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phil - Viele sind daran gescheitert, heisst es, an der Strasse in Nordkenya von Isiolo hoch zum 510 Km entfernten Grenzort zu Aethiopien, Moyale. Lange und immer wieder scheitert die Bewaeltigung der Strecke an der politisch labilen Situation dieses Gebietes, so dass ein durchfahren verboten oder nur in Lastwagenkonvoys moeglich ist. Einige werden Opfer der Regenzeit oder aber erleiden technischen oder koerperlichen Schaden, sei dies durch einen Ueberfall oder Unfall.
Auch auf unserem Campingplatz in Nairobi kursieren etliche Geruechte ueber Einzelschicksale, jeder kennt einen oder hat von einem gehoert, dem es noch viel dreckiger ergangen ist. Doch die meisten haben die Etappe auf ihrem Weg nach Sueden vor wenigen Tagen oder Wochen hinter sich gebracht. So machen Jasmin und ich uns nervoes und gespannt auf den Weg zum "Grenzort" Isiolo, das ist da, wo der Asphalt aufhoert, etwa 300 Km noerdlich der Hauptstadt Kenyas entfernt, nicht ohne uns vorher auch bei der schweizer Botschaft ueber aktuelle Lage und Strassenzustand informiert zu haben. Noch selten habe ich eine so nutzlose und undifferenzierte Antwort erhalten, eines muss ich eingestehen, sie war sehr diplomatisch. Gute Arbeit!
Die kommenden zwei Tage sind schnell erzaehlt, es hat geregnet und wenn die beruechtigte Strasse eines nicht ist, dann bei Naesse befahrbar. So warteten wir die Regenguesse geduldig ab, ueberprueften die Motos nochmals auf tadellosen Zustand, liessen die Piste nach einem Augenschein nochmals 24 Stunden abtrocknen und wagten uns am 11.12.03 fruehmorgens auf das Abenteuer.
Die Entscheidung vom Vortag, noch zu warten, erwies sich als goldrichtig. Meistens ist der Untergrund auf den ersten 200 Kilometern noch lehmig feucht, schoen klebrig und nicht glitschig, nur an schattigen Stellen ueber kurze Strecken schlammig weich. Wie bei der Frage nach dem Huhn oder dem Ei frage ich mich auf den ersten 130 Km, ob da mal Strasse war, oder ob vergessen wurde, an einigen Stellen Schlagloecher und Gruben zu graben. Nur zaeh kommen wir vorwaerts, was auch daran liegt, dass wir uns erst einmal wieder an die Bedingungen gewoehnen muessen. So schaffen wir die Haelfte der ersten Tagesetappe nach Marsabit mit einem 33 Km/h Durchschnitt. Nicht in diesen Wert eingerechnet, hierbei handelt es sich um das tatsaechliche Bewegungsmittel, sind die Pausen oder die Zeit, die wir brauchten, den ersten Schaden zu beheben. Denn nach etwa drei bis vier Stunden Fahrt spuere ich Feuchtigkeit an meinem rechten Fuss. Ich denke mir, dass nun der Schuh schon nicht mehr ganz so Wasserdicht ist, wie auch schon mal auf der Reise, wenn er ab den paar Pfuetzen schon ruennt. Was solls, vermutlich sind die Werksvorgaben zur Pflege der sonst genial bequemen und sicheren Motorradstiefel andere, als ich die Moeglichkeit hatte zu tun und so eine Reise ist auch nicht Standard. Die Sonne klimmt sich immer weiter empor und steht, so nahe am Aequator, schon steil, wenn auch noch deutlich im Osten. Die waerme an meinem rechten Fuss nimmt zu. An einem heissen Tag wie heute kann das schon einmal sein, das wird ja wieder einmal ganz heimelig mueffeln, wenn ich am Abend in die Schlarpen wechsle. Mein Koerper wirft Schatten ueber die Armaturen, als ich in Offroad- Stellung gehe, um ein paar grobe Loecher abzufedern und dabei sehe ich, dass sich die Benzinwarnlampe meldet. Das werden die Schlagloecher sein, die den Brennstoff durchschuetteln und eine solche Falschmeldung verursachen, denn gemaess dem Tacho ist es so gut wie unmoeglich, dass der Tank auf Reserve ist. Mein Fuss wird immer heisser, richtig heiss, mein Fuss beginnt zu schmerzen, als wuerde er in Flammen stehen. Etwas kann definitiv nicht mehr in Ordnung sein. Ich befuerchte, dass wieder ein Schlauch der Kuehlung geborsten ist und nun heisser Dampf meinen Fuss duenstet.
