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06.12.03 Highlights in Afrika  

 

Die Safari

jazz - Am Samstag, 22.11.03 stellten wir den Wecker auf 5 Uhr; wir uebernachteten in Nakonde, Zambia direkt an der Grenze zu Tanzania in einem schaebigen Hotel mit nichts (kein Wasser) ausser alten, morschen Moebeln. Haetten wir im Zelt geschlafen, waere das Weckerstellen nicht noetig gewesen, denn da erwachen wir immer kurz vor Sonnenaufgang, also gegen 5 Uhr. Puenktlich um 6 standen wir, mit all den einheimischen Fussgaengern, Velofahrern, Lastwagenchauffeuren und einer Traube Carreisender an der Grenze- am Tor vor der Grenze. Wir alle warteten ueber eine Stunde, bis dieses Tor aufging. Keiner konnte im Voraus sagen, wann dies zeitlich sein wuerde. Alle warteten friedlich. Wir wurden gut beobachtet, bestaunt und ein paar Mal gefragt, ob wir Geldwechseln wollen. Alle hielten Abstand, waren freundlich und nicht im Ansatz so aufsaessig und penetrant wie ich es von den Grenzen in Zentralamerika kenne. Wir brauchten 2.5 Stunden, bis alle Papiere gestempelt und alle Taxen bezahlt, die Visa ausgestellt waren. Die Afrikaner arbeiten zwar stetig, aber sehr langsam und haben immer Zeit, zwischendurch einen Schwatz zu halten.
Gleich an unserem ersten Tag in Tanzania fuhren wir noch 442km bis zum Riverside Campsite, 12km nach der Regionalhauptstadt (also einfach der einzigen Stadt weit und breit) Iringa. Schon auf diesen ersten 400km durch Tanzania konnte ich deutliche Unterschiede zu Zambia festellen. Das Einkommen pro Kopf pro Jahr liegt hier bei etwa bei 2/3 dessen eines Zambianers. Doch die Tanzanianer sind ein Volk, im Gegensatz zu den Zambianern, die etwas von Landwirtschaft verstehen und von Handel. Gleich nach der Grenze, also im selben Klima wie zuvor Zambia, fuhren wir an bewirtschafteten Aeckern vorbei. Frauen, Maenner und Kinder in den Feldern am Arbeiten. Niemand steht am Strassenrand und bettelt (das blieb durch grosse Teile Tanzanias so- ausser in den Touriszentren Dar Es Salaam, Moshi, und von Arusha bis zur Grenze zu Kenya). In den Doerfern stehen Staende mit Holzkohlesaecken, Tomaten, Zwiebeln, Mangos, Ananas, Bananen, Flechtkoerben und viel Handwerk mehr (nicht aber andere Nahrungsmittel). Das Land ist stark bevoelkert, viel mehr Menschen entlang der Strasse als in Zambia, mehr Haeusergruppen. Und ich meine Haeuser: meist sind es Gerueste aus Bambus, aufgefuellte Mauern aus einer Moertelmischung aus der roten Erde, die es in ganz Tanzania gibt, und einem Strohdach. Viele Haeuser haben auch roten Backstein als Waende. Fenster haben die Haeuser uebrigens auch. Jedoch kein Glas sondern Drahtgeflechte und meist ein buntes Tuch darueber. Strohhuetten sahen wir nur noch in den Steppen der Maasaivoelker Richtung Serengeti Nationalpark. Die Leute am Strassenrand und unterwegs auf der Strasse (immer noch hauptsaechlich zu Fuss und mit dem Fahrrad) sehen beschaeftigt aus, scheinen ein Ziel zu haben. Doch haben sie auch immer viel Zeit: wenn Phil und ich hielten um zu rasten, trinken usw. blieb ein Jeder stehen, der an uns vorbeikam, machte auch gerade eine Pause und fing bald einen Schwatz an, mit dem naechsten, der vorbeikam und auch anhielt um Phil und mir etwas zu zu schauen. Es daeuerte selten laenger als 10 Minuten und wir hatten ein Dutzend Zuschauer- ganz allein waren wir sowieso nie.
Auffaellig auch das Fehlen der Halls of Kingdom, keine andere Hilfswerke und kaum Rotes Kreuz vorhanden. Ein Zusammenhang dieses "Fehlens" und der intakten Selbstversorgung der Bevoelkerung scheint mir nicht weg zu diskutieren.

