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10 Monate unterwegs
In Gedanken gehe ich die Reise und das, was sie mit sich bringt, immer wieder durch. Es vergeht kaum ein Tag, wo ich mich nicht dabei ertappe, wie ich überlege, wo ich in einem Jahr sein werde. Sei dies im Kaufhaus an der Kasse: werde ich dieses überwältigende Angebot an Esswaren, dieses "ich-weiss-genau- wo-ich -was-finde" vermissen? Oder an einer Geburtstagsfeier: wo werde ich eigentlich meinen nächsten Geburi feiern....? usw. |
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Im folgenden Bericht versuche ich die wichtigsten Entbehrungen aber auch Geschenke der Reise und meine Gedanken dazu festzuhalten. Das Wichtigste? Naja, einen Teil meiner Gedanken jedenfalls... |
10 Monate ohne ...........
............ Arbeit!
Wie wird das sein, ohne Stundenplan? Ein grosser Teil meines Tages ist durch Stundenplan geregelt. Mir ist vorgeschrieben, wann ich Pause habe, wann ich vor der Klasse zu stehen habe, wann ich die Kinder und mich in die Freizeit entlassen kann, ja sogar die Ferien sind mir vorgeschrieben. Noch nie in meinem Leben habe ich mir für länger als 5 Wochen meinen Tag selber gestalten müssen! Wie wird das sein- so frei?
Und - werde ich die Schule vermissen? Die Kinder? Die Kollegen? Das Planen? Dieses Wissen, wozu ich heute aufstehe und was ich zu erledigen habe? |
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............ meine Jassabende!
Kein Witz! Seit über 2 Jahren treffe ich mich regelmässig mit meinen 3 lieben Jasskollegen um einen Abend mit Spiel, Trank und allem, was zu einem richtigen Zockerabend dazugehört, zu verbringen. Ja- ich werde das vermissen! An einem Jassabend geschieht mehr als ein paar Striche auf der Jasstafel! Es sind Glück, Konzentration, der Jasspartner, Bluff und Pech, die mich immer wieder locken und von früh Abends bis tief in die Nacht am Tische halten!
Und nicht zuletzt das feine Essen, mit dem uns der jeweilige Gastgeber verwöhnt! So esse ich einmal im Monat echt gut und habe alle 4 Monate die Herausforderung zu bewältigen, etwas Geniessbares zu kochen. Ich steigerte mich übrigens von verkochten Teigwaren zu asiatischen Gerichten......... |
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............ Post!
Für mich ein tägliches Ritual; den Briefkasten leeren (ich meine jetzt denjenigen unten im Hauseingang), Briefe zu öffnen und zu lesen, die Rechnungen knurrend irgendwo auf dem Schreibtisch zu verstecken, die Zeitung zu lesen.......... |
............ Besuch!
Ich hatte schon immer gerne Besuch. Und jetzt, wo ich kochen kann, kommt der Besuch auch gerne! Mindestens einmal im Monat habe ich meine Hütte voll von ehemaligen Schulkolleginnen, Lehrerkollegen, Freunden und Bekannten. Auf unserer Reise bin ich der Besuch, immer. |
............ mein knallrotes Sofa!
Es ist noch nicht mal besonders bequem. Schon 5 Jahre alt. Aber es ist knallrot- und es ist meins. Mein erstes Möbelstück meiner ersten Wohnung! Ich habe es schon 3x in den obersten Stock eines neuen Heims zügeln (lassen). |
............ Kosmetika!
Tja, da geht es mir wie Philipp- von Natur aus schön! Im Ernst- die einzige Kosmetika, neben den Produkten zwecks Hygiene, die ich benutze, ist Enthaarungscreme. Und da geht es mir vielleicht sogar etwas besser als Philipp- schliesslich wachsen mir die Haare an den Beinen nicht so schnell nach, wie Philipps Bart............. |
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........... Joggen, meine herrliche Aussicht von meinem Balkon, Staustehen auf den verstopften schweizer Strassen, Familie, Auto, Kleiderschrank, Kühlschrank..... |
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10 Monate mit...........
................Philipp!
