Entstehung des Projektes Projekt

jazz- "Wie kommt ihr bloss auf diese Idee? Mit dem Motorrad um die Welt?" Diese Frage haben wir sehr oft zu beantworten. Und - ehrlich gesagt- frage ich mich das manchmal auch selber wieder. Die Antwort auf diese Frage lässt sich kaum in einem Satz formulieren. Wie hinter jeder grossen Idee steht auch hier eine Entstehungsgeschichte dahinter, welche ich Euch gerne zum Besten geben will.

Ich weiss nicht genau, wie alt dieser Traum von mir ist- alt! Ich wollte schon immer mit dem Rucksack und dem Zelt um die Welt. Wie ich mich fortbewegen würde spielte in diesem Traum gar keine Rolle- irgendwie halt.
Von Philipp weiss ich, dass er seit langem davon träumt, mit dem Motorrad um die Welt zu fahren. Wo er schlafen würde, spielte bei ihm keine Rolle- irgendwo halt. Irgendwie war ja klar, dass sich diese zwei Träume ideal ergänzen. Aber wie das Leben so spielt- es ist nicht alles so einfach, wie es aussieht. Und so haben auch Philipp und ich um 7 Ecken herum geplant, bis wir auf die Variante mit dem Motorrad und dem Zelt kamen. Wir sind am Schluss der Planerei also bei unseren uralten Wünschen gelandet- machen das, wovon wir schon immer träumen.

Doch nun der Reihe nach. Philipp und ich verbringen seit einigen Jahren eine gute Zeit miteinander. Mit ihm habe ich gelernt zu träumen und die Träume auszuleben. Kein Wunder also, dass wir uns bald gegenseitig berichteten, dass eine Weltreise schon etwas ganz tolles wäre. Seit Beginn unserer Beziehung war eine Weltreise ein Thema. Wir sprachen viel darüber, obwohl - eher schwärmten wir und glaubten nie recht an eine Realisierung. Schliesslich soll der Mensch ja Träume träumen und nicht unbedingt alle verwirklichen. Der schönste Ort unseren Traum zu träumen war- und ist- das Thermalbad Schinznach. Wir fahren sicher einmal alle 10 Tage dahin um uns verwöhnen zu lassen und uns unseren Träumen hinzugeben. Wir haben in dem Bad sogar schon gewisse Ecken und Nischen nach unseren Träumen benannt. So heisst es denn zum Beispiel nicht: "Lass uns noch zum Wasserfall hingehen." Nein, es heisst: "Lass uns noch in die Golf-Ecke gehen!" (Wir glaubten allen Ernstes einmal, die Welt mit meinem Golf zu umrunden) oder "Ich geh mal wieder zum Asien-Sprudel." (Die ursprüngliche Route sollte über Asien gehen; das chinesische Konsulat machte uns aber einen dicken Strich durch den Traum) oder wir setzen uns aufs Sparbänkli (dort entstand die Idee, einfach mal zu sparen, damit wir den Traum leben können, wenn wir vom Träumen genug haben).
Über 4 Jahre ist das Ganze gereift, hat sich überschlagen, mich überholt, unsere Beziehung beeinflusst, meine Ziele gestärkt, mich motiviert.

Sommer 1998:
Wie gesagt war da zuerst die Idee, mit meinem Golf III um die Welt zu kurven. Einfach drauflos, soweit die Kiste halt noch kommt. Bald merkten wir, dass es uns schon noch wichtig wäre, möglichst rundherum zu kommen und nicht vom Auto abhängig zu sein, wie weit die Reise geht. Ein Auto mieten? Ein Camper vielleicht? Etwa ein halbes Jahr fantasierten wir um die Wette, was uns da alles passieren könnte auf einer Weltreise mit einem Camper...

Frühling 1999:
Die Weltreiseträume rückten etwas in den Hintergrund. Philipp entschloss sich zu einer 2jährigen Ausbildung. Zum Trost sozusagen, erfuhren wir im Sommer das Nordkap mit dem Auto (ein Mietauto- meinem Golf trauten wir das mittlerweile schon nicht mehr zu...): innert 3 ½ Tagen erreichten wir das Kap und genossen die Rückfahrt mit einem kleinen Abstecher in die Bretagne...
Mit diesen Ferien entflammten die Weltreiseträume erneut. Vielleicht mit dem Flugzeug? Nein- das war dann schnell klar! Wenn, dann am Boden nach. Mit Zug, Bus und Lastwagen also.