Auf dem Riverside Campsite blieben wir 2 Naechte und machten am Sonntag einen Ausflug hoch auf den Huegel in die Stadt Iringa und besuchten dort den Markt. Natuerlich auch hier deutliche Unterschiede zu Zambia: mehr Menschen, die Menge des Gebotenen ist viel groesser, doch die Auswahl auch eher bescheiden. Im Vergleich zu Zambia kommen zu den Zwiebeln, Tomaten und Kartoffeln noch Fruechte wie Mangos, Bananen und Ananas dazu, sowie Bohnen und Reis. Auch Karotten bekamen wir. Doch mehr war nicht. Kaum Fleisch, keine Milchprodukte, ganz wenig Dosen, Cola ja, aber immer alles in den alten Glasflaschen!
Auf dem Campingplatz waren wir uebrigens die einzigen Gaeste. Eine 1.5 km lange Wanderweg-Strasse (anspruchsvoll mit Gepaeck und ueber 6h Fahrt im Sattel- ein Kinderspiel ohne Gepaeck und mutzmunter am naechsten Morgen...)ist zu absolvieren und man gelangt auf das Gelaende mit Fluss, Baeumen, Schatten, Tisch, Bank, Dusche, Plumsklo, und Kiosk mit Trinkwasser und Schokoriegeln (!). Sagte ich die einzigen Gaeste? Das stimmt nicht ganz- da war noch die ca. 1.5 Meter lange, duenne und giftgruene Schlange (green gras snake), die ploetzlich von genau dem Baum herunter kroch, der uns Schatten spendete....

Am Montag, 24.11.03 ging unsere Reise frueh morgens um 7 Uhr, bei etwa 25 Grad, weiter. Nach wenigen km verliessen wir das 1600 Meter hohe Plateau, auf dem wir uns mehr oder weniger seit Nordnamibia befanden und fuhren auf einer kurvigen Strasse immer weiter runter, immer naeher an die Kueste. Wir verliessen die zwar fruchtbare, doch eher trocken wirkende Landschaft und kommen in tropische Gefielde. Zig Palmenarten, Bananenbaeume und viel gruenes Dickicht. Dann und wann ein Wasserloch und das Klima wird mit jedem Meter den wir an Hoehe verlieren und mit jedem Km den wir dem indischen Ozean naeher kommen, heisser und drueckender. Ich schwitze wie- ja, wie in Mexico! Auf den naechsten 500km werden Erinnerungen an Zentralamerika wach! Das Klima, die Vegetation und das Treiben der Menschen (nicht aber die Mentalitaet) und auch das Bild der Doerfer je naeher der Grossstadt Dar Es Salaam- wie in Zentralamerika. Doch noch sind wir nicht in Dar. Wir campen (ueber 50 Grad im Zelt am Tag, in der Nacht nicht unter 30 Grad, feuchtheiss!) in Mikumi, gleich am Portal des Mikumi Nationalparkes.
Am Dienstag, 25.11.03 fuhren wir frueh los; 5.45 noch vor Sonnenaufgang. Wir hofften so einige Tiere im Nationalpark zu sehen. Mit gemuetlichen 50kmh fuhren wir die 50km durch nochmals recht trockene Savanne (die Vegetation sieht trocken aus: rote Erde, Flussbette trocken, kein Gras, nur Buesche und knorpelige Baeume- und das im Licht der aufgehenden Sonne!!! Es war traumhaft, das kann ich euch sagen!). Wir sahen Wildsauen, Gazellen, fuhren mitten durch ein Rudel von etwa 150 Affen, sahen kindshohe Voegel mit einer Spannweite von locker mehr als 2 Metern. Und dann waren sie da. Ploetzlich, 2 Meter zu jeder Seite von uns: ein Loewe und sein Weibchen!! Der Loewe sprang auf und bruellte, als wir vorbeifuhren. Ein gigantisches Tier mit einer Prachtsmaehne! Diesen Anblick werde ich nie vergessen! Auch das Weibchen; ein irgendwie grazioeses Tier, doch ein Paket an Power! Ich hoffe ihr verzeiht, dass wir nicht anhielten um Fotos zu machen...:-).
Nach diesem einmaligen Erlebnis fuhren wir noch 300 sehr heisse, verschwitze und anstrengende Kilometer mit vielen Baustellen und zunehmendem Lastwagenverkehr in die wirtschaftliche Hauptstadt (Dodoma ist die politische Hauptstadt) Dar Es Salaam. Wir standen bei Gluthitze um die Mittagszeit im Stau (selber Schuld), quetschten uns mit etwa 300 Fuessgaengern, 10 Autos, 100 Velos und 20 Schubkarren auf eine Faehre fuer 12 Personen (so kams mir vor) und fuhren zur kleinen Insel vor Dar, die uns von einem besoffenen Schweizer Auswanderer in Mikumi empfohlen wurde. Auf der Insel (die Straende mit weissem Sand, das Meer tuerkis- einfach traumhaft) nur Bungalows und der absolute Badeferientourismus. Wir aber brauchten Internet, Shops und Bank. Also verpflegten wir uns am einzigen Kiosk auf der Insel mit seinem ganzen Angebot: Suessgetraenk, Weissbrottoast und einigen Nuessli, bevor es mit der selben, wiederum ueberfuellten Faehre zurueck in die City ging. Dort steuerten wir jenes Hotel an, das wir schon vor dem Schweizertipp im Visier hatten. Dar ist eine 2.5 Miostadt- doch solche Zahlen machen wir nun wirklich keinen Eindruck mehr und wir fanden das Hotel auf Anhieb. Ein Volltreffer- mit Dusche, Fan und Safe Parking im hintersten Raum des Untergeschosses. Internet, Shopping und Bank gleich um die Ecke. Doch angesichts des langen Tages (ueber 7 Stunden bei Gluthitze im Sattel) war ausser Einkaufen, Duschen und Essen nicht mehr viel.
Am Mittwoch, 26.11.03 war in Dar Muslimischer Feiertag und alles geschlossen! Die Stadt lebt und funktioniert unter starkem Einfluss von Arabien. So wurden wir mit dem Morgengebet oder dem Aufruf dazu aus den Lautsprechern der zahlreichen Moscheen geweckt, sahen viele Araber in den Strassen mit Kutten und Huetli. Dieser Feiertag kam uns nicht gerade gelegen und wir suchten lange, bis wir Food und Wasser kaufen konnten (am Markt) und ein Internet fanden, das offen war. In Dar war das Klima uebrigens hammerhart: Temperatur nie unter 30 Grad, tagsueber locker ueber 40 und schwuel! Die Stadt sonst? Nichts spezielles, wenn man vom arabischen Einfluss in den Bauten, der Bekleidung der Menschen und den Raeuchrstaebli- und Gewuerzdueften in den Strassen absieht.

So wurde es Donnertsag, den 27.11.03. Eine weitere Hammeretappe stand auf dem Programm. Wobei wir in einem Tag fuhren, was in 2 Etappen geplant war. Doch das ist Afrika: Du musst zuschlagen und kaufen was du siehst- denn es kommt kein zweites Mal das Selbe - und etwas Aehnliches wer weiss wie lange nicht mehr. Generalgesetze (dass pro Region zB das Campingangebot aehnlich bleibt usw.) gibt es in Afrika nicht. Jeden Tag, mit jedem km, alles neu, alles anders. Und genau so war es an dem Tag. Keine Ortschaft mit Camping oder Hotel oder Nahrungsangebot, das uns passte. So fuhren wir durch, bei schon fast gewohnter Hitze, traumhafter Landschaft, langsam wieder auf 700 Meter steigend- dem Kilimanjaro entgegen bis Moshi. Das Dach Afrikas zeigte sich fast beide Tage, die wir dort blieben, in Wolken gehuellt. Nur einmal kurze Sicht auf den beruehmten Berg; uebrigens mit sehr wenig Schnee zuoberst! Dafuer willkommene Abkuehlung bei etwas Regen. Moshi ist eine gut organisierte, kleine Stadt- DER Kickoff fuer die Kilibesteigung. Phil und ich haetten es hier touristischer erwartet. Doch nichts war. Keine Einkaufszentren, keine Trekkingstores- und auch keine Weissen (da noch nicht Saison). Wir kamen in einem guten Hotel unter- hatten seit ueber einem Monat mal wieder Kabel TV; Deutsche Welle und BBC liefen beinahe 24 h durch! Doch das war auch schon alles an, wie wir das nennen, Tourisluxus. Wir kauften wie gewohnt am Markt ein und wimmelten die wenigen, doch hartnaeckigen Tourenorganisatoren ab. Wir konnten Geld wechseln und gingen ins Internet. In den Strassen Moshis tummeln sich viele Schuhmacher, Sonnenbrillen- und Sporttaschenverkaeufer zwischen den unzaehligen Schneider/innen, die aus dem riesigen Angebot an traumhaften Tuechern Gewaender und Anzuege naehen- gleich auf der Strasse auf ihren fussangetriebenen Singer und Butterfly Naehmaschinen!
Als wir am Vorabend unseres zweiten Tages in Moshi auf der Post (wir erledigten gerade zwei Postkartenservices) von einem uns fremden Mann angesprochen wurden mit: "You're leaving tomorrow?" (Diese Antwort gaben wir den anhaenglichen Tourenorganisatoren) "Yes" "For Nairobi?" (Das wiederum sagten wir nur einem vor unserem Hotel) "Yes" "With two Motorbikes?" - "Yes" Und wir wussten, dass es Zeit wurde, den Ort zu verlassen.

Entlang des Kilimanjaros ging unsere Fahrt am Samstag, 29.11.03 frueh morgens weiter Richtung Arusha, am Fusse des Mt. Meru. Das Klima hier extrem tropisch, die Berge wolkenverhangen. Wir fahren durch Bananenplantagen, Kaffeefelder und immer hoeher bis auf 1300 Meter. Arusha um 7 Uhr- scheinbar alles, was Beine hat, ist auf der Strasse. Ausser die weigen Weissen: die sehe ich immer nur in den Autos, zu ihren Autos hasten oder ganz unsicher schnell von ihren Autos weglaufen um etwas zu kaufen. Ansonsten alles auf der Strasse: Fruechteverkaeuferinnen, alle Einheimische am Wasser holen, alle transportieren ihre Holzkohlesaecke auf den Velos, die ueberfuellten Kleinbusse der Einheimmischen, weinge Cars der Touris, Menschen des Masai Stammes in Volkstracht mit ihren Ziegen und Eseln und geschaeftige Schwarze in Jeans und Hemd mit Handy und irgendwo noch wir...
In Arusha nehmen wir den Abzweiger Richtung Ngorongoro Nationalpark, bzw. Serengeti Nationalpark. Wenige km fahren wir vom Gebirge weg und das Klima wie auch die Vegetation aendern sich schlagartig: nichts ist mehr gruen, keine Baeume mehr. "Nur" endlose Weiten mit goldfarbenener Steppe, einzelnen Bueschen und trockenen Bachbetten. Am Strassenrand und etwas davon entfernt die Strohhuettensiedlungen der Masai Voelker und sie selbst. Wunderschoen sind sie anzusehen: Sie sind immer in Tuecher gehuellt, warmes Rot, Violett und Orange. Sie verweigern westliche Kleidung. Die Frauen mit Vollglatze und langem Perlohrenschmuck am oberen Rand der Ohren, so dass diese immer so herunter lampen. Die Maenner mit langen Haaren, Zoepfli mit Perlen darin, weissem Lederschmuck um die Waden und meist mit Lanze und Speer bewaffnet. Das klingt nach Tourisattraktion- ist es aber nicht! Diese Menschen leben noch heute so. Meist sind sie damit beschaeftigt, Ziegen, Esel oder Rinder durch die Steppe zu jagen (nur Knaben oder junge Maenner)oder aber Wasser aufzutreiben (Meist Frauen). Menschen, die ich aelter als 40 Jahre schaetzen wuerde, habe ich unter den etwa 700 Maasai nicht mehr als drei gesehen.
Wir zweigen von dieser Hauptstrasse Richtung Dodoma ab Richtung Ngorongoro Crater. Die Strasse steigt an auf 1600 Meter, kurz vor diesem Anstieg wird die Vegetation nochmals Gruen und fruchtbarer, Berge und Vulkane am Horizont. Wir sehen eine Riesenschildkroete ueber die Strasse hasten ;-). Im Ort Karatu, die Strasse seit einigen km mehr schlecht als recht, nehmen wir den hintersten Abzweiger zu einem Campsite. Es liegen 6 km Wanderweg vor uns. Huegelig, eng und kurvig geht es rauf auf den Huegel. Vorbei an Masai, an Ochsenwagen und Fussvolk. Die Muehe lohnte! Wir befanden uns zuoberst auf dem Huegel, sahen ungestoert auf den Ngorongoro Krater, hatten heiss Wasser und einen sehr besorgten Wirt. Wir waren seit 2 Monaten die ersten und einzigen Gaeste (das entnehmen wir dem Gaestebuch: wir sind die Nummer 153 seit Juli 2002!). Wir genossen den Nachmittag, die Aussicht, die milde Temperatur hier oben, den grandiosen Sonnenuntergang hinter dem Krater und ein wunderbares Nachtessen bei einem Kilimanjarobier.
Wir hatten vor, den Ngorongoro NP zu besuchen. Doch von hier aus liess sich dies sehr schlecht organisieren. Wir haetten es von Arusha aus machen muessen- ein Gedanke, der uns gar nicht gefiehl. So entscheiden wir uns, am naechsten Tag ueber die Grenze nach Kenya zu fahren und zu versuchen, den Amboseli NP von Namanga aus zu besuchen. Das Problem war, dass wir ein Auto mieten muessten, da wir mit dem Motorrad keinen Zutritt hatten.
Wir fuhren am Sonntag, 30.11.03 zurueck durch die Steppe im Morgenlicht und mit Maasaimaennern in Kriegsbemalung (weiss bemalte Gesichter, die Augen ausgelassen- das sah echt gefuerchig aus!), zurueck nach Arusha in den Menschen- und Vegetationsjungel! Von dort gut 100km nach Norden, um den Mt. Meru herum, ein letzter Blick auf den Kili, vorbei an weiteren Maasai Siedlungen (ich sah Maasai Maenner mit weissen Stickreien wie eine Maske auf dem Gesicht) an die Grenze zu Kenya. Kurz vor der Grenze beobachteten wir eine Herde Giraffen, die sich wie in Zeitlupe (so sah es aus!) in Bewegung setzte, als sie unsere Motoren hoerten. Etwas weiter vorne dann ein riesiges Rudel Affen- Bergbaboos mit langen Haaren. Eindruecklich! An dieser Stelle moechte ich auch noch erwaehnen, dass wir, seit das Land stark bewirtschaftet wird, viel weniger Voegel sehen als in Zambia zum Beispiel.
Der Grenzuebertritt ging erwaehnenswert schnell und professionel- war aber auch erwaehnenswert teuer: 100 US$ fuer 2 Visa und 40 US$ fuer 2 mal Fahrerlaubnis!
Im Grenzort Namanga merkten wir schnell, dass wir die Safari in den Amboseli NP von Nairobi aus organisieren muessen. Hier gibt es ausser einigen Fruechtestaenden und vielen Menschen eigentlich nichts.
Wir waren seit 4 Stunden im Sattel, seit gut 5 Stunden unterwegs- daher blieben wir in Namanga, um am naechsten Tag ausgeruht die 170 km nach der Hauptstadt Nairobi in Angriff nehmen zu koennen.

Es war am Montag, den 1.12.03 als wir bereits um 8.30 Uhr den Zeltplatz in Nairobi erreichten- und froh waren, schon dort zu sein. Wir stellten das Zelt auf und machten uns gleich auf den Weg ins Zentrum (etwa 2km den Huegel runter) auf die Schweizer Botschaft. Dort nahm ich Post meiner Eltern entgegen und die Empfehlungsschreiben fuer die Sudanesische und Ethiopische Botschaft (knapp 100 US$!). Die Angestellten konnten uns weder ueber den Strassenzustand Richtung Norden informieren noch ueber die politische Situation im Land...! Den Rest des Tages und auch den naechsten Tag erledigten Phil und ich eine ganze Liste, die sich in den letzten 5 Wochen Afrika angesammelt hatte: wir trieben neue Pneus auf (was gar nicht so einfach war- da gibts genau eine Adresse: der KTM Haendeler im Vorort Karen), organisierten eine Safari (nicht den Amboseli, sondern Maasai Mara; der beste Park..), gingen richtig fett einkaufen, besortgen das Ethiopische Visum (1 Tag, je 63 US$), wechselten unsere American Travellers Checks ein (in Dollar Cash- mit schmerzhaftem Verlust! Nie wieder wuerden wir Checks mit auf Reise nehmen! Nur noch Cash und Karte! ATM's hat es unterdessen wirklich genug!) und brachten unsere Kleider in die Reinigung (die werden nun seit Kapstadt das erste Mal mit Maschine und nicht im Fluss gewaschen!). Auf dem Campingplatz trafen wir auf Emma und Jasper aus England. Sie kamen genau unsere Route von Egypten her nach Nairobi- mit dem Defender. Es war einfach genial, mit ihnen zu plaudern. Wir erfuhren viel ueber die Strassenzustaende, Grenzuebertrittsgehabe (Preise usw.), die aktuellen Wechselkurse, gute und schlechte Unterkuenfte, sowie allerlei Geschichten ueber die Menschen, die sie unterwegs trafen.
Uns wurde also ganz sicher nicht langweilig diese zwei Tage in Nairobi. Im Gegenteil! Etwas kaputt aber total gluecklich, da wir alles erledigt hatten, schliefen wir am Dienstag Abend ein. Ich traeumte von der Safari, die am naechsten Tag begann.

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Die Safari

Das Maasai Mara National Reserve Kenyas grenzt an den bekannten Serengeti Nationalpark auf der Tanzaniaseite. Das Reserve liegt denn auch in den Serengeti Plains, im Gebiet des Maasaivolkes. Es ist 320km2 gross, liegt auf etwa 1500 Metern Hoehe und ist beakannt fuer seine Vielfalt an Tieren.
Es ist Mittwoch, 3.12.03, 9.15 Uhr. Wir warten auf den Tourisbus mit Fahrer, der uns und 3 weitere Kunden die naechsten drei Tage durch das Reserve fuehren wird. Wir haben die Bikes gut abgeschlossen, koennen das Zelt stehen lassen und unser Gepaeck hier einstellen. Mitnehmen tun wir nur massenhaft Wasser, Schlafsaecke, Necessaire, wenig Kleidung zum Wechseln und etwas an Food- man weiss ja nie.
Um halb zehn faehrt ein PW vor, der uns nach Nairobi City in die Agentur Primetime fahren wird. Dort angekommen lernen wir Ori kennen, einen jungen Israeli, der nach seinen 3 Jahren Militaerdienst in Israel 4 Monate auf dem Israelischen Konsulat hier in Nairobi in der Security gearbeitet hat und nun noch etwas Kenyaferien macht, bevor er nach Tanzania und Uganda weiter reist. Wenig nach uns treffen Rosemarie und ihr Mann Derick ein, ein Ehepaar im Pensionsalter aus Whales (nicht etwa aus England) die gerade Rosemaries Bruder besuchen, der hier in Nairobi eine Schule leitet. Mit viel Gepaeck gehts zu unserem Auto: ein alter Toyota Jeep mit 2 grossen Dachluken (das Beste am ganzen Auto...) und 8 Sitzplaetzen plus Fahrer. Wir quetschen Gepaeck und Esswaren in den engen Platz zwischen hintester Bankreihe und Hecktueren. Unser Fahrer und Leiter stellt sich vor: Isak,38. Los gehts! Mit einer Stunde Verspaetung- die sich ueber den ganzen Tag halten wird. Doch Phil und mir ist das sowas von egal. Wir machen es uns zu hinterst bequem, lehnen uns zurueck und geniessen es, fuer die naechsten 3 Tage noch nicht mal selber denken, geschweige denn fahren noch organisieren zu muessen!
Nach ca. 60 Minuten Fahrt ein Stopp an einem Tourisstand mit Aussicht auf das Great Rift Valley. Wir geniessen die Aussicht und wimmeln die vielen Verkaeufer mit ihren Lavasteinsouvenirs und Maasaituechern erfolgreich ab. (Mehr zu den Maasai im oberen Teil des Textes "Highlights in Afrika"). Wieder etwa 60 Minuten spaeter halten wir im Ort Nakut und geniessen in einem Restaurant ein feines, warmes Buffet mit Reis, Beef und Gemuese (Auf unserer Tour ist alles inkl. ausser den Getraenken fuer 55 US$ Pers./Tag). Nach weiteren 2 Stunden Fahrt, die Strasse extrem schlecht mit vielen Schlagloechern, das Auto wie gesagt alt, null Federung.. kommen wir am Eingang des Reserves an. Obwohl wir 2 Gaeste mehr im Jeep haben als gebucht (wir lasen zwei Touris auf, deren Auto unterwegs schlapp machte), kamen wir problemlos und schnell durch das Tor. Auch hier, wie ueberall wo wir halten (Tankstelle, Kreuzung, Stau..), sofort Verkaeufer und Bettler an den Fensterscheiben- nicht weg zu kriegen- doch sind ihre Hauptopfer ganz klar Rosemarie und Derick! Wir fuhren etwa 13 km durch den Park, sahen Zebras und Antilopen. Im Camp kamen wir- die erwaenhte Stunde zu spaet, also um 17 Uhr, an.
Wir alle bezogen unsere Zelte, die dort fix stehen, mit Strohdach versehen sind und Betten mit Schaumstoffmatte und Kissen enthalten.

