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jazz - Am 17.09.03 machten wir in Chillan halt fuer 2 Tage- Nationalfeiertag(e) Chiles. Schlimmer als bei uns! Alles hatte geschlossen, tote Hose und am Fernsehen auf allen 5 Nationalsendern (andere hatte unser TV in Chillan nicht) die selben Bilder und sogar den selben Kommentar zur Militaerparade in Santiago de Chile, Bilder des Praesidenten und dessen Rede (uebersetzt in die Gebaerdensprache).
Am Freitag, 19.09.03 verlassen wir nach viel Ausruhen und Regen am Donnerstag das verschlafene Chillan bei schoenstem Sonnenschein. Gegen Süden wird das Klima immer rauher (hier ist Fruehling), die Temperatur steigt am Tag kaum ueber 10 Grad, der Wind blaest stellenweise sehr heftig und der Himmel ist oft gefaehrlich stark bedeckt. Unsere Fahrt geht schnell Richtung Sueden. Auf der Autobahn in Chile machen wir ringe Kilometer durch eine Landschaft, die der schweizerischen immer aehnlicher wird: Berge mit Schnee (nur sind es hier Vulkane), gruene Weiden, Kuehe, Huegel und ein kleines Dorf nach dem naechsten. Auch die Autobahn- fast wie in der Schweiz. Aber eben nur fast. Sie ist zweispurig mit Pannenstreifen und Leitplanke. Doch hier kommen einem auf der Ueberholspur Fahrradfahrer entgegen, Kinder spielen auf dem Pannenstreifen, Pferde ueberqueren mitsamt Reiter die Autobahn, etwa alle 10km eine Bushaltenstelle und etwa alle 3 km wird am Strassenrand mit Putzwedeln auf sich aufmaersam gemacht und auf das, was man kaufen kann: hat es einen Fluss in der Naehe, werden einem an einer Angel frische Fische in den Weg gehalten oder aber Saecke mit Brot bei Doerfern und Fruechte in der Pampa. Ich bin ab diesem Treiben auf der Autobahn, wo 120kmh erlaubt sind, aber im Schnitt nur 100kmh gefahren wird, sehr irritiert! Nicht so die Chilenen. Das scheint hier so in Ordnung zu sein! Auch am Samstag, 20.09.03 stand das Kilometer fahren im Vodergrund.
Am Sonntag, 21.09.03 fahren wir das erste mal seit unserer Reise bei Regen los- bei starkem Regen. Die Fahrt ging Richtung Osten, der Grenze zu Argentinien entgegen. Etwa 20 km nach Abfahrt wies uns eine Tafel darauf hin, dass auf der Passhoehe mit Schnee, nicht aber mit Eis zu rechnen sei. Wenige km spaeter drueckte das Wasser durch meine Kleidung auf meine Haut. Es regnete wirklich sehr stark und es war kalt und dann noch der Wind! Nach 50km dann einige Haeuser und das erste Ortsschild seit Abfahrt: "Entre Lagos" (Zwischen Seen). Wir bogen natuerlich ab und suchten eine Unterkunft. Und tatsaechlich wurden wir fuendig! Und wie! Fuer weniger als wir im Schnitt fuer ein Hotelzimmer zahlten bekamen wir hier ein heizbares (zum ersten mal ueberhaupt seit was weiss ich wie vielen Wochen hatten wir Heizung!!!) ein Cabaņa: einen zweistoeckigen Hausteil mit Kueche, Wohnzimmer, 2 Schlafzimmern, TV, Backofen heiss Wasser und Badewanne!!!! Wir hatten so viel Platz, wir wussten gar nicht, was damit anzufangen. Natuerlich hofften wir auf schoenes Wetter am naechsten Tag, doch waere es gar nicht mal so schlimm gewesen, wir haetten hier unseren zweiten Schneesturm gehabt.. . Es folgte ein gemuetlicher, warmer Tag, ein noch gemuetlicherer Abend mit feinem Essen, heisssem Bad und einem wohltuenden Glas Wein!