An der naechsten ebenen Stelle setze ich mich und halte an. Kaum reisst der Fahrtwind ab rieche ich den stechenden Geruch von Benzin. Beim absteigen sehe ich schon die Tropfen, die von der Motorabdeckung in den Sand fallen. Als erstes reisse ich mir Stiefel und Socken vom Fuss, haenge den Helm an die Lenkstange und entferne mich einige Schritte vom Fahrzeug. Das darf doch gar nicht wahr sein. Irgend wann kommt der Punkt, an dem ich etwas persoenlich nehme, ein Glaube wuerde nun helfen. Erst der Regen, der uns einen Strich durch unsere Plaene macht, nun schon vor Halbzeit der ersten Etappe eine Panne, zur Kroenung drohen Bilderbuch- Gewitterwolken das naechste Unwetter an. "Warum, maldicion (*), ich!?! Warum schon wieder mein maldito Motorrad!?!", frage ich, nein schreie ich in die Steppe, drehe mich wieder um, zu Jasmin hin, die gleich daneben angehalten hat und korrigiere mich "ist ja eigentlich egal, welches Motorrad". Ich weiss, dass ich technisch Null Erfahrung habe, ich bin einer dieser Theoretiker. Es gibt auf der ganzen Reise zwei heikle Stellen: Die durch die Wueste im Sudan zum Asswan See und diese hier. Auf all den anderen 200 Etappen oder wie viele es sein moegen, ich habe sie nicht gezaehlt und ich weiss nicht, wie viele es theoretisch sein koennen, ist eine Panne nur halb so wild. Doch da stehen wir nun in einem Gebiet, von dem es heisst, es wimmle von bewaffneten Banditen, irgendwo im Nichts. Es dauert einige Sekunden, bis ich mich gefasst habe und knie mich dann zum Motor herunter, das Problem muss sich ja unschwer lokalisieren lassen, irgendwo in der Brennstoffzufuhr. Wir mussten nicht lange suchen um das Leck zu entdecken. Das Verschlussteil der Leitung vom Zusatztank zum Haupttank ist gebrochen. Das harte Plastikteil ist einfach zerborsten, vermutlich durch die Vibrationen und leichten Schlaege an den Rahmen auf den letzten 49.000 Km. Einzige Loesung vor Ort, einwickeln mit Tape. So entferne ich das gebrochene Teil und sehe erfreut, dass ein Druckventil hinter dem gebrochenen Stueck immer noch funktioniert, wenn das defekte Teil nicht mehr angeschlossen ist. Glueck im Unglueck! Sicherheitshalber tapen wir das Ventil trotzdem ein. Schnell beginnt die Rechnerei. Wieviel Kraftstoff habe ich verloren? Wieviel ist nun schaetzungsweise noch im Haupttank verblieben, wenn die Warnlampe leuchtet? Reicht es noch bis Marsabit, haben wir genuegend in den Zusatztanks, vorausgesetzt, das Klebband haelt? Zudem stellt sich die Frage, mit was wir kochen sollen, wenn wir das einzige, in meinem rechten Zusatztank verbleibende, bleifreie Benzin verbrauchen und erst in Weiss-Nicht-Wo wieder nachfuellen koennen? Uns bleibt nichts anderes uebrig, als das Bleifreie zu opfern. So beginnen wir mit Hilfe einer leeren Wasserflasche, die Leitung ist ja hin, Benzin vom Zusatztank in den Haupttank zu kippen. Immer wieder kontrollieren wir die Benzinlampe hinter dem Windschutz und ueberschlagen mit dieser Info und Berechnungen zu Restdistanz und Verbrauch, die Menge, die wir umleeren muessen. So wie mein Fuss brennt und aufgrund der Berechnungen schaetzen wir die verlorene Menge auf etwa acht Liter. Wenn nun alles weitere glatt verlaeuft, so sollte es knapp reichen!