Mit Digitalkamera, Wasser und warmer Kleidung bewaffnet setzen wir uns alle nochmals in den Jeep und brechen auf zu unserer ersten Tour durch den Park. Ich moechte es gleich am Anfang loswerden: der Jeep hatte ja null Federung, es ruettelte gewaltig und die ganze Safari war immer wieder spannend und kribbelig nur schon vom Fahren her: wenn sich Isak mit dem alten Gefaehrt durch Bachbette, ueber Stock und Stein, ueber Wiesen und Felder fern ab jeglichem, was entfernt als Weg durchgehen wuerde seine Runden dreht und den Tieren nachschleicht!
Wir fuhren wenige Kilometer und wir fanden uns in einer grossen Elefantenherde wieder! Etwa 8 grosse und 5 Jungtiere! Es war einmalig! Sie durchquerten gerade ein Wasserloch, schauten uns an, wir sie... ganz nahe! Weiter ging es durch riesige Zebraherden (hunderte!), ueberwaeltigende Gnusherden (tausende!) und immer wieder hielten wir fuer Voegel: Strausse(mit Jungen!), Geier, Adler, Busharde, Stelzenvoegel und kleine Voegel, meist knallig in den Farben. Mir haette das ja schon gereicht. Nicht nur fuer heute, nein, fuer die ganze Safari! Ich wurde wirklich richtig ueberrannt von soviel Tier- Wahnsinn! Und die Elefanten waren mir persoenlich am wichtigsten. Doch Isak, den Sonnenuntergang und die Dunkelheit im Nacken, fuehrte uns noch am ersten Tag zu Loewen! Ganz nahe, ganz grosse- und diesmal sass ich ja sicher im Auto und konnte staunen, geniessen, glotzen- und den Mund wieder schliessen.
Um 19 Uhr sind wir zurueck im Camp, stockfinster ist es (praktisch am Aequator). Wir geniessen Reis, Beef und Gemuese zum Znacht und nach einer erfrischenden Dusche ziehen wir uns in die Zelte zurueck. Phil und ich tauschen unsere Ueberwaelting aus und schlafen bald ein.
Was ist das? Laut! Ein Heulen und Jaulen von ganz vielen Tieren ganz nahe. Wo bin ich? Richtig, Safari! Zelt! Loewen! Nein- kaum. Es kostet mich etwa 5 Minuten und ganz viel Druck auf meiner Blase, bis ich genug Mut zusammen hatte, mich raus zu wagen, nach vorne zum Klo- etwa 50 Meter im Dunkeln... mitten in all den Tieren! Doch kaum habe ich mich aus dem Zelt geschaelt leuchtet mir ein Maasai mit einer Taschenlampe entgegen. Er sitzt am Feuer und bewacht das Camp. Ich gehe zu ihm und erfahre den Grund fuer den "Laerm": Hyenen haben eine Giraffe erlegt und rufen nun ihre Kollegen, Essen sei fertig. Das war das Heulen. Das, was toent wie Lachen, so erklaerte mir Isak am naechsten Tag beim Fruehstueck, seien die jungen Hyenen, die bei den Alten fragen, ob sie auch mitessen duerfen.