"Ihr wohnt ja noch nicht mal zusammen! Wie soll denn das gehen? 10 Monate immer zusammen? Im gleichen Zelt? Im gleichen Zimmer?" Damit konfrontieren mich meine Freunde immer wieder. Eine berechtigte Frage. Doch ich habe einige Erfahrungen mit Philipp und auch mit mir selbst hinter mir, die mir -nebst dem einfach guten Gefühl im Bauch- ganz klar sagen, dass es nicht absurd ist und dass wir das sehr wohl probieren können. Klar weiss man nie, was kommt.
Ich empfinde Philipps Tempo in Sachen Denken, Unternehmen, Anschauen, genug von einer Sache haben, und Handeln sehr angenehm; es ist dem meinen sehr ähnlich. Philipp und ich haben denselben Humor. Das finde ich sehr wichtig! Und wir haben ein ähnliches Bild von der Welt und was wir hier erreichen wollen und was nicht.
Und den ultimativen Härtetest haben wir auch bestanden: Wie viele Paare kennst Du, für die ein Tag zusammen im Auto ein Horrortrip werden kann? Weil Mann doch besser fährt als die Frau? Und Frau genau weiss, dass dies nicht stimmt? Und Mann würde diese Kurve sowieso im 3. Gang nehmen, sonst holt Mann ja beim Rausbeschleunigen gar nicht das Maximum aus der supertollen Karre raus! Und Frau versteht sowieso dieses Liebhabergetue um ein Gebrauchsobjekt nicht! Dafür kann sie Karten lesen- oder Mann? Nun also, ich habe über 3 Wochen lang jeden Tag über 600 km mit Philipp mit dem Auto abgespult; und überlebt! Wenn das kein Beweis ist, dass es klappt! Im Auto! Mann und Frau! Und ich durfte sogar auch mal fahren.... ;-)! |
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.................dem Motorrad!
Darauf sprechen mich die Leute ja immer zuerst an. Nein- nicht direkt aufs Motorrad! Auf meinen Hintern! (Es geht jetzt hier nicht ums Optische; aber den Neugierigen sei verraten- er ist ganz ok!) Wird er mir so schrecklich weh tun, wie dies alle behaupten? Wird er blau, geschwollen und wund sein vom vielen Sitzen! Keine Ahnung. Wobei ich noch anmerken will, dass man offroad mehr auf der Maschine steht als sitzt.....;-) !
Ich bin gespannt, wie das wird, wenn ich mal länger als 1 Monat all mein Hab und Gut wie eine Schnecke mit mir herumtrage! Mein Motorrad ist mein Zuhause, mein Kleiderschrank, mein Gefährt und mein treuer Begleiter! |
....................fremden Menschen, fremden Ländern, fremden Kulturen, der Natur!
Das wird die grösste Herausforderung! Und das ist natürlich auch einer der Hauptgründe, weshalb ich diese Reise machen will- und zwar mit dem Motorrad und nicht mit Hotelplan!
Ich werde vieles Erleben. Viel mir bis anhin Fremdes -und ich freue mich darauf! Ich glaube von mir sagen zu können, dass ich den Kontakt zu Menschen brauche (wär ich sonst Lehrerin?!?) und ich bin davon überzeugt, dass ich von Menschen am meisten lernen kann (deshalb lehre ich ja wohl auch). Und trotzdem habe ich schon jetzt Respekt vor der Menge an Fremdem, dem ich auf meiner Reise begegnen werde. Es wird nicht immer möglich sein, das Visier des Helmes herunter zu klappen und somit einfach nicht zu sehen, was ich nicht sehen will. Das Niederschreiben, neben dem Austausch mit Philipp, meiner Erlebnisse während der Reise wird mir helfen, Erlebtes, Gesehenes und Erfahrungen zu verdauen- so dass Hunger bleibt auf mehr!
Die Natur und das ihr ausgeliefert sein wird mich auch einige Energie kosten. Ich kann nach 1 Woche Regen nicht einfach sagen: "Easy, in 6 h bist Du wieder zu Hause in deiner Wohnung und kannst ein heisses Bad nehmen..." Ich weiss aber, dass ich zäh bin. Und der Gedanke an das, was ich verpasse, nur um zu Hause im Warmen und Trockenen zu sitzen, wird mich vorantreiben.......... |
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