"Komm, wir ueberpruefen noch schnell die restlichen drei Verschluesse", sagt Jasmin zu mir, dem ich zusage, mehr noch um wieder etwas Ruhe zu gewinnen, als etwas zu finden. Sie schaut sich die linke Seite meines Bikes an, so gehe ich zu ihrem Toeff. Die Ueberraschung trifft mich wie ein Schlag: Verschlussteil und Druckventil weg, Benzin laeuft aus! Viel anderes als Lachen bleibt ihnen in dieser Situation nicht mehr uebrig und irgendwie denke ich an die Schafhirten am Strassenrand, die, wenn sie uns kommen sehen, als erstes ihren Stock weg werfen und, ihre Herde auf der Strasse stehen lassend, wegrennen, was die Beine her geben. Lachen und dann schnell handeln. Zuerst rollen wir mit dem Tape einen Pfropfen, stecken diesen in den Schlauch und befestigen das gebastel wiederum mit einigen Streifen Klebband. Dann die ganze Geschichte nochmals. Benzin Umleeren, Zahlen ueberschlagen, aufatmen, es sollte reichen. Mit dem drohenden Regen vor Augen und duesteren Erwartungen bezueglich der Pistenqualitaet schwingen wir uns auf die Saettel und starten die Motoren.
Nach gut einer weiteren Stunde shaken not stirled halten wir an, am Ende der Kraefte. Es droht der Regen, die Anspannung verkrampft den Magen, doch irgendwann streikt der Koerper, wir muessen anhalten und Mittag essen. Jasmin laesst sich erschoepft auf einen Kieswall am Rand nieder, ich bin im ersten Moment noch zu unruhig, um mich zu setzen. Die Piste war auf den letzten zehn Kilometern gluecklicherweise etwas besser geworden, was heisst, dass wir immer um die vierzig fahren konnten. Feiner aber harter Kies, wenig Wellblech, das sind vom Regen ausgewaschene Spurrinnen quer zur Fahrtrichtung. Wir mampfen lustlos die paar Scheiben weisses Toastbrot, die wir dabei haben, druecken mit eindeutig mehr Verstand als Lust Erdnuesse herunter und bemerken, dass wir, sollte es zu einem durch ein Gewitter erzwungenen Buschcamp kommen, definitiv zu wenig Trinkwasser dabei haben; es waren die letzten drei Flaschen an dem Ort, an dem wir sie gekauft hatten, mehr gabs da nicht, und diese sind fast ausgetrunken.
Wir wechseln nicht viele Worte und nach dem knappen Halt gehen wir weiter Richtung Norden. Von Zeit zu Zeit passieren wir eine Ziegenherde mit Hirte in traditioneller Kleidung, in Tuechern und mit Schmuck behangen. Wir passieren einen nackten Mann, der sich in einem Tuempel waescht, fahren an einer Gruppe Frauen vorbei, ebenfalls geschmueckt, jede von ihnen mit einem riesigen Buendel Brennholz auf dem Ruecken. Diese Aufzaehlung darf nicht taeuschen ueber die kilometer- und stundenlange Einsamkeit auf der gluecklicherweise besser bleibenden Strasse, deren trocken lehmiger Untergrund nicht mehr so mit Loechern durchsetzt ist. Endlich koennen wir ueber laengere Teile in den dritten Gang hoch schalten, was zu Beginn nicht moeglich war. Jedoch halten wir immer wieder fuer einige Sekunden, um die abgebundenen Benzinleitungen zu pruefen, ob sie denn noch dicht sind. Bis hierher haelt noch alles.
