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15.12.03 Afrika rollt I  

  Suedafrika

phil - In meinem Leben habe ich noch nie eine so hohe Ansammlung von neuen, deutschen Wagen gesehen, wie in Kapstadt, Liste in absteigender Reihenfolge nach Haeufigkeit: BMW, BMW, BMW, Volkswagen, Opel, Mercedes. Nicht einmal in Muenchen haette ich einen solchen Marktanteil wahrgenommen. Mit der dunklen Hautfarbe der Fahrer der BMWs verhaelt es sich wie mit weissen Raben; ich habe keinen gesehen, was nicht heisst, dass es keine gibt. Bemerkenswert, VW scheint hier noch den Golf II oder III zu produzieren, welchen sie dann jedoch nicht als solchen verkaufen, denn die aktuelle Golf Version ist ebenfalls gut vertreten, sondern dieser PW wird als VW Citi vermarktet.
Die Upperclass Suedafrikas gibt offensichtlich gerne Geld fuer schicke Autos aus, was das Strassenbild praegt, denn eine grosse Masse faehrt kaum ein eigenes Motorfahrzeug. Dies widerspiegelt sich auch in der woechentlichen Gebrauchtmarkt Zeitschrift, in welcher ueber 50% der Angebote zu den Kategorien "Special Cars", "Luxury Cars", "Sport Cars" und "SUVs" gehoeren.
Die Autofreaks scheinen sich auch politisch durchgesetzt zu haben. Hirnrissige Geschwindigkeitsregelungen auf Ueberlandstrecken. So darf in einer Allee schon mal 120 gebolzt werden, fuer Ortsdurchfahrten, ohne Buergersteig aber an Schulen vorbei, muss auf Tempo hundert reduziert werden. Das gilt nicht fuer die deutsche Enklave Stellenbosch, die sich auf zentraleuropaeische Weise vor den Rowdys schuetzen.
Wenn Motorraeder, dann meistens grosskalibrige BMWs. Viele organisierte Touren in Gruppen anzutreffen. BMW Mechaniker in Kapstadt ist sehr zu empfehlen. Daneben alle Marken vertreten, hauptsache gross (Goldwing) oder teuer (Ducati).
Tankstellennetz dicht. Benzin in 93er und 95er Oktan, beide bleifrei erhaeltlich. Preise in einer Liste am Ende des Beitrags.

Namibia

Tendenziell viel weniger Verkehr als im suedlichen Nachbarland. Intakte Infrastruktur fuer Guetertransporte auf Schienen, so auch nicht allzu viele Lastwagen. Am haeufigsten sieht man fast die weissen Toyota Pick-Ups oder SUVs der Autoverleiher, ausgeruestet mit Dachzelt.
Findet sich nicht gerade eine Reisegruppe mit 1150ern BMWs in Namibia ein, so ist die Crosser- Szene praesenter, so auch deren Marken.
Tankstellennetz in Ordnung. Trotzdem empfiehlt es sich, immer genuegend Treibstoff dabei zu haben. An abgelegenen Orten heisst es des oefteren "No Gasoline", "No Power", No irgendwas. Null Problem, Zusatztank auf und weiter; wenn man einen hat.

Zambia

Allgemein wenig Verkehr. Der Mitsubishi Colt hat es hier zu Lande geschafft. Meistens kommt er, wie der weniger vertretene Toyota Pick Up, mit einer dieser Kabinenaufsaetze hinten auf daher. Ganz Safari. Dabei kommt mir der Defender, das Mass aller Dinge seiner Klasse in den Sinn. Waehrenddem der Landrover in den Amerikas wenig anzutreffen ist, so hat er Afrika erobert.
Die nicht so zahlreichen Lastwagen sind vornehmlich Mercedes oder Scanias, oft aber auch umgebaute Touristentransporter fuer mehrtaegige Safaris. Mal luxurioes mit verdunkelten Scheiben und Klima, mal lottrig und ganz ohne Scheiben. Im unteren Teil der Ladeflaeche wird saemtliches Equipment verstaut, oberhalb befinden sich die Sitzreihen, aehnlich wie bei einem grossen Flugzeug. Bei den meisten handelt es sich um Touragenturen aus Suedafrika oder Namibia. Ich muss gestehen, dass Jasmin und ich uns schon oefters angeschmunzelt haben, wenn wir Beobachter werden, wie einem solchen Truck ein haeufchen durchgeschuettelter Bewegungsmangel entsteigt, nachdem der Fahrer hastig ausgestiegen ist und ein Schemel an den Ausgang stellt. Sofort begibt sich die Gruppe zu den Kiosken und Souvenirstaenden, der Herr, der als einziger trotz stundenlangem sitzen einen roten Kopf hat, steht gleich darauf mit einer Dose Lager in Wartestellung, bis der gehetzte Fahrer die Klappstuehle in einem dreiviertel Kreis aufgestellt hat. Minuten spaeter gleitet kraftlos die letzte Person aus dem hinteren Teil des Lastwagens, mit einem Gesichtsausdruck, als wuerde fuer die Reisekosten die Krankenkasse aufkommen. Diese Personen sitzen in der Regel, die mir in ihrem Ursprung schleierhaft ist, entweder neben dem Klo oder auf dem vordersten Sitz mit Blick auf die Landkarte, vorausgesetzt da haengt eine. Beim Essen sitzen sich die Opfer im besagten Fastkreis stumm gegenueber, immer mit verstohlen schielenden Blicken auf Nachbars Teller auf den Knien. Der Fahrer atmet mit geschlossenen Augen, den Kopf in den Nacken gelegt, zweimal tief durch, nachdem er das ganze Geschirr abgewaschen und die Stuehle, das Buffet und die Touristen wieder im Lastwagen verstaut hat, startet den Motor und faehrt weiter.
Nicht alle Reisegruppen sind freilich so fuer uns belustigend unselbstaendig, jedoch peinlich oft. Meistens machen die gemischten Gruppen, vom Vogelspaeher bis zum Partyloewen, einen gequaelten Eindruck, waehrenddem eine augenscheinliche Gleichgesinntheit durchaus positive Schwingungen ausstrahlt.
Mit Benzin wirds in Zambia schon schwieriger, vorausgesetzt, es muss immer bleifrei sein. Diesel wie in allen Laendern bisher kein Problem und auch einiges guenstiger. Relativ haeufig gibts auch Kerosin (wie auch schon in Chile). Also kein Problem fuer ihr Duesenjet getriebenes Speedboat, her damit, es soll Fluesse geben in Zambia, die Wasser haben!

Tanzania

In Tanzania gibt es so gut wie kein Privatverkehr. Minibusse, Toyota Hiaces, Isuzus und aehnliche, kaempfen um jeden Passagier, denn erst wenn der Transporter voll geladen ist, faehrt man zum naechsten Dorf. Mit ihrem hellblauen Anstrich bestimmen sie das Strassenbild zwischen den Ortschaften. Weite Distanzen werden in Cars zurueck gelegt, je nach Preisklasse modern oder lottrig. Zudem gibt es in der Naehe von Ballungsgebieten Minibusse mit hoeherer Kapazitaet, das Bild erinnert sehr an Peru: Toyota Coasters, Tatas, Hinos.
Lastwagen stehen haeufiger mit geoeffneter Haube am Strassenrand, vom Fahrer sieht man nur die Beine, die neben ein paar ausgelegten Werkzeugen unter dem Gefaehrt hervor stechen. Bei den PWs scheinen exakt vier Modelle zugelassen: Toyota Land Cruiser, Nissan Patrol, Mitsubishi Pajero und der Land Rover Defender. Sehr, sehr wenig sieht man eine Elite, vermutlich diejenigen, welche dem Rest des Landes die genannten vier Modelle vorschreibt, mit BMW X5, 600er Mercedes...
Nein, Tanzania bietet wahrlich nichts aufregendes motorisiertes. Stars sind die unzaehligen Fahrraeder, das Arbeitsgeraet der Maenner. Meistens Ein- bis Dreigaenger, robust gebaut, schwarzer Anstrich und durch einen der zahlreichen Fahrradmechaniker die es in jedem Dorf hat in Schuss gehalten.

Kenya

Gleich nach der Grenze zu Kenya nimmt der Privatverkehr zu, mit all den Auswirkungen, die wir auch aus unseren Gebieten kennen, wenn das Verhaeltnis zwischen Anzahl Autos und vorhandenen Verkehrswegen zu hoch ist. Die Strassen sind recht holprig, mit Schlagloechern uebersaeht und die Fahrer gnadenlose Draufgaenger, doch auch umsichtig, wenn es darum geht zu erkennen, dass die beiden aussergewoehnlichen Motorraeder zusammen gehoeren koennten. Abgasreglemente scheint es keine zu geben und so staune und ersticke ich, wie schon in Zentralamerika, bereits im lockeren Sonntagsverkehr.
Peugeot hatte sicher einmal seinen Einfluss, heute ueberwiegen durch alle Segmente die asiatischen Modelle, Mitsubishi und Nissan auffaellig stark. Auf dem bekannten Travellercamping in Nairobi draengen sich die alten, neuen, gepflegten und verbastelten Defender der meist Deutschen oder Englaender. Besonders gefallen hat mir ein junges oesterreichisches Paar, das mit einem kleinen Fiat 4WD, Panda oder Punto, fuer keine 1.500 Euro zu Hause gekauft und aufgemotzt, nach Kapstadt unterwegs war. Es geht auch so, Respekt!
Die Fahrraeder, immer noch zahlreich und "beMannt", in Kenya mit Rueckspiegel. Tolle Idee, der unsichere Blick nach hinten, gefolgt von der Fahrt in den Graben, entfaellt.
Im Norden von Kenya gibt es nicht viel zu berichten, es hat weder viele Strassen noch Fahrzeuge, welche sich auf das Abenteuer einlassen. Eine Handvoll Lastwagen, meist Leylands und mit Defekt am Strassenrand, zwei, drei SUVs am Tag, Toyota Land Cruiser, Nissan Patrol oder Land Rover Defender
Das Tankstellennetz ist recht dicht, doch bekommt man ausserhalb von Nairobi nur undefinierte, bleihaltige Qualitaet.

Aethiopien

Fuer Aethiopien ist der Titel eindeutig falsch. Es rollt nicht viel in diesem Land, sei es zwei oder mehrraedrig. Die Strassen, in gutem Allgemeinzustand, sind bevoelkert von Zwei-, Drei- und Vierbeinern. An einem Reisetag kommen uns gelegentlich Personenbusse undefinierter Marke entgegen, die Lastwagen - ebenfalls mit Reifenschaden am Rand - alte Fiats oder Mercedes. Nur gerade in und um die Hauptstadt Addis Abeba rollt gering Mehrverkehr. In den Vororten ist es schon fast eine Ausnahme, wenn es einmal kein Isuzu Pick-Up oder Minibus ist. In der Stadt praegen hellblau- weiss bemalte Taxis, zumeist liebevoll gepflegte Ladas, und asiatische Minibusse fuer den oeffentlichen Personentransport das Bild. Die Minibusse nehmen die vordefinierte Route, die wie in Suedamerika von einem Reinschmeisser durch die Gegend gebruellt wird, erst in Angriff, wenn der Van voll ist, was heisst ab zwoelf Personen aufwaerts. Vorher wird eisern gewartet. Von anderen Reisenden haben wir gehoert, dass fuer wenig frequentierte Ueberlandrouten auch schon mal Tage gewartet werden muss, bis es los geht. Die grossen Personenbusse, die sie orange bemalen, sind noch von DAF.
Das populaerste Gefaehrt ist der einachsige Eselskarren. Zahlreich belagern sie den Strassenrand. Die armen Esel tun mir manchmal richtig leid, wenn sie von einem eifrigen Juengling, hinten aufrecht auf dem Karren stehend, mit einem Stock zu hoeherem Tempo ausgedrescht werden.

Benzintabelle
  Ort Land Qualitaet Datum Preis p.L.
in USD
 
  Cape Town ZA 95er bleifrei 01.11.03 0.55  
  Cape Town ZA 97er bleifrei 01.11.03 0.56  
  Springbok ZA 97er bleifrei 07.11.03 0.59  
  Gruenau NAM 93er bleifrei 08.11.03 0.56  
  Mariental NAM 93er bleifrei 09.11.03 0.54  
  Kabib NAM 93er bleifrei 13.11.03 0.53  
  Divundu NAM 95er bleifrei 15.11.03 0.55  
  Livingstone ZAM 95er bleifrei 17.11.03 0.97  
  Lusaka ZAM ??er verbleit 20.11.03 0.79  
  Lusaka ZAM ??er bleifrei 20.11.03 0.89  
  Iringa TAN ??er verbleit 22.11.03 0.71  
  Dar Es Salaam TAN ??er bleifrei 26.11.03 0.70  
  Arusha TAN ??er verbleit 30.11.03 0.71  
  Nairobi KEN ??er bleifrei?? 06.12.03 0.80  
  Marsabit KEN ??er verbleit 11.12.03 0.88  
  Moyale ETH ??er verbleit /td> 12.12.03 0.55  
  Awassa ETH ??er verbleit 14.12.03 0.53  

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