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29.10.03 Alles auf Raedern in Suedamerika II  

 

phil - Einleitend ein paar Worte zu einem Phaenomen. Habe ich schon einmal darueber berichtet, halten sie es, lieber Leser, wie immer: kein Feedback. Bei dem Phaenomen handelt es sich bei folgender Sache einmal nicht um eine unerklaerliche Seltenheit, im Gegenteil, das Erstaunliche ist die unerklaerliche Gleichmaessigkeit rund um den Globus. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Kaff in welchem ich in meinem Leben schon gewesen bin, es gibt sie ueberall. Ihre Merkmale sind in ihrer Vielfalt einheitlich, einige Komponenten seien aufgezaehlt: Besitzer jung, maennlich. Heckspoiler so gross, als sei ihre "Maschine" die Vorstufe zum Kampfjet. Ferrarikleber leicht schraeg oberhalb des vorderen Radkastens. Scheiben mindestens hinten mit dunkler Folie verklebt, sicher mit Luftblatern. Anstelle der Auspuffanlage Papis altes Ofenrohr, sicherheitshalber vorne Loecher rein gebohrt, hinten Plastikblende im Chrom-look. Aufgrund der enormen Querbeschleunigung, die durch den Heckspoiler moeglich werden, Dreipunktegurten auf der Fahrerseite. Billigster Discosound rohrt durch die scherbelnden Boxen und vibrieren dem Cockpit die letzten Schrauben aus den Windungen. Das Fahrwerk mindestens tiefer gelegt, wo es die Polizei zulaesst werden die Achsen verbreitert und der 120er 15 Zoll Breitreifen ragt zur Haelfte aus dem Chassis. Nicht mehr zeitgemaess sind Fuchsschwanz, "O'Neall" oder "Pioneer" Kleber. Im kommen dafuer Stirnbaender vom Lieblingsverein um die Kopflehne, kombiniert mit einem ueber den Sitz gestuelpten revolutionaeren Traegershirt und logo hey, Duftbaum. Jeden Abend fahren sie Runde um Runde durchs Zentrum, auch bei freier Fahrbahn nie hoeher als im zweiten Gang. Die Kopfleistung derjenigen, die am Steuer sind, befuerchte ich, ist wie die PS Zahl des 1.6 Liter Turbos im zweistelligen Bereich. Haben sie weiter oben mehr als einmal "Boah, krass eh" gesagt und letztere Bemerkung irgendwie nicht verstanden: Sorry, sie wurden in ihrem Leben ein weiteres mal beschissen. Das ist nicht geil. Frauen stehen nicht auf solche Sachen und es ist auch nicht besser als Sex! Warten sie einfach ein klein wenig laenger, sparen das ganze Geld und kaufen sich von Anfang an etwas rechtes.
Vor der Reise habe ich am Rande eines schummrigen Quartiers in Zuerich gewohnt. Die oben beschriebene Spezie ist nach meinen Beobachtungen nicht die einzige, welche nicht ueber den zweiten Gang hinaus kommen. In den Quartierstrassen und -gassen gibt es zum einen die unterschiedlichen Kundengruppen. Entweder jung, in Gruppen und besoffen oder aber grauhaarig, beleibt und beringt. Die Jungen zu Fuss, die Alten in automatisch geschalteten Limousinen der oberen Mittelklasse, bemueht, lautlos zu verschwinden. Neben den Kunden natuerlich die Arbeiterinnen, passen wir die Form der Mehrheit an, von denen ich nicht weiss, ob sie ueberhaupt einmal Tageslicht sehen. Verbleiben noch zwei Gruppen, welche in Frage kommen, in "ich-bin-cooler-als-Michi-Schumacher" Manier das lustige Spiel Strasse hoch, Strasse runter spielen. Also die Drogendealer fahren typischerweise in getunten BMW's, Mercedes' oder Audis herum. Drogen verkaufen reicht anscheinend aus, Machtgefuehle zu befriedigen. Menschenhandel nicht, und so konkurrenzieren sich Zuhaelter in Potenzraketen wie Porsche, Ferrari oder Lamborghini. Dabei immer schoen aufpassen: Nicht ueber zwei! Hochzaehlen wuerde schon gehen, aber danach wieder zurueck...

Chile Norden viele Camionetas, Pick Ups. Auffaellig viele mit zwei Sitzreihen und kuerzerer Ladeflaeche. Riesige, der Laenge nach gebogene Funkantenne, um Wuestendistanzen zu ueberwinden. Lastwagen mit kurzer Schnauze, hauptsaechlich Internatioal, Volvo, Renault, sowie die Italiener mit Iveco. Ebenso vielfaeltig bei PKWs: Seit langem wieder Fiats. Opel duerfen Opel sein, neuere Modelle jedoch alle als Chevys gekennzeichnet. Viele VWs, sowie franzoesische Marken. Von den Asiaten kann ich keine klare Dominanz erkennen. Interessant die Marke Ssang Yong (kein Tippfehler). Die Koreaner, nach eigenen Angaben 4x4 Experten der ersten Tage, bauen schicke Wagen aller Klassen, im Innern tickt ein in Lizenz hergestellter Mercedes Wecker. www.ssangyong-motors.com fuer alle, die sich mit asiatischen Schriftzeichen probieren wollen. www.ssangyongmotors.de (ohne Bindestrich) die in Deutschland angebotene, reduzierte Palette.
Dominieren tun allerdings europaeische Verkaeufer im Grossraum Santiago: Automotores Gildemeister verkauft Hyundai, Automotora Suiza vertritt Subaru und Bruno Fritsch Toyota, um nur drei Beispiele zu nennen.
Motorraeder gegen Landesmitte zunehmend in Zahl und Hubraum. BMW in Santiago, reichenviertel Los Condes. Toeffstrasse in Santiago ist 10 de Julio Ecke Lira. Viele Mechen, Reifenhaendler und Ersatzteilshops. Motoroel ist hier 30% bis 50% guenstiger als im Rest des Landes, bekannte Marken erhaeltlich.
Benzinpreise sehr schwankend ueber die Zeit und Regionen, selbst innerhalb einer Stadt (geht nie zur ersten Stadteinwaerts). Gegen Santiago tendenziell guenstiger. Gutes Tankstellennetz. Shell (war meistens am teuersten), Esso und Texaco als internationale Vertreter. Einheimische Copec (vertreibt beste Strassenkarte fuer Chile, fragt an den Shops danach, ca. 1USD) und argentinische YPF. Kurzer Ueberblick bezahlter Benzinpreise am Ende des Textes.