Auf einmal taucht vor uns ein Dorf auf, welches weder auf der Karte noch in unserem GPS Geraet vermerkt ist. Strohhuetten und Lehmhuetten mit Wellblechdaechern. Leute stehen in Gruppen entlang der Durchgangsstrasse. Wir brauchen Wasser und dieses Beduerfnis ist dringender als die Befuerchtungen, was die Einheimischen alles mit uns tun koennten, wenn sie sich wie in den Schauergeschichten auf uns stuerzten. Das uebliche Halli-Hallo-Geschrei wie bei jeder Ortsdurchfahrt. Wir halten an und sogleich draengen sich zwanzig Personen aller Altersklassen um uns und die Fahrzeuge. So viele Fragen, es ist nicht moeglich, mit zwei Ohren alle zu hoeren, geschweige denn mit einem Mund alle zu beantworten. Wir teilen uns mit, dass wir Trinkwasser kaufen moechten. Sofort springt ein Junge los, andere schleppen schon in Boxen gelegte Glasflaschen Suessgetraenke an. Jeder Schluck fluessigkeit zaehlt und so kaufen wir ein Cola, was wir ansonsten nie tun. Die Flasche muessen wir wieder abgeben und so wird die Flasche gleich geoeffnet und wir beginnen, den klebrigen Saft unter uns aufzuteilen. Zu meiner grossen Erleichterung konnte der Junge, der weg gesprungen ist, drei Halbliterflaschen auftreiben und bringt sie uns. Wir pruefen, ob die Verschluesse noch ungeoeffnet sind, die Boeden nicht aufgeschnitten und zugeschweisst wurden und verhandeln dann mit dem, der englisch kann und dem, der rechnen kann den Preis. Meine Erfahrung mit Afrika hat mir gezeigt, dass man immer zuschlagen muss, wenn man etwas sieht, das man braucht, vielleicht war es die letzte Gelegenheit. Doch sie hat mich auch gelehrt, niemals den ersten Preis zu zahlen, nicht ohne versucht zu haben, zu verhandeln. Es gelingt uns, den Betrag zu druecken und bekommen die anderthalb Liter fuer umgerechnet einen Dollar sechzig, was etwa dreissig Cent ueber dem Normalpreis des Landes liegt. In unserer Situation ein guter Deal fuer beide. Etwas beruhigter starten wir die Motoren zur Weiterfahrt.
Kaum zu glauben, der starke Seitenwind zerblaest die aufgeblaehten Wolken immer wieder. Der Anstieg von der Ebene hoch in die Huegel rund um Marsabit vermag diese auch nicht zu stauen und wir erreichen nach etwas mehr als sieben Stunden Fahrzeit und 260 Kilometer unser Tagesziel. Nicht trockenen Fusses, aber so aehnlich. An der Tankstelle in der Dorfmitte erkundige ich mich nach dem im Reisefuehrer aufgefuehrten Hotel und bezahle fuer die sechzehn Liter Most, die im siebzehn Liter Tank Platz fanden.
Das Hotel ist ganz in Ordnung. Wir konnten die Motos durch das Eingangstor zum Innenhof draengen und dort abstellen. Der physischen Erschoepfung halten wir eine erfrischende Dusche entgegen, nachdem wir das Gepaeck in das Zimmer im ersten Stock gehievt hatten und bevor wir uns auf den Weg zum Markt machen. Wir klappern saemtliche Staende ab, gehen von Shop zu Shop, die alle das selbe Angebot in den Bretterregalen stehen haben. Seifen, WC Papier, Saecke mit Reis, einige Cracker mit suesser Fuellung, Haushaltsartikel, einige Laeden ein paar Eier. Letzteres kaufen wir keine, da wir trotz zaehem verhandeln keinen akzeptablen Preis geboten bekommen. Brot gibts heute keines im Dorf, wie uns alle erzaehlen. Imerhin finden wir noch einen Haendler, der uns zwei Dreiliterkuebel Wasser zu einheimischem Preis verkauft und einen weiteren, bei dem finden wir eine Buechse gekochter weisser Bohnen in Tomatensauce. Das habe ich zwar nicht unbedingt gern, doch das naehrt besser als die Dose gruene Bohnen, die er auch noch hat, und wird uns morgen helfen. Vorausgesetzt es kommt nicht doch noch der Wolkenbruch, der uns im Hotel fuer die Nacht prophezeit wurde. Doch derjenige, der uns dies erzaehlt hat, wollte uns auch einen Transport auf einem Lastwagen vermitteln und so blicke ich im Abendlicht optimistischer als noch bei Ankunft in einen nun fast unbedeckten Himmel. Das letzte Licht des Tages nutze ich, um nochmals schnell Kraftstoffschlaeuche, Reifendruck und vor allem die Spannung der Speichen zu pruefen. Mit dem Taschenmesser klopfe ich reihum alle Speichen ab und stelle erleichtert fest, dass sie alle noch fast in gleichem Ton schwingen, super. Unterdessen widmet sich Jasmin dem Kocher, der seit etwa drei Monaten vor jedem Gebrauch eine Spezialbehandlung benoetigt, bevor er tut, wie er sollte. Zusammen setzen wir Teigwaren mit Tomatenpaste und frischen Zwiebeln auf und selten riecht es schon beim kochen so fein wie heute.
