03.02.04 Afrika rollt II  

 

Nordaethiopien

phil - Ist schnell abgewickelt, denn es hat auf den wenigen Strassen praktisch keinen Verkehr, abgesehen von Eselswagen und Viehherden, die sich allesamt auf der Fahrbahn quer stellen. Wenn motorgetrieben, dann sind dies entweder alte, zweiachsige Fiat/Iveco Lastwaegelchen oder aber Toyota Land Cruiser der UN oder von Hilfswerken. "Donated by UNICEF". Eindeutiges Merkmal gesponserter Autos, erkennbar aus zwei Kilometer gegen die Sonne: modern westlich sitzen in ihnen meistens nur ein Fahrer, waehrenddem Einheimische Fahrzeuge bis zum Achsenbruch gefuellt sind mit Leuten. Das wars dann schon, mehr hats nicht, nicht einmal Fahrraeder. Eventuell aendert das, sobald die vielen, sich im Bau befindlichen Strassen fertig erstellt sind.
Das Tankstellennetz ist relativ dicht, doch gleichsam unzuverlaessig. Diesel (etwa 30% guenstiger) sollte weniger ein Problem sein als Benzin, das von Zeit zu Zeit nur mit durchfragen aber immer irgendwo aufzutreiben ist.

Sudan

Gleich nach der Grenze nimmt der Verkehr massiv zu, haelt sich aber immer noch in zumutbarem Rahmen. Zwischen den Staedten sieht man des oefteren Holzkarren, nun nicht mehr mit Esel im Geschirr, sondern an einem Fergusson Traktor. Hinten auf der Ladeflaeche immer eine Ladung Menschen, welche einem beim vorbeifahren im Kollektiv zurueckwinken. Das macht Spass und schliesslich habe ich in Aethiopien dafuer trainiert. Meine linke Hand hebt sich zum Gruss und dann die Welle, das tut gut, Siegergefuehl.
Personen werden desw eiteren in gelben Taxis mit duennem, gruenen Streifen durh die Gegend gefahren, solange der bruchreife Lada oder Toyota Corolla noch tut. Es gibt die unten hellblau, oben weiss lackierten Pick-Ups mit Gitterumrahmung, damit die Passagiere nicht raus fallen, wenns ueber die Erdwege in die Agglo geht. Intercity Service bieten Kleinbusse der Marken Toyota (Coaster), Mitsubishi, Hino, Tata oder Daewoo an, man kann aber auch zum ersten mal seit langem gehobener, in richtigen Cars, Mercedes, reisen.
Der Guetertransport auf der Strasse ist ebenfalls zweiklassig: Modernere Zugmaschinen der bekannten Marken MAN, Scania, Iveco, Volvo, Mercedes, Mitsubishi oder Renault - das wegweisende Modell mit ebener Fuehrerkabine ohne den Getriebekasten zwischen den Sitzen - sie alle ziehen in der Regel zwei Anhaenger, was moeglich ist, da im ganzen Land keine grossen Hoehenunterschiede ueberwunden werden muessen. Die zweite Klasse ist ein paar Dekaden aelter und besetzt durch Fiat/Iveco, Bedford, Tata, Steyr. Zweiachsig, kesselnd, schnaubend - charaktervoll.
Zweiraeder wenig. Fast keine Fahrraeder, einige Motos in Stadtnaehe, Hubraum unter zweihundert, asiatische Fabrikate, eigentlich immer Suzukis. Reizvolles Detail in einer Gegend, in der es fast nie regnet, sind die teppichartigen Sitzabdeckungen mit Zoetteli.
Benzin, Shell und eigene Marken, relativ haeufig doch in zweifelhafter Qualitaet, dafuer billig wie schon laenger nicht mehr. Verrechnet werden Gallonen, wobei fuer die Sudanesi eine Gallone 4.5 Liter hat. Die Zapfsaeulen selbst zaehlen jedoch Liter, der Preis ist immer auf 1.00 pro Einheit eingestellt. Das klingt nicht nur verwirrlich, es ist es auch, nicht nur fuer uns. Die Loesung ist allerdings einfach. Man tankt nicht einfach "voll", sondern nennt zu Beginn die Anzahl Gallonen, die man haben moechte, nachdem man den Preis erfragt hat. Am Ende bezahlt man so immer den Gallonenpreis oder ein Vielfaches davon.

