13.01.04 Polizeirapport  

 

phil und jazz - Die Wilde Zeit nimmt nun gar kein Ende mehr! 36h Zugfahrt, anschliessend 2 Naechte in der Wueste bei Sandsturm, dann 20 auf der Faehre und schliesslich einen ganzen Tag auf der Traffic Police in Aswan. Eine einzige ruhige Nacht war uns gegoennt in einem neu eroeffneten Hotel in Aswan, bevor wir den 2. Tag auf der Traffic Police verbrachten, immer noch nur, um unsere Bikes einzuloesen. Die Leute im Hotel noch recht unerfahren und etwas ueberbekuemmert. Riefen alle 30 Minuten aufs Zimmer an, ob wir noch etwas braeuchten, ob sie etwas fuer uns tun koennten etc. In der zweiten Nacht dann der Hammer, eigentlich wie in einem schlechten Film:

23.30 Uhr
Wir schrecken aus dem Schlaf auf: ein Poltern und ploetzlicher Wind im Zimmer (1. Stock, etwa sechs Meter ueber Boden). Jasmin ruft laut und erkennt eben noch eine Person durchs Fenster weg huschen, die ueber die Klimaanlage vom Nebenzimmer her eingedrungen ist, resp. versuchte einzudringen. "Ich glaube das war der Wirt", hat sie gesagt. Da sie sich jedoch nicht sicher war, blieb der Zweifel. Sekunden spaeter hoerten wir ein Poltern, schlagende Tuer nebenan. Sofort stuerme ich in den Flur heraus und sehe tatsaechlich den Wirt, wie er aus dem Nebenzimmer kommt und nun versucht, abzuschliessen. Sogleich bemerke ich, dass der Typ sternhagel betrunken war. Das hat gerochen wie eine ganze Bar und artikulieren konnte er sich auch nicht mehr. Hat nur noch gefaselt: "fire, you fire" oder so was in die Richtung. Ich weiss nicht mehr genau, was ich gesagt habe, war aber der Meinung, dass er geschnallt hat, dass wir den Vorfall mit dem versuchten Einstieg mit ihm in Verbindung bringen und dass er uns nun in Ruhe laesst. Vergiss es!

24.30 Uhr.
Ihr koennt Euch vorstellen, dass wir in dieser Zeit nicht mehr ganz so ruhig geschlafen haben, der zweite Versuch! Gleiche Prozedur, steht wieder auf der Klimaanlage, eine handbreite vor dem Abgrund und tappt an der Scheibe herum. Nun starte ich durch. Schreiend renne ich aufs Fenster zu, schlage auf dieses ein, worauf er zurueck weicht. Ich stuerme zum Zimmer heraus und schreie das Hotel zusammen - wenn da jemand waere... keine Gaeste ausser uns. Der junge Kellner ist der einzige, welcher anwesend ist. Er meint, er haette die Situation und den besoffnen Mann, der sich nun im Nebenzimmer verbarikadiert hat, unter Kontrolle, kein Problem fuer ihn, also kein Problem fuer uns, also keine Polizei.
Wir hoeren, wie der junge Kellner die naechste Stunde ueber unablaessig versucht, den Alki ueber das Zimmertelephon anzurufen, was er danach aufzugeben scheint.

Zwei Uhr morgens.
Es lallt aus dem Nebenraum, unser Telephon klingelt, der Wirt ruft uns unablaessig an und was er stammelt ist nun nicht mal mehr arabisch. Nun haben wir genug. Total veraengstigt, wer weiss schon, was ein Betrunkener alles noch fuer Ideen hat, suchen wir nach Hilfe. Das war ja dann wie in Shining. Grosses, absolut verlassenes Hotel, alle Tueren inkl Hauptportal verriegelt, mit dem Satphone keinen Empfang, mit dem Festnetz kommen wir weder von unserem, noch von der Reception aus nach draussen, da wir keine Ahnung vom Access Code haben. Der junge Kellner ist unauffindbar, wir also alleine mit einem Geisteskranken. Wir begeben uns in unserem Zimmer zum Fenster und rufen die vereinzelt sich auf dem nach Hause Weg befindlichen Leute an, uns zu helfen, die Polizei zu rufen. Einer verspricht, sobald er zu Hause sei, diese aufzubieten.
Angstvolle Minuten verstreichen, da kommt die Rettung: Etwa drei Wagen Polizei, etwa 20 Polizisten in Uniform und in Zivil, bewaffnet und ausgeruestet. Actionszenen wie im Film, Tuer eindruecken, Hotel durchsuchen, Zimmer stuermen, der junge Kellner mit verweinten Augen taucht ploetzlich wieder auf, viele Zigaretten und hoher Puls. Der Wirt war nirgends mehr zu finden. Wir geben den Vorfall zu Protokoll, das heisst, Jasmin schreibt auf Englisch in etwa den Ablauf auf ein Papier. Sie ziehen ab, den Geraeuschen nach bleiben einige jedoch noch in der Naehe.

3.30 Uhr/
Es wurde nochmals laut. Die Polizei kommt zurueck, den Wirt im Zangengriff. Nach Idfentifikation waren sie genau so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind. Endlich unsere Ruhe!

Am Morgen mussten wir allen Ernstes noch mit dem Besitzer des Hotels darueber diskutieren, dass wir nicht bereit seien, fuer diese Nacht zu bezahlen! Schlussendlich gab er uns recht, wir sassen auch am laengeren Hebel, denn wir hatten noch einen Termin bei der Tourist Police, auf welcher wir die naechsten Schritte und Vorderungen einleiten haetten koennen.

Am selben Tag, nach schlafloser Nacht, nach Tourist Police, wo wir die Sache nicht weiterzogen sondern auf sich beruhen liessen, dann nochmals ein paar Stunden Traffic Police und danach einfach nur noch ein Hotel suchen und Schlafen... Oder doch besser Loecher in die Nummernschilder organisieren, Nummernschilder am Bike befestigen, Geldwechseln, einkaufen, Ausweise kopieren.....


top
Tagebuch