine Fahrt konnte weitergehen. Hinterteilwedelnd, rutschend auf dem nassen Lehm, im Matsch und dann wieder auf hartem und trockenem oder weichem und trockenem Sand. Mir fiel auf dieser Etappe noch die Kette raus... lassen wir das- ging ja alles gut. Weder Phil noch ich hatten einen Hinfall. An dem Abend war ich stolz auf mich- und nuddelfertig!
So errichten wir also Loja. Dort verweilten wir etwas laenger als geplant, da mich eine Grippe erwischte.
Am Donnerstag, 31.7.03 ging unsere Reise weiter, auf asphaltierter Piste, raus aus dem kalten und verregneten Loja ins 192 km entfernte Macara. Ein 500 Seelendorf mit Flughafen und, fuer uns wichtiger, der Grenze zu Peru. Am 1. August, morgens um 9.20 Uhr, fuhren wir nach einer problemfreien, freundlichen und hilfsbereiten und absolut kostenloser Zollabfertigung in Peru ein! Muchos Gracias! Unsere Fahrt fuehrte ueber 262 km von den Anden hinunter auf 50 Meter nach Piura. Erst fuhren wir durch die Stadt hindurch, erwischten aber die falsche Strasse und kehrten um. Da kamen wir erneut an einer Polizeikontrolle vorbei, die vorher schon da stand und uns haltlos passieren liess. Jetzt, etwas irritiert von unserer Rueckkehr, haelt uns der Polizist, selbst auf dem Motorrad, an und fragt nach. Bald ist klar, dass wir die Nacht in Piura verbringen und die Stadt am naechsten Tag nach Trujilla verlassen wollen. Kurzentschlossen setzt sich der Polizist auf sein Gefaehrt und eskortiert uns persoenlich in die Stadt, zeigt uns das Zentrum, die Strasse fuer den naechsten Tag und das Viertel mit den guten Hotels. Ob er am naechsten Tag kommen soll um uns zu helfen? Muchos gracias, doch das ist nicht noetig!
Am Samstag, 2.8.03 fahren wir 424 km in der Wueste nach Trujillo. Ueberwaeltigend. Sand, einige Wanderduenen, dann wieder Steppe, wie aus dem Nichts eine Wuestenstadt mit ihren Steinbauten, der Wind und die eher frische Temperatur von 22 Grad. Spiegelungen verheissen Wasser wo keines ist. Bis die Lastwagen am Horizont von Punkten zu Schiffen, zu Elefanten und schliesslich eben zu Lastwagen werden, vergehen Minuten. Kurz dann das Gehupe, Gewinke und der Windstoss- vorbei. In Trujillo bleiben wir 2 Tage und erledigen Waesche, Einkauf und widmen uns dem Internet.
Am 4. August fahren wir, erneut den ganzen Tag in der Wueste, ins 250km entfernte Casma. Auf dieser Etappe sah ich ein zweites Gesicht der Wueste. Es war vorher schon da, aber die Schoenheit ueberblendete dieses Gesicht: die Wueste hier ist zu teil ueber x km schlicht und einfach verdreckt. Abfall, Plastiksaecke und alte Pneus zaeumen den Strassenrand. Oft ist der Sand mit einer schwarzgraeulichen obersten Schicht versehen. Es gibt viel Armut, besonders ein- und ausgangs der Doerfer und Stadte. Hier stinkt es dann auch wieder dementsprechend. In Casma blieben wir 2 Tage. Am zweiten Tag machten wir uns ohne Gepaeck auf ins Hinterland- alles Offroad. Bei km 50, in der Pampa draussen, nur wir und einige Hunde, fiel mir erneut die Kette raus- diesmal aber auch vorne und sie verklemmte sich heftig. Mit etwas Muskelkraft, viel logischem Denken, einem Minimum an Werkzeug und wahrscheinlich etwas Glueck richteten wir die Sache nach 1 Stunde. Natuerlich kehrten wir um..noch 2 mal fiel mir die Kette raus- nur hinten zum Glueck. Den Nachmittag verbrachten wir im Hotel mit Toeffmechen und im Internet, auf der Suche nach dem naechsten Toeffmech fuer eine neue Kette :-).
Phil und ich verbrachten eine gute Zeit in Casma. Ein Dorf, klein und herzig, das nicht dem Ruhm des Reisefuehrers verfallen ist und seinen Charme mit Einfachheit und viel Handwerk unterstreicht.
Am Mittwoch,6.8.03, machten wir weitere 300 km in der Wueste der Kueste Richtung Lima. Auf dieser Strecke fassten wir unsere erste Busse! Wir fuhren Ueberland in einer Kurve 72 kmh anstelle von 45kmh. Umgerechnet 160 Dollar verlangten die Polizisten erst, plus Ausweisentzug. Dies mit langer Aufklaerung und Verweisen auf ihr Buechlein wo alles drinsteht (fuer 30kmh zu viel koennen sie von 150-300 Sol alles verlangen. Natuerlich fassten wir das Maximum). Doch dann erklaerten sie sich als hilfsbereit und wir zahlten nur eine Busse, also etwa 87 Dollar. Dafuer ohne Quittung und nicht etwa in Landeswaehrung, nein, sondern in Dollar. Als wir die Scheine widerwillig locker machten (was bleibt einem anderes uebrig..) und sie ueberreichten, waren die Polizisten sehr daruf bedacht, dass niemand sonst sieht, wieviele Scheine fliessen....Komisch!