Frühling 2000:
Wir hatten genug vom Autofahren, den Staus und den teuren Reparaturen (mein Golf wurde ja nicht jünger...) und fingen mit unserem neuen Hobby, dem Motorradfahren an. Quasi von einem Tag auf den anderen war ich dann also stolze Besitzerin einer Kawasaki Eliminator und einer kompletten Motorradausrüstung- wenn schon denn schon; so sind wir. Den ganzen Sommer fuhren wir in der Schweiz herum und machten im Oktober die Prüfung. Über die Winter-Festtage flogen wir nach Chicago und mieteten dort einen Chevy Blazer um die Gegend etwas auszukundschaften (Detroit, Pittsburgh, Buffalo, Toronto...) In diesen 10 Tagen, einer kälter als der andere, nie über 0° Celsius, fuhren wir durch Schneestürme, fuhren 100erte von Kilometern auf Glatteis (kein Witz) und hatten, was uns fast keiner glaubt, mächtig Spass dabei!
Erneut flammten die Weltreiseträume wieder auf. Etwas konkreter allerdings. Es war Philipp, der eines Abends in Schinznach den Vorschlag machte, ab Januar 2001 jeden Monat Geld auf ein Konto einzuzahlen; für unsere Weltreise.
Heute würde ich sagen, dass dies die Wende war- Es war kein Traum mehr, es wurde ein Abenteuer. Eines, dass wir tatsächlich machen würden. Sobald Philipp seine Ausbildung fertig hatte, sollte es losgehen.

Sommer 2001:
Unterdessen war klar, dass wir über Russland, durch die Mongolei nach China reisen wollten. Dann der Küste entlang durch Vietnam, Kambodscha, Thailand, Indonesien nach Australien, von dort mit dem Flugzeug nach Südamerika, und schliesslich von Rio de Janeiro aus nach Süd Afrika. Wir kauften Landkarten, machten uns im Internet schlau über die öffentlichen Verkehrsmittel in all den Ländern, studierten die Klimakarten und schauten uns Fotos der Länder an.
In unseren Sommerferien machten wir einen Probelauf im Zugfahren mit viel zu viel Gepäck und kamen so in den Genuss von knapp 3 Wochen Interrail durch den Osten Europas.

Herbst 2001:
Ich hatte im Sommer die Arbeitsstelle gewechselt und wollte mich in meiner Freizeit etwas sinnvollem widmen. So entschloss ich mich, eine einjährige kaufmännische Grundausbildung zu machen. Diese sollte pünktlich auf Oktober 2002 fertig sein- unser Abreisedatum.

Winter 2001:
Wie immer in der Winterpause juckt es den Motorradfahrer im Handgelenk. So auch bei uns. Die Vorfreude auf die kommende 2-Radmesse war gross und wir beschäftigten uns im Vorfeld dieser Ausstellung schon intensiv mit der kommenden Saison. Irgendwie geschah es dann, dass die Idee aufkam, Teiletappen unserer Tour mit dem Motorrad zu machen. Doch dazu brauchten wir unbedingt die Prüfung für die Grosse Maschine. Diese dürfen wir aber laut schweizer Gesetz beide erst anfangs Oktober 2002 machen. Das würde also sehr knapp werden. So schrieben wir ein Gesuch ans Strassenverkehrsamt um die frühere Bewilligung des Lernfahrausweises der grossen Motorräder. Noch während diese Gesuche auf den Ämtern schmorten fantasierten wir weiter. Wieso eigentlich nur Teiletappen? An einem gemütlichen Abend setzten wir uns bei mir Zu Hause hin und stellten, jeder für sich, eine pro und contra Liste Motorrad/Zug auf.
Für welche Variante wir uns entschieden war schnell klar, doch weshalb jeder von uns die Variante Motorrad vorzog, das war spannend und aufschlussreich darüber, wie der andere sich die Reise vorstellte. Die pro und contra Liste Motorrad/Zug findest Du auf der Projektseite.
Also noch bevor wir Antwort auf unsere Gesuche hatten, war uns klar, dass wir mit den Motorrädern reisen wollten. Falls eine Absage kommen sollte, würden wir das Abreisedatum auf Frühling 2003 verschieben- das letzte Verschiebungsdatum- damit mehr Zeit für die Motorradprüfung bleibt und damