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09.12.03 It depends on the plan of god  

 

jazz - Schon bei der Planung kannten wir sie, die Kanckpunkte unserer Reise. Zum einen der Personen- und Motorradtransport von Panama nach Quito, um Kolumbien zu "umgehen" - ein Organisatorischer Knackpunkt und eine Budgetfrage. Das haben wir souveraen geloest. Dann die Strecke durch die Wueste des Sudans. Ein Klimatischer Knackpunkt; die Hitze. Die ganze Zeitplanung (Abfahrt und jeweilige Maximalzeit pro Kontinent) haben wir so ausgerichtet und bisher auch eingehalten, dass wir in der "kaeltesten" Zeit im Sudan sein werden. Und dann noch die Strecke von Isiolo nach Moyale, im Norden Kenyas an dessen Grenze zu Ethiopien- ein Knackpunkt in zweierlei Hinsicht: 1. Die politische Situation (Banditen) und 2. Die Fahrtauglichkeit unserer Motorraeder auf der Fahrtechnisch gesehen wohl anspruchvollsten Strecke unserer ganzen Reise (550km Erdstrasse der uebelsten Sorte mit vielen Schlagloechern, Wellblech, kurvig, huegelig. Liest man im Internet Berichte von Reisenden durch Afrika oder spricht man persoenlich mit ihnen, zum Beispiel wenn sie mit kaputten Federungen, Stossdaempfern, gebrochenen Gepaeckaufhaengungen oder einfach sonst nuddelfertig in Nairobi ankommen oder wieder zurueckkommen, kann man erahnen, was uns bevorsteht.)
Die politische Lage hat sich beruhigt. So fahren keine Konvois mehr durch diese Etappe und Gereiste erzaehlen, was die Sicherheit anbelangt, nur Gutes. Unsere Motorraeder sind im bestmoglichen Zustand: Service gemacht, keine Defekte, Phils Bike erhielt in Nairobi vorne und hinten neue Offroad Pneus (Pirelli MT 21) und mein Bike leider nur hinten (daher bestmoeglich..), da wir fuer mein Vorderrad mit seiner exotischen Groesse von 19" leider nichts passendes auftreiben konnten. So fahre ich den in Kapstadt montierten Bridgestone Trailwing, dessen Profil zwar nch ganz in Ordung ist, aber eben, es ist "nur" eine Strassen-Offroadmischung.

Natuerlich waren wir angespannt und nervoes, als wir am Montag, 8.12.03 aus Nairobi nach Isiolo losfuhren. Die politische Lage gibt trotz allen guten News ein komisches Gefuehl und der schlechte Zustand der Strasse sorgt fuer maechtiges Kribbeln im Bauch. Und dann war da gestern noch dieser unsypatische Wichtigtuer aus Berlin auf dem Campingplatz, der ueberhaupt ganz Afrika kennt, jedes Bike durch die Wueste bringt, wenn, wie er sagt, der Preis stimmt, und der diese besagte Strecke vor 8 Jahren mit seiner Yamaha Strassenmaschine fuhr und meinte, vor Januar wuerde er niemals los in diese Richtung: er habe schon viele gewarnt, keiner wollte hoeren und manch einer sei mit einem vollverschlammten Bike nach wenigen Tagen wieder in Nairobi aufgekreuzt. Der Regen. Erst im Januar seis trocken. Er fuhr am 1. des Monats. Mit Sackmesser und langer Metallnadel, die er uns munter praesentierte, verabschiedete er sich von uns in gefaehrliche Viertel Nairobis, um sich durch das Nachtleben im Millieu der Stadt zu saufen.
Naja, er hat bestimmt seine Erfahrungen gemacht, und auf einer Strassenmaschine durch Wueste und Schlaglochpiste ist sicher nicht ohne (Chapeau). Aber noch gar niemend, auch keiner der etwa 6 Jeepfahrer, die hier auf dem Camping waren und von Moyale hierhin gelangten, erwaehnten auch nur im Ansatz das Wetter als Problemfaktor! Und wir wissen, dank guter Planung, dass die durchschnittliche Regenmenge in Nairobi im Dezember bei 60mm liegt (Koeln im Dez. bei 100mm).

Wir fuhren also los, um den Mount Kenya herum, den wir aber leider nicht sahen, da er, jawohl, von dicken, fetten Regenwolken verhangen war. Es regnete. Doch bis Moyale fehlten noch ueber 150km, da kann sich das Wetter noch hundert Mal aendern. Tat es auch. Sicher noch hundert Mal. Sonne, strahlnd blauer Himmel, dann innert Minuten zogen Wolken auf, der Himmel bis zum Horozont schwarz verhangen (sieht der Himmel in der Schweiz so aus, regnet es bestimmt 5 Tage durch), der Regen prasselt nieder und 10 Minuten spaeter wieder blauer Himmel.
Etwas verunsichert ab dieser Wetterlage, doch mit deutlich besserem Himmel in morgige Fahrtrichtung als in die, von der der wir kommen, stellen wir in Isiolo auf dem Campinplatz unser Zelt auf. Langer Rede, kurzer Sinn, das Wechselwetter hielt sich die ganze Nacht durch. Wir hatten Wasserbett in unserem Zelt, das aber dicht hielt und beobachteten den 10cm tiefen Wasserfluss rund um unser Zelt herum. Der Kanckpunkt in diesem Falle unueberhoerbar: lautes Donnergrollen! Heute wissen wir nicht nur die durchschnittliche Regenmenge des Monats, sondern auch den Tag, an dem sie nieder geht!
Es war eigentlich eine einfache, doch fuer uns die schwierigste Entscheidung bisher, die wir am morgen des 9.12.03 zu faellen hatten: probieren wir es, oder warten wir noch zu. Probieren hiesse ein klitschnasses Zelt zusammenrollen (was wiederum hiesse, dass das bisher trockene Innenzelt betimmt nass wuerde), es hiesse bei Regen losfahren ins absolut ungewisse und evtl. schon nach 10 Minuten wieder hier zu stehen. Versuchen wir es nicht, hiesse dies bleiben in einem Ort, wo es ausser bettelnden Augen, holen Haenden, Tomaten und Zwiebeln nichts gibt. Ihr kennt uns, ihr wisst es bereits, natuerlich haben wir es probiert! Als alles gepackt war, merkte Phil, dass er seine Visakarte und die ganzen ausweise nicht dort hat, wo er dies immer hatte- in seiner Hosentasche. er konnte sich beim besten Willen nicht entsinnen, nach der ganzen Waschaktion und Umpackerei in Nairobi, wo er das zegs verstaut hatte. Nochmals alles auspacken? Zeit verlieren (es sind 250km bid zum Camp auf halber Strecke in Marsabit, mit einem Schnitt von 30kmh brauchen wir 8 Stunden. Plus 2 Stunden Pause. Um 18 Uhr geht das Licht aus (wir sind sozusagen auf dem Equator) und s war schon halb 8 Uhr)? Mit dem Satelittenphone die Visa sperren? Leider nicht moeglich, da wir erst die Simkarte wieder laden muessen und das Satphone im Moment nur fuer Notfallnummer gebrauchen koennen (immerhin!). Ohne Karte und Ausweise gings los. Durch das Dorf, wo alles auf den Beinen war, das welche hat, auf Asphalt mit Schlagloechern. Kurz nach der Dorfgrenze dann Erde. Nein- Matsch. Etwa 500 Meter fuhr ich, die Rillen in meinem Voderpneu waren voll Schlamm und ich wie auf Eis unterwegs. Nichts zu machen- wir kehrten um. Im Dorf kauften wir uns, indem wir an etwa 5 Haeuschen mit "Shop-Beschriftng" hielten, Bananen, Karotten, Zigis (jawohl!) und eine Buechse Tomatenpuree. Dies kostete Tu'ter. Na, weisst Du jetzt wieviel? Das ist weder ihre Sprache noch English und zeigt auf, in welchen Verhaeltnissen wir feststecken. Es heisst natuerlich 230 Shilling- Taschenrechner sei Dank. Noch etwas zu diesem Thema? Ich sagte kaufen, meinte aber eher ergattern. Denn1. ist Essbares zwischen all den Seifen und Plastikkuebeln im Angebot nur schwer zu finden und 2. muss man aufpassen, dass es einem, wenn man es dann gekauft hat, nicht aus den Haenden bzw. Boxen "gebettelt" wird. Als wir an einer Stelle zum Einkaufen hielten kam ein Einheimischer und sprach uns in perfektem English an. Wir sollen bis 10 Uhr warten, dann komme vielleicht die Sonne und es sei trockener. Wir fragten ihn, ob es so aussehe, als wuerde es noch lange Regnen, oder ob es morgen besser wuerde. Wir sprachen ihn auf seine erfahrung an, da hier weder TV noch Telefon auskunft geben koennen, da es dies nicht gibt. Er schaut uns mit grossen Augen an, dann Richtet er seinen Blick gegen den himmel und meint: "It depends on the plan of god"

Es lassen sich viele Knackpunkte durch gutes Planen aufloesen. Des Knackpunkts Loesung hier? Nicht nur mit Phils vermisster Visakarte unbezahlbar.. .
Es ist mittlerweilen 10 Uhr durch, das Zelt, klitschnass durch alle Schichten, steht wieder an gewohnter Stelle- und es regnet! Phil hat seine Visa und die Ausweise wieder gefunden. Und etwas Gutes hat es ja auch, dass das Satelittentelefon nicht geht, denn sonst waere die Kreditkarte bestimmt schon gesperrt! Und noch was: hier sind wir sicher sicher vor Terroranschlaegen jeglicher Art.
Wie es weiter geht? Ich schaue gegen den Himmel, sehe die Voegel schon Paerchenweise in eine Richtung fliegen, denke an Arche Noah und sage mir: It depends on the plan of god.


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