Aegypten

Am besten kann ich die Minibusse der Reiseagenturen beschreiben, mit welchen wir im Pulk und Polizeigeleit durch die Gegend rasen. Weiss oder pastellfarben, Toyota Hiaces, Mitsubishis, Nissans - hauptsache asiatisch. Die gehobene Mittelklasse faehrt Klimareguliert, die welche es sich leisten koennen, meist Paerchen in den Fuenfzigern, buchen sich einen Privattaxi, dies dann jedoch ein schrottiger Peugeot Kombi, wie alle Taxis in Aegypten.
Ohnehin sind in Suedaegypten viele alte Peugeots und Renaults unterwegs. Neue Modelle jedoch nicht mehr aus Frankreich, sondern meist aus Asien oder Deutschland, VWs und Opel. A propos Opel, resp. GM: Personenwagen werden als Opel verkauft, Pick Ups und Kleintransporter sind vorzugsweise Chevrolets. Das wird auch schon mal aussen angeschrieben, auch wenn eigentlich Daihatsu drin ist. Image ist alles, oder doch nicht? Beulen sind in Aegypten nicht der Anfang gesellschaftlicher Ausgrenzung, sondern individuelles Merkmal oder "Forensic evidence" in am. English.
Motorraeder sind nur wenig zu sehen und wenn, dann meistens 350er Jawas. Alte Modelle im Cafe Racer Stil. Knattern und stinken mehr als sie fahren. Image ist doch alles.
Das Tankstellennetz ist dicht wie schon lange nicht mehr und die Preise sogar tief wie noch nie. Es gibt 80er und 90er Oktan, beides verbleit. Die Tankstellen wieder mit kleinen Shops fuer den Snack zwischendurch. Einziger Wermutstropfen sind die muehsamen Versuche der meisten Tankwarte, beim Bezahlen zu betruegen. Auch wenn die Rechnung nicht einfacher sein koennte, 1 Liter kostet 1 Pfund (ca. 16 USCent), wird manchmal mit erstaunlicher Beharrlichkeit falsch gerechnet.

Jordanien

Das kleine Land, von dem ich zuvor so gut wie nichts wusste, erstaunte mich unablaessig. Nur schon das Strassenbild ist mit den bisher bereisten arabischen Laendern nicht zu vergleichen, was nicht alleine daran liegt, dass die Nummernschilder doppelt, in ihrem und unserem Schriftbild, angeschrieben sind, fuer uns wieder lesbar. Die Strassen sind modern, ausreichend, meist zweisprachig beschildert, breit angelegt und innerhalb Ballungsgebieten mehrspurig. Zu meiner grossen Freude wurden aber auch die Fussgaenger beruecksichtigt und grosszuegige Gehsteige laden zu einem Spasziergang ein. In Amman, der Hauptstadt Jordaniens, schluckt ein klug angelegtes Netz von Hauptrouten das enorme Verkehrsvolumen. An den Kreuzpunkten dieser vier- bis sechsspurigen Strassen wurden geniale, drei stoeckige Kreisel gebaut. Geradeaus fahrende Fahrzeuge unter- oder ueberqueren doppelspurig pro Richtung die mittlere Ebene, auf der die Fahrtrichtung gewechselt werden kann. In den neueren Aussenbezirken sorgen diese baulichen Massnahmen fuer fluessiges Fortkommen. Im alten, engeren Viertel herrscht vom Morgen bis am Abend ein heilloses Durcheinander des fast ausnahmslos innerstaedtischen Verkehrs. Ausserhalb der Stadt sind die Strassen auch ab der Hauptachsen in gutem Zustand. Tankstellen sind nicht gerade rar, doch auffallend selten und zudem schon ein wenig in die Jahre gekommen, dementsprechend machen sie einen etwas schaebigen Eindruck. Zwischen Aqabah und Amman gibts einige Tourist Centers bei Tankstellen. Wer Lust hat auf Toggenburgerli von Kaegi und gerne zehn mal zu viel bezahlt fuer ein Glas Tee, der ist hier richtig.
A propos Geld in Jordanien. Es ist das erste mal auf der ganzen Reise, dass ein Land seine Waehrung nicht nur in hundert teilt, Franken -Rappen oder Euro - Cent, sondern auch in tausend. Richtig, das "auch" ist schon recht. Denn ein Dinar des Hashemite Kingdom Of Jordan wird zum einen in hundert Piastres geteilt, zu dem auch in tausend Fils. So kostete Benzin, wahlweise 80er oder 90er, doch ziemlich sicher verbleit, im ganzen Land etwa 0.400 Fils, oder eben 40 Piastres pro Liter, was einem Gegenwert von ungefaehr 57 USCent entspricht. (Anscheinend soll es Tankstellen, mindestens in Aqabah, geben, die bleifreies Benzin verkaufen, gefunden haben wir diese jedoch nicht).
Was faehrt denn auf diesen so tollen Strassen herum? Es sind enorm viele Mercedes und BMWs unterwegs, die neuen Modelle. Letztere allgemein benannt als "BM", dabbel-juu ist den ansonst recht gut englisch sprechenden Jordaniern zu kompliziert. Wer sich kein Auto dieser oder anderer deutscher Hersteller leisten kann, faehrt Mitsubishi. Die unzaehligen gelben Taxis sind mehrheitlich Asiaten. Ausnahme sind die Langstreckentaxis, welche die Strecke Amman - Damascus fahren. Diese sind ebenfalls gelb, aber alte Ami-Schlitten der sechziger und siebziger Jahre.
Zweiraeder fehlen praktisch komplett, auf dem Land sowie in der Stadt. LKWs scheint es drei Kategorien zu geben. Die weniger alten, die alten und die ganz alten Mercedes Lastwagen.

Syrien

Noch nie empfand ich Strassenverkehr als so gefaehrlich, wie in Syrien. Etwas zu emotionsgeladen und aeusserst aggressiv kam mir das Spektakel vor. Trotz guten Strassen verlangte dieser Umstand nach staendiger hoher Konzentration. Privatverkehr gibts in Syrien nicht viel und so kaempfen Gueter- und Personentransporter um jede Sekunde ohne Ruecksicht auf Verlust. Wer bremst, hat verloren, wer nicht bremst vielleicht auch. Fast wie bei der "Versteckten Kamera" fuehlte ich mich jeweils, wenn in der Schlange vor einem Rotlicht das Hupkonzert losging, noch bevor das Licht auf der Spur des Gegenverkehrs von orange auf rot schaltete. Detail: An vielen Minibussen und Lieferwagen kleben an der Heckscheibe Spruchbaender. Da in arabisch fuer mich nicht verstaendlich und so sehen sie aus wie Graffittis. In dickem roten Schriftbild mit goldgelber Umrahmung erinnern sie mich am ehesten an Drucke von Iron Maiden T- Shirts der spaeten Achziger.
Tankstellen sind vergleichbar mit denen in Jordanien. Aehnliche Preise, aehnliche Qualitaet. Wermutstropfen fuer Diesel...? Dieselfahrer, Dieselisten, Dieselfahrzeughalter, Dieselfahrzeugfahrer? Egal, in Syrien wird euch der Vorteil tieferer Treibstoffpreise mit einer am Zoll zu entrichtenden "Diesel Tax" zu nichte gemacht.

Nachwort

Hier endet die Serie der Mobilitaetsberichte. In der Tuerkei siehts etwa gleich aus wie in Italien. Etwas weniger Fiats, dafuer noch ein riesen Lager an alten, typischerweise weissen, Renault oder Peugeot Kombis. Darin die Grossfamilie Uelker, faehrt ueber die ganz tollen Kuestenstrassen (Spitzenklasse), haelt bei einer der vielen Tankstellen, kauft da im Shop ein und bezahlt das unglaublich teure Benzin. Achtung festhalten: Ein Liter 95er kostet ganze 1 Dollar 35! Das ist der emotionale Schleudersitz der einem schmerzhaft sagt: Willkommen zu Hause...

Benzintabelle
  Ort Land Qualitaet Datum Preis p.L.
in USD
 
  Cape Town ZA 95er bleifrei 01.11.03 0.55  
  Cape Town ZA 97er bleifrei 01.11.03 0.56  
  Springbok ZA 97er bleifrei 07.11.03 0.59  
  Gruenau NAM 93er bleifrei 08.11.03 0.56  
  Mariental NAM 93er bleifrei 09.11.03 0.54  
  Kabib NAM 93er bleifrei 13.11.03 0.53  
  Divundu NAM 95er bleifrei 15.11.03 0.55  
  Livingstone ZAM 95er bleifrei 17.11.03 0.97  
  Lusaka ZAM ??er verbleit 20.11.03 0.79  
  Lusaka ZAM ??er bleifrei 20.11.03 0.89  
  Iringa TAN ??er verbleit 22.11.03 0.71  
  Dar Es Salaam TAN ??er bleifrei 26.11.03 0.70  
  Arusha TAN ??er verbleit 30.11.03 0.71  
  Nairobi KEN ??er bleifrei?? 06.12.03 0.80  
  Marsabit KEN ??er verbleit 11.12.03 0.88  
  Moyale ETH ??er verbleit /td> 12.12.03 0.55  
  Awassa ETH ??er verbleit 14.12.03 0.53  
  Dejen (fragen) ETH nobody knows 23.12.03 0.64  
  Bahir Dar ETH verbleit 24.12.03 0.50  
  Gondar ETH verbleit 26.12.03 0.48  
  Gedaref SUD verbleit 31.12.03 0.43  
  Wad Medani SUD verbleit 01.01.04 0.43  
  Khartoum SUD verbleit 02.01.04 0.38  
  Aswan-Suez EGY 90 verbleit 12.01.04 0.16  
  Aqabah-Amman JOR 90 verbleit 21.01.04 0.57  
  Damascus SYR 90 verbleit 30.01.04 0.45  
  Kirikhan-Antalya TUR 95 bleifrei 01.02.04 1.35  

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