Am naechsten Tag dann, Montag, 22.09.03, es war leicht bewoelkt, fuhren wir ueber den Pass an die Grenze zu Argentinien. Ab 1000 M.ue.m. hatten wir Schnee rund um uns herum, nie aber auf der Strasse, und ich war froh, als es auf 1300 Metern wieder runter ging. Die Grenzabfertigung war professionel, schnell und gratis. Was sind wir froh, ist dieses Gestuerm und diese Abzockerei und das stundenlange Warten zu Ende! Unsere ersten Kilometer in Argentinien waren traumhaft: links und rechst schneebedeckte, felsige Berge. Ein Bergsee nach dem anderen und ein Skiort nach dem naechsten. Die Schilder auf Deutsch am Strassenrand wiesen auf Kuchen, Torte und Zimmer hin, was von den vielen ausgewanderten Eropaern zeugt, die es in ganz Patagonien hat.
Unsere Fahrt fuehrte uns waehrend den naechsten 3 Tagen durch die herrliche Berglandschaft Patagoniens, immer Richtung Sueden, bei Sonnenschein, wenig Wind und bis anhin trocken nach Sarmiento, wo wir am 25.09.03 ankamen und fuer 2 Tage blieben. Eine Pause und Kleiderwaschen waren dringend angesagt.
Nach Sarmiento fuehrte uns unsere Fahrt an den Atlantik und dann, leicht im Landesinnern, parallel zur Kueste, immer tiefer hinein in das wunderschoene Patagonien. Der Wind wurde immer staerker. So fuhren wir in Kurvenschraeglage den schnurgeraden Strassen entlang und die Kaelte nagte durch unsere dicken Kleider hindurch an unseren Knochen (Das Thermometer stieg wohl nie gross ueber 7 Grad). So machten wir Kilometer um Kilometer in einer flachen Einoede, wie ich sie noch nie erlebt habe. Fast 2'500km lang fuhren wir nun jeden Tag an die 300km durch flaches Gelaende mit Wasserloechern, einigen Bueschen und sonst nichts. Keine Baeume, keine Berge. Alle 200 km etwa ein Dorf. Wobei jedes zweite dieser Doerfer aus weniger als 5 Haeusern besteht. Wir haben mal in einem Kaff namens Tres Cerros (3 Berge) uebernachtet; das Kaff, das einzige im Umkreis von 200km, bestand aus 3 Haeusern, namentlich einer Tankstelle, einem Polizeiposten und einem Motel, aus dessen Zimmerfenster wir die drei Berge (je etwa 5 Meter hoch, dafuer aber wirklich die einzigen weit und breit) sehen konnten. Der Himmel ist jeden Tag von Airbrushwolken verhangen. Manchmal in grauschwarz, manchmal in zartem hellblaugrau. Die Sonnenauf- und Untergaenge sind jedesmal ein Feuerwerk an Farbenpracht - der ganze Himmel scheint zu brennen! Trafen wir an einem Tag auf 12 Lastwagen, 8 Personenautos und drei Motorraeder (so geschehen), dann war dies ein Tag mit richtig viel Verkehr. Wir sahen Flamingoschwaerme im seichten Wasser, wilde Pferdeherden galoppierten am Horizont, Stuten mit Fohlen, den Wind in den Maehnen, grasten zu unserer Seite. Zahlreiche Voegel, grosse Wasservoegel, meist zu Paerchen unterwegs, begleiteten uns Richtung Sueden. Und dann die Herden von einer Art Lama, immer wieder zwischen den Schafherden und der gute Vogel Strauss, in grauem Gefieder, sahen wir ebenfalls! Eine Eionoede?
So vergehen die Kilometer schnell, das kann ich Euch sagen. Und nach einem richtig windigen Tag, nach 4h Fahrt (wir fahren wegen der Kaelte und wegen des Windes nicht schneller als 70kmh), kommen wir voellig durchgefrohren an- entweder an einer Tankstelle mit Motel oder in einem kleinen Ort mit auch nur einer Unterkunftsmoeglichkeit. Alles was wir dann brauchen ist eine heisse Dusche (war bis jetzt in Argentinien nie zu vermissen), eine heisse Mahlzeit (wir geloben uns unseren Kocher praktisch bei jeder Mahlzeit, die wir darauf zubereiten!) und einen Gasofen im Zimmer (in Argentinien Standart!) Und am naechsten Tag, frueh um 8 Uhr geht es wieder weiter. Erst noch windstill, denn der Wind erreicht seine Spitzengeschwindigkeit in Patagonien zu dieser Jahreszeit gegen Mittag und flacht gegen Abend wieder ab.
Am Dienstag, 30.09.03, verlassen wir die asphaltierte Strasse. Ein erstes Zeichen, dem Fin del Mundo, dem Ende der Welt, naeher zu kommen. Auf Kies und hartem Erduntergrund ging es der Chilenischen Grenze entgegen. Ja, der einzige Weg nach Ushuaia, Argentinien, fuehrt durch nochmals etwa 150km Chile. Die Grenzabfertigung ging wie gewohnt sehr professionell ueber die Buehne. Und fuer einmal waere es mir sogar egal gewesen, wir haetten etwas laenger warten muessen- denn die Zollhaeuser waren so schoen geheizt...! Kurz nach der Grenze dann die 30 minutige Fahrt mit der Faehre ueber die Magellanstrasse! Wieviele Orte, Grenzen, Bergketten, Fluesse und Kanaele habe ich auf dieser Reise nun schon befahren, die ich vor Jahren im langweiligen Geografieunterricht muehsam auf einer grossen Karte mit rot, blau und gruen eingezeichnet habe, um dann ihre Namen auswendig zu lernen! Die Magellanstrasse hatte starken Wellengang- eine Zitterpartie um unsere Motorraeder, die huebsch mitschwankten! Doch alles lief glatt, ebenso der Grenzuebertritt von Chile nach Argentinien noch am selben Tag. Nun waren wir also auf der Insel Tierra del Fuego!
Am Mittwoch, 1.10.03, windig, eiskalt aber wieder kein Regen, brachen wir auf nach Ushuaia! Diese Fahrt hatte es nochmals so richtig in sich! Die Landschaft um uns herum aenderte sich nach dieser tagelangen "Einoede" irgendwie fast schlagartig. Ploetzlich hatten wir hohe Schneeberge um uns herum und Baueme, ganz knorpelig und mit Moss bewachsen. Es windete nicht all zu strak, doch war es wie gesagt eiskalt. Nach 100km Fahrt machten wir an einer Tankstelle (die gibt es in Patagonien schoen zuverlaessig etwa alle 100km- 150km; zum Glueck!), tranken wie ueblich jede Menge The und assen Energiespender wie Nuessli und Schoggi. Dann auf in die letzten 100km. Strassenuntergrund erst noch Kies, dann Erde. Erst noch trocken, dann nass, lehming, glitschig, kein Steinchen mehr, das Halt geben wuerde. Und es ging aufwaerts. Ein Pass; Paesschen, doch hatte es ploetzlich Schnee rund um uns herum und Schmelzwasser vermischte sich mit der lehmigen Erde auf der zum Glueck noch gefrohrenen Erde (sonst waere es noch matschiger gewesen). Alles lief glatt, unser Ziel vor Augen fuhren wir auch das. Dann nochmals 40km Asphalt und wir waren am Ziel!!!! Eigentlich ein unbeschreibliches Gefuehl, das mich ueberkam, als ich den Hafen und die Haeuser Ushuaias erblickte, die rauchenden Kamine, die hohen Schneebedeckten Berge rundherum, die Frachter im Meeresbecken.... . Muede, gluecklich, uberwaeltigt, voller Tatendrang und doch irgendwie ohnmaechtig. Vor meinen Augen ein schneller Film der Szenen, die mich bis zu diesem Ziel auf fast 33'000km Fahrt begleitet haben. Ich umarme Phil und hoere mein Lachen, voll von Erleichterung dass alles gut ging und - einfach Freude!
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