16.01.04 Mission Completed  

 

phil - In San Salvador haben wir eine filmreife Szene hingelegt. Mitten durch das Zentrum in einem Tempo, das an die wildesten Verfolgungsjagden erinnert. Ueber verstopfte Kreuzungen, quer durch Maerkte, schlaengelnd zwischen Lastwagen, Taxis und Fahrradfahrern. Geruechteweise hoert man, dass Jazz schon mal ueber den Gehsteig fuhr, um Phil auf der Flucht zu folgen. Zusammen waren wir schneller als alle Einheimischen, kein Geruecht. Spaeter in Zentralamerika haben wir einmal die Positionen getauscht, Jazz voraus und ich hinterher. Dabei bemerkt, dass sich der Vordere tendenziell gehetzt und der Hintere gezogen vor kommt. Seit da langsamer in Staedten unterwegs. Was ich bis vor kurzem nicht wusste: das war noch gar nichts!

Wilder als in allen Filmen gehts in den virtuellen Welten der Computersimulationen zu und her. Die kreativen Geister von Rennspielen wie beispielsweise Cruisin'USA koennen bei der Entwicklung nur eines zum Vorbild gehabt haben: Der Konvoi von Aswan nach Luxor!
Noch nie zuvor bin ich in einem solchen Tempo und derart durch Strassen gerast, wie auf besagter Etappe. Die Rennleitung persoenlich faehrt voraus, schneidet Kurve um Kurve, unbeachtet der ausgezogenen Mittellinie, dem huegligen, kurvigen Streckenverlauf. Latinamerikanisches Gottvertrauen in unuebersichtlicher Umgebung. Es geht durch karge Steinlandschaften, rauf,runter, dann wieder fuer ein paar Kilometer entlang des majestaetischen Nils, durch begruente Felder, Palmen zaeumen die Windungen. Wie in den Spielen dienen Geschwindigkeitsbegrenzungen hoechstens der Verzierung und der Belustigung - koennen sie nur sein, wenn mit Tempo Hundert ein Dorf im Abendbetrieb durchfahren wird. Wie in der kuenstlichen Welt zieren raffinierte Details wie Kuehe, Esel, frei oder im Gespann, Kamele und viele Menschen den Weg. Die Action wird gesteigert durch Gegenverkehr und langsamere Lastwagen in gleicher Richtung. Fuer die ersten paar Plaetze direkt hinter den Blauen scheints Extrapunkte zu geben und so wird trotz trueben Aussichten auf den Ankunftssieg staendig innerhalb der Gruppe ueberholt. Bodenbrett, Windschatten, ausscheren und ausbremsen, schon hat man sich den Sprintpreis bei der Bahnschwelle gesichert. Chance verpasst? Macht nichts, es gibt deren mindestens sechs.
Nach nur zwei Stunden die erste Pause um Level zwei zu laden. Die Grafiker haben keinen Aufwand gescheut, eine perfekte Abendstimmung zu kreieren. Die tief haengende Sonne im Westen, romantisch rot leuchtend, spiegelt sich im Flusswasser, laesst Baeume, Huegel und Haeuser lange Schatten werfen. Die stroboskopischen Lichtwechsel steigern das Wettkampffieber ins unermessliche. Nach weiteren sechzig Minuten fahren wir heldenhaft im Ziel ein. Ok, ich gebe zu, etwas abgeschlagen auf den hinteren Plaetzen, moechte zu meiner Verteidigung jedoch nochmals heraus streichen, dass wir das Spiel zum ersten mal gespielt haben und ich stolz bin, dass wir kein Leben verbraucht haben. Die Schadensanzeige ist immer noch im Gruenen und der Adrenalinspiegel hoch wie noch nie.
Stage One cleared.

Gut, vielleicht waren wir bei der Auswahl zu wenig aufmerksam, viellecht hatten wir keine andere Wahl. Stage One war gleichzeitig Schwierigkeitsgrad "Expert". Etappe zwei von Luxor nach Hourghada, Strecke der Kategorie "Semi-Pro", nicht mehr ganz so hektisch, dafuer etwas schneller, was dank der weiten Wuestenlandschaft nicht sogleich auffaellt. Die Kurven Anfangs etwas laenger gezogen, die Lichtverhaeltnisse stabil. Nach zwei Stunden und Level One, Stage Two, wieder ein kurzer Unterbruch um nach zu laden und abzuspeichern. Stage Two wartet mit einem grandiosen Down-Hill auf. Siebenhundert Hoehenmeter auf wenigen Kilometern Strecke. Selbstverstaendlich nutzen wir unseren Vorteil und lassen die Reisecars in Schraeglage stehen, nachdem wir ihnen auf den Geraden spannende Zweikaempfe geliefert haben. Moralischer Triumph hinter den gesetzten Siegern, bloede Regel, an diesem Tag abermals an den tuerkisfarbenen Minibus mit der japanischen Reisegruppe, die Mundschutz tragen. Strategisch geschickt hielt er sich lange auf Rang drei und nutzte erst die letzten paar Jumps ueber die Geschwindigkeitsbegrenzer um sich im Zielort am letzten Konkurrenten vorbei zu mogeln.
Stage Two cleared.

Wie immer bei Schwierigkeitsgrad "Novice" besteht die hauptsaechliche Herausforderung in der Laenge der Strecke und nicht in deren Charakter. Eigentlich schon fast langweilig, immer auf dem Gas und die Bremsen braucht es fast ueberhaupt nicht. Waere da nicht die Moeglichkeit, Bonuspunkte in einem Zwischenlevel zu sammeln, wuerde ich gar keine Worte darueber verlieren. In dieser Bonusrunde fahren die Blauen Zwecks Wachabloesung zur Seite. Aehnlich einem fliegenden Start in der Nascar Serie schwaermen die Bewerber nun ueber die ganze Breite aus und streiten sich um Zentimeter, wobei die Minibusse ihren Gewichtsvorteil gegenueber den groesseren Modellen gnadenlos ausnutzen. Nachdem die Positionen klar bestimmt sind werden die Punkte verteilt und die Rennleitung faengt die Unerschrockenen wie eine Herde entflohener Kuehe ein. Nach dieser Zwischenrunde geht es weitere zwei Stunden weiter wie gehabt, kurzer Boxenhalt zum tanken in der Mitte. Mit Sonnenuntergang verabschieden wir uns aus dem Rennen, keine Extended Time bis nach Cairo, kurz vor Suez nehmen wir uns ein Hotel um uns breit zu machen und tief zu legen.
Stage Three cleared. Hey, kennen sie Wacky Races?


top
Tagebuch