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jazz - Liebe Freundin, dieser Brief entsteht auf den letzten Seiten meines 3. (oder4.?) Reisetagebuches, welches ich von hier nach Hause schicken werde. Hier heisst: Nairobi, Hauptstadt Kenyas. Wir sind seit einer Woche auf DEM Zeltplatz in der Stadt. Er liegt etwas vom Zentrum entfernt auf einem Huegel- sehr idyllisch mit Baeumen... Hier auf dem Camp treffen wir zahlreiche Reisende (alle mit Jeeps), die unsere Route, aber in entgegengesetzter Richtung, machen. Viele Englaender... . So koennen wir uns bestens informieren ueber Route, Menschen, Preise und politische Lage. Doch Phil und ich sind alte Reisehasen (wenn Du mehr als 4 Monate unterwegs bist, dann gehoerst Du zur Klasse, derer es wenige gibt- zu den alten Reisehasen eben), und so ueberrascht uns nichts mehr wirklich und viele Geschichten, die wir hoeren, haben wir aehnlich auch schon erlebt; irgendwo auf unserer Reise. Und trotzdem, oder gerade deswegen (da entspannter, weil gelassener, weil erfahrener) macht das Reisen, das Unterwegssein immer noch extrem viel Spass. Phil und ich nehmen jeden Tag hier in Afrika als echtes Geschenk. Es ist ein traumhafter Kontinent- und natuerlich in ganz vielen Bereichen nochmals ganz anders, als alles bisher Erlebte. Die Landschaft (von Wueste ueber Steppe, Savanne, Kueste, Jungel und Berglandschaft (Nairobi liegt auf 1500MüM), Einsamkeit und Grosstadt); in Afrika hast Du alles- und manchmal sehr nahe beisammen. Die Menschen, ausser in den Touristenorten, sind meist sehr schuechtern und daher sehr freundlich. Manchnal merke ich, dass sie unsicher sind und Angst haben (manchmal ich auch! z.B. wenn wir an Masaai mit Kriegsbemalung, Lanze und Speer vorbeifahren). Ich winke dann jeweils- und erhalte meist einen "Wink" zurueck. Die wirtschaftliche Situation (Nahrung, Trinkwasser, Ersatzteile, Pneus) der Laender in Afrika stellt uns die meisten Schwierigkeiten. Wir schlagen (rein einkaufsmaessig) zu, wo wir koennen! Und dann manchmal ueber eine Woche nicht mehr, weil es nichts mehr gibt! Hier in Nairobi bekamen wir wieder (fast) alles- nur die Groesse Pneu fuer mein Vorderrad, das hatte der einzige (!) Pneuhaendler (ein Weisser...) in ganz Nairobi (4Mio. Einw.) nicht. Doch hier koennen wir uns mit Lebensmitteln eindecken (mal wieder etwas anderes als Tomaten, Zwiebeln und Reis) und wir haben Kettenspray gekauft. Wir haben seit Kapstadt (5 Wochen) das erste Mal unsere Waesche in einer Maschine waschen lassen und nicht selber von Hand in einem Fluss oder Wasserloch "gewaschen"! Aber, ehrlich gesagt, mir gefaellt dieses Abenteuer. Es zeigt mir, was wichtig ist im Leben/zum Leben: Suesswasser, Feuer, Schatten, Brot und Freunde.
Beim Thema Freunde moechte ich gleich noch etwas einhaken: 1. Ich bin mir bewusst, dass ich auf Reisen bin und ihr zu Hause mehr oder weniger 0815 Alltag erlebt und dass bei euch die Zeit rast- und ihr das Gefuehl habt, dass irgendwie gar nicht "so viel" passiert. Wo hingegen ich jeden Tag ein Buch schreiben koennte und jedes Mal, wenn ich nach ueber 7 Tagen mal wieder Internet habe, mit euch allen kommunizieren, mich austauschen moechte. Meine Erfahrung zeigt(e) mir jedoch etwas anderes auf: E-m@il und Internet sind im Grunde genommen genauso Einwegkommunikation, wie dieser Papierbrief. Denn ich erhalte keine Mails. Das heisst, keine im Vergleich zu dem, was ich Schreibe. Und obwohl ich mir alles unter 1. geschriebene sehr bewusst bin, war es oft sehr schmerzhaft und meine Entaeuschung gross beim Anblick meiner leeren Inbox. Es brauchte einige Monate bis ich mir bewusst wurde, dass ihr Eure Freundschaft zu mir so weiterlebt, wie wir dies in der Schweiz tun: 2- max. 3 Mal pro Jahr treffen wir uns, dann aber richtig. Und das gefaellt mir- in der Schweiz. Ich aber habe erwartet, dass ihr euer Verhalten in unserer Freundschaf meiner Reise, meinem Wegsein anpasst und war jedesmal, wie gesagt, entaeuscht, nichts von Euch zu hoeren. Zwei Ausnahmen, positive Ueberraschungen gibt es: meine Schwester und Zaelli. Mit ihnen habe ich auf Reise eine intensive, schone Beziehung aufbauen koennen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie mir ausfuehrlich von ihrem Alltag berichten- der natuerlich gar nicht 0815 ist und mir zeigt, dass zu Hause jede Menge geschieht, ueber das sich auch Buecher schreiben liesse!
Hier, seit 8 Monaten unterwegs, fernab von Heimat, werde ich mir der Muster meiner Freundschaften, auch der zu Dir, bewusst. Ein Muster, das mir in der Schweiz erlebt gefaellt, auf Reisen mir aber Heimweh bereitet. Ich hoffe, und weiss, Du verstehst den Sinn meiner Worte und ich wuensche mir, deren Inhalt mit Deinem Empfinden teilen zu koennen.
Ich gruesse Dich ganz herzlich aus Afrika. Dem Kontinent, wo Schwarz mir die Augen fuer die Farben oeffnet! Jasmin
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