Da ich erst in La Paz, Bolivien eine neue Kette bekommen werde, entschieden wir uns fuer eine Routenaenderung: alles der asphaltierten Piste nach, erst nach Chile, und dann dort hoch in die Anden nach La Paz. So folgten weitere 1500km in der Wueste. Lima, die 8 Milionenstadt, umfuhren wir in einem Stueck- und versuchten moeglichst wenig zu atmen. In den Nachrichten erfuhren wir, dass die Menschen in Lima dieses Jahr besonders unter dem Winterklima leiden, da es speziell kuehl und feucht sei. Sie rennen in Massen mit Asthma zum Arzt. Doch als wir durch Lima fuhren erkannten wir sehr schnell das Problem Limas: nicht etwa der Winter und sein Klima. Nein! Lima hat ein Smogproblem- ein grosses Smogproblem! Also fuer diese 2 h Fahrt durch die Stadt hatten auch Phil und ich sowas wie Asthma... . Die Polizeikontrollen und somit das dumme Gefuehl im Bauch, einer teuren Willkuer ausgesetzt zu sein, nahm wenige km nach Lima wieder ab. Unser Weg fuehrte uns noch in Peru einmal mehr in die Anden hoch, an die Sonne, an die Waerme nach Arequipa (2500m). Denn in der Wueste war es oft dunstig und neblig und kalt (ca. 15 Grad). Einen Tag Pause und dann ab; an und ueber die Grenze nach Chile. etwa 1 US$ pro Person und lockere 70 Minuten Anstehen, wenige Formulare ausfuellen und fertig. Muchos gracias!
In Chile nahmen wir noch die paar km in Kauf (630km), um Philipps Gastfamilie von vor 8 Jahren in Iquique zu besuchen. 2 Tage blieben wir und Philipp kam aus dem Staunen fast nicht mehr heraus: es hat sich viel getan in 8 Jahren! Die Stadt ist gewachsen, moderner, amerikanischer und die Haeuser um 5 Stockwerke hoeher als damals. Der Besuch bei der Familie war zwar kurz, aber sehr herzlich.
Der Weg zurueck nach Arica, von wo aus es dann hoch in die Anden ging, war in dreierlei Hinsicht komisch: ich fuhr seit langer Zeit mal wieder eine lange Strecke, die ich schon kenne! Und ich fuhr den ganzen Tag Richtung Norden- immer mit der Sonne im Gesicht! Und ich fuehr zum zweiten Mal mit 80kmh ueber eine halbe Stunde einfach nur geradeaus- keine einzige Kurve. Nur der Sand der Wueste, die Spiegelungen auf dem Asphalt und die entgegenkommenden Punkte, Schiffe. Elefanten..
Am Samstag 16. August fuhren wir dann also hoch in die Anden nach Putre (3500müm, 2500 Einw.). Hier verbrachten wir die Nacht- die wohl kaelteste der ganzen Reise! Am Abend waermten wir uns, in den Schlafsack gehuellt, vor dem Benzinkocher sitzend und unablaesslich heissen The trinkend. Am Morgen um 6 Uhr hatten wir 11 Grad in unserem Zimmer (das klingt nicht ganz so kalt, wie es sich anfühlt, wenn man den ganzen Tag bei knapp 15 Grad Motorrad fährt und sich so bis auf die Knochen auskühlt...).
Sonntag, 17. August 2003. Fuer mich ein Tag, der in die Geschichte; meine Geschichte, eingehen wird. Wir fahren an diesem Tag, rein hoehenmetermaessig ueber das Matterhorn! Der hoechste Punkt war 4660 Meter ueber Meer! Wir sahen schneebedekte Berge und Vulkane, einige 6000er darunter! Ein Traum von einer Kulisse! Da es sehr kalt war (die Seen waren gefrohren...), machte ich auf einem Parkplatz eines Basiscamps fuer Bergtouren ein paar Turnuebungen zum Aufwaermen. Das war leider etwas zu optimistisch in anbetracht des Sauerstoffgehaltes der Luft auf 4300m. Kurz- mir wurde schwarz. Ein einheimischer Berfuehrer kam zu Hilfe: ich durfte mich in der Huette auf einem Bett ausruhen und Phil und ich bekamen The Mate: gertocknete Blaetter der Kokainpflanze, Cocablaetter, werden mit heissem Wasser uebergossen. Dieser The schmeckte nicht nur einmalig, er half auch -irgendwie. Muchos Gracias! Ich war bald wieder auf den Beinen, machte die Ausreise aus Chile (4100m) etwa 20 km weiter vorne auf etwas wackligen Beinen und die Einreise nach Bolivien, weitere 20 km weiter vorne und wieder etwas weiter unten, schon fast wieder munter mit. Die Zollabfertigung dauerte insgesammt angenehme 70 Minuten, wenig Papierkram und war gratis. Muchos Gracias! Nach weiteren 300 km auf 4000müm kamen wir in La Paz, 3800m, 1.5 Mio. Einw., an. Wir suchten etwa 40 Minuten nach einem Hotel mit Garage. Diese Suche fuehrte uns steile, enge Strassen hoch und runter (La Paz liegt in einem Kessel), nicht selten auf Kopfsteinplaster, bevoelkert und vollgestopft mit Kleinbussen (Kollektivtaxis). Ihr koennt Euch vielleicht vorstellen, wie froh ich war, als wir ein Hotel fanden?! Die junge Frau am Empfang fragte mich jedenfalls liebenswuerdig, ob ich wohl einen The Mate wolle? Con mucho gusto, muchos gracias!
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