Der Freitag beginnt fuer uns frueh, den Wecker haette es um fuenf Uhr fuenfzehn dennoch nicht gebraucht. Wie ich sehe ist Jasmin auch schon vorher erwacht, gespannt auf den Tag, das Wetter, die Strecke. Wir koennen nicht schluessig feststellen, ob es in der Nacht viellecht einmal kurz geregnet hat, der Boden scheint jedenfalls mehrheitlich trocken. So beschliessen wir nach dem Fruehstueck, welches aus ein paar Crackern, Nuessen und je einer Banane besteht, dass wir den zweiten Teil heute versuchen. Die ersten zehn Kilometer sind toll, wir koennen ueber fuenfzig fahren. Oftmals wird die ganze Strecke als Wellblechpiste oder Ruettelpiste bezeichnet, was meiner Meinung auf das Teilstueck zwischen Isiolo und Marsabit nicht sehr zutrifft, da dieses eher lehmig oder schlammig, wenn nass, ist. Also bin ich skeptisch gespannt und befuerchte das uebelste, was nach den paar Kilometern fluessiger Fahrt auch eintrifft. Runter in den zweiten und ersten Gang fuer die naechsten hundert Kilometer Geroell, Schotter und grossen Steine. Tiefer Kies mit bis zu einem halben Meter hohen Waellen beidseits der etwa dreissig Centimeter breiten Fahrspur. Die Kanten der Aluboxen streifen manchmal nur um Haaresbreite nicht. Wie am Vortag verlangen die Bedingungen hoechste und unnachlaessige Konzentration. Heute muessen wir aber sicher keine Angst haben vor Regen. Keine Wolke zu sehen, weder vor, noch hinter uns.
Eine leichte Erkaeltung hindert mich am uneingeschraenkten Blick nach hinten und es geht besser, wenn ich mich auf einem ruhigen Meter kurz setze und in den Rueckspiegel schaue, wie es Jasmin ergeht. Zweimal sehe ich sie nur noch am Boden liegen, resp. das Motorrad liegt da. Jasmin ist so schnell wie moeglich wieder aufgestanden, um mir zu signalisieren, dass es ihr noch gut geht. Sie ist bei Ausweichmanoevern von grossen Steinen in den Kieswall gekommen, in welchem ein halten des beladenen Monsters nicht mehr moeglich ist. Der Instinkt jagt mich zurueck und ich weiss nicht mehr so genau, wie ich ueberhaupt wenden konnte. Bei der neuerlichen Umkehr musste mir Jasmin dann jeweils helfen. Jasmin haelt sich nach dem zweiten Sturz die Rippen, gebrochen ist, Rueckenpanzer sei Dank, gluecklicherweise nichts. Das Gefaehrt hat den Sturz auch nur mit ein paar Prellungen ueberstanden, defekte Birne, leicht verbogene Armaturen und bei einer Box ist die Bodennaht leicht aufgerissen.
Endlich wechselt der Untergrund, wir verlassen die Steinwueste und kommen in eine Gegend dichter Steppenlandschaft, was bedeutet, dass die Piste erst feinkoerniger, haerter, dafuer ruetteliger und danach wieder lehmiger wird. Zu Mittag essen wir die Buechse Bohnen und die letzten Nuessli. Mittlerweilen treibt uns die Hitze alle Fluessigkeit aus dem Koerper, dass wir mit nach schuetten kaum nach kommen.
Nudelfertig aber ohne weitere Panne erreichen wir nach wie schon gestern wiederum sieben Stunden Fahrzeit die Grenze zu Aethiopien, geschafft! Na ja, fast. Der Grenzuebertritt dauert eineinviertel Stunden, wir muessen noch die Bikes warten, Geld wechseln, tanken und einkaufen gehen. Doch das haben wir gestern ja auch schon mal gemacht.
Werden sie jemalks in den Genuss kommen, die beschriebene Strecke zu fahren, so weren sie diese anders auffinden als wir. Die Beschaffenheit wechselt taeglich, haengt von so vielen Dingen ab, diese Strasse lebt! Bei uns erhaelt die Strecke den Namen "Gruempelpiste". Gruempel ist in Schweizerdeutsch der Name fuer angesammelte Staubfaenger, eigentlich Muell, Unordnung und nervig, doch irgendwie lieb gewonnen und deshalb nicht mehr weg zu denken.
(* Mit "maldicion" synchronisieren die Latinos saemtliche Fluchwoerter in amerikanischen Filmen.)
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