Donnerstag, 4.12.03, um kurz vor 8 Uhr geht es auf in unseren Fulldaysafari. Es ist mir unmoeglich, die Reihenvolge all der Tiere wieder zu geben, so wie wir es erlebt haben. Es waren so viele! Ueber 10 Stunden sassen wir im Jeep, fuhren durch die traumhafte Landschaft des Reserves und genossen immer wieder ein Tier, eine Herde und die guten und informativen Erklaerungen Isaks. Er ist ein exzelenter Fahrer, hat 12 Jahre Maasai Mara Erfahrung, ist ein guter Faehrtenleser, hat offensichtlich Freude an seiner Arbeit und spricht perfekt Englisch. Sein Wissen ueber Tiere und Pflanzen nahm die ganzen drei Tage kein Ende.
Eine Liste der Tiere, die wir sahen (z.T in Englisch): Herden von Elefanten, Zebras, Gnus, Giraffen, Antilopen und Gazellen(darunter Impalas, Topis, Hartebeest, Kudus, Waterbucks, Elands, Kirk's dik-dik, Steinbock und Sable Antilopen). Weiter Herden von Nielpferden, Wildsauen, Loewen mit Jungen(!). Dann ganze Rudel von Affen (etwa 3 Arten, darunter die Baboos) und Mongoose ("Wiesel"). Zudem 2 riesige Krokodile, eine Hyene, ein Nashorn (eines der bedrohtesten Tiere und daher selten), einen Gepard (! Das war ein Highlight, auch fuer Isak- Geparde sindebenfalls sehr bedroht und daher selten) und eine Serval Cat (ich will nicht bluffen, aber diese Katze habe ich entdeckt und Isak meinte, "der seltenste Shot seit langem!"). Wir sahen Assgeier am Werk (war mal ein Zebra), genau so einen Loewen bei seinem eben erlegten Gnu, die Geierschar ca. 100 Meter weiter hinten schoen wartend. Wir sahen Echsen, Schildkroeten und unmengen an Voegeln! Nur den Bueffel, den sahen wir nicht. Uebergluecklich, schon fast nicht mehr auf dieser Welt verweilend, kamen wir puenktlich auf Sonnenuntergang beim Camp an. Erst Duschen und dann Nachtessen- Suppe, Kartoffelstock, Fleisch und Gemuese! Nach dem Nachtessen, ich in allen Bereichen satt bis hinter alle Ohren, kam Isak etwas ins Plaudern. Wir erfuhren von seinem, dem traditionellen Hochzeitsverfahren, dass der Mann die Frau nicht kauft, da er sie sowoeso nie abbezahlen koennte, dass heute Liebe im Spiel ist, dass nie er selbst verhandelt sondern sein Sprecher (Taufgoetti), dass Mann den Schwiegereltern ewig in der Schuld steht und dass es durchaus ueblich ist, schon mehrere Kinder zu haben, bevor die Schwiegereltern entgueltig ja sagen zum Mann und er als Zeichen dessen eine Schulter einer Kuh zusammen mit seiner Ehefrau aufschneiden darf und seinen Freunden verteilt. Stolz erwaehnt er, dass sein Vater bei seinen Schwiegereltern noch nicht so weit ist! Isak wird beim Schulternverteilen seines Vaters dabei sein- wenn es ueberhaupt statt findet, was nicht immer sicher ist. Er erzaehlt vom Ex Praesi Kenyas, der Wirtschaft und dem Tourismus. Entschuldigt- aber mein Aufnahmevermoegen verabschidete sich irgendwo zwischen Schulter und Politik... . Diese Nacht haetten wohl saemtliche Tiere des Reserves jaulen koennen- ich schlief wie ein Murmeltier tief und fest.

Freitag, 5.12.03. Bereits um 6.30 Uhr haben wir alle gefruehstueckt, gepackt und sind bereit fuer den letzten Tag Safari. Isak ist putzmunter und fuehrt uns im Morgenlicht zu Loewen mit Jungen und- es dauerte nicht lange, zu einer gigantischen Herde von Bueffeln! Es war, einmal mehr, wie im Film. Auch an unserem 3. Tag sahen wir nochmals fast das ganze Programm an Tierwelt, dass das Reserve zu bieten hat. Assgeier mit dem Kopf und Hals bis zur Schulter im Bauch eines Gnus... und vieles mehr. Nochmals Elefanten- ach ich koennte ewig aufzaehlen!
Es ist 11 Uhr als wir durch das Tor aus dem Park fahren. Alle, auch Isak, haben ein zufriedenes Laecheln auf den Lippen. Die Schlagloecher spuehre ich kaum und in einem Dussel-Tag-Doesen erreichen wir gegen 16 Uhr Nairobi. Isak faehrt uns alle bis vor die Haustuer- Phil und mich zu letzt. Ich frage ihn, dass sein Beruf ein schoener sein muss, wenn er den Menschen soviel Freude und Glueck bereiten kann. Er dreht sich um mit einem Strahlen im Gesicht, das mehr sagt als tausend Worte.
Danke Isak, fuer dieses unvergessliche Abenteuer.

Kontaktadresse unseres tollen Fuehrers:

Isaac Kinyanoui
Box 6166
Nairobi, Kenya
e-mail: isakinke@yahoo.com
mobile: 0722 - 693 407


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