Argentinien ueberrascht mit enorm vielen - und oft alten - Renaults und Peugeots. Die werden bis zum durchrosten gefahren. Je aelter die Karre, um so juenger der Fahrer. Ford hatte glorreiche Zeit mit dem Falcon. Falcons aller Generationen verpesten in Patagonien die Luft. Chevy vor allem bei den Camionetas gut vertreten.
In Patagonien zu dieser Jahreszeit noch nicht so viele Motorraeder. Argentinier sind nebst Fussball auch Motorsport verrueckt. Jede kleine Stadt hat vor ihren Toren eine Rennpiste, auf denen an Wochenenden gefahren wird. Motocross duerfte weit verbreitet sein und die Szene im Sommer sicher leicht zu finden.
Noerdlich der Provinz Chubut (letztes billig tanken in Puerto Madryn, HQ von YPF, welche auch ein interessantes Museum rund um Mineraloel betreiben) macht der Benzinpreis einen Sprung nach oben und sofort aendert das Strassenbild. In den Staedten wieder sehr viele Fahrraeder und Mopeds. Lastwagen mindestens dreimal so alt wie die Verwandten Fernreiser im Sueden.
Benzin erhaeltlich als 85er verbleit (Normal XXI), 95er unverbleit (Super XXI) und 97.5er unverbleit (Fangio - nach der F1 Legende). Gutes Tankstellennetz, YPF immer mit Sitzgelegenheit im Innern zum aufwaermen. Einige Shells und EG3, habe mir nie die Muehe gemacht herauszufinden, zu wem die letzteren gehoeren. Benzinpreise gegen Sueden stark sinkend: So haben wir fuer 95er in Bariloche 1.71 pro Liter, in Comodore Rivadavia 1.29 p.L. und in Ushuaia gerade mal noch 1.15 p.L. bezahlt. Diesel wie in Chile merklich guenstiger. Details am Textende.
Lastwagenfahrer ist sicher ein schoener Job im Sueden von Argentinien, geht man davon aus, dass fahren und nicht Stau stehen als Ziel ist. Marken bunt durchmischt, neue Modelle jedoch praktisch alle Scanias. Die Fahrer sind aeusserst freundlich, geben Zeichen und winken.

Chilenen koennen nicht Auto fahren, viel zu defensiv. Argentinier fahren schnell, aber umsichtig, d.h. sie ueberholen nicht an unuebersichtlichen Stellen. Taxifahrer sind in beiden Laendern die ekligsten, da ruecksichtslosesten. Fahrten mit dem oeffentlichen Verkehr in den Metropolen Santiago und Buenos Aires gehoeren aber zum Pflichtprogramm! Ich bin immer wieder begeistert, auf wie viele unterschiedliche Arten ein solcher Service abgewickelt werden kann. In Buenos Aires existiert ein fixes Netz, waehrenddem Santiago noch eher a la crie funktioniert. "I survived a NY taxi ride" ist laecherlich angesichts chilenischem Temperament am Steuer eines ungefederten Marcopolos im Feierabendverkehr Santiagos.

Benzinpreise
Preise pro Liter fuer 93er (Chile), resp. 95er (Argentinien), unverbleit, in Landeswaehrung.

Argentinien: (1 USD = 2.80 Peso)
:: Bariloche - 1.86
:: Esquel - 1.27
:: Sarmiento - 1.27
:: Olivia - 1.27
:: Rio Gallegos - 1.25
:: Tierra del Fuego - 1.16
:: Puerto Madryn - 1.25
:: noerdlich Chubut - 1.90

Chile: (1 USD = 660 bis 690 Peso)
:: Arica - 487
:: Iquique - 477
:: Calama - 527
:: Antofagasta - 503
:: La Serena - 487 (460 drei Tage spaeter)
:: Santiago - 478 (innert Tagen auf 448 fallend)
:: Temuco - 464
:: Osorno - 474

Strassengebuehren

Argentinien:
Strassengebuehren auf Hauptachsen im Norden und bis ca. 600 Km suedlich von Buenos Aires. Motorraeder vom Sueden kommend bis zur Stadtgrenze von Gross- Buenos Aires gratis, danach Gebuehren von ca. 3.60 Peso bis Zentrum. Autos bezahlen etwa alle 50 bis 100 Km einen US Dollar. Im Norden Motos 2.20 Peso pro Zahlstelle, Autos wenig mehr.

Chile:
Gebuehren auf Hauptachse von La Serena an suedwaerts. Zahlstellen etwa alle hundert Kilometer, Motos um 1 USD, Autos um 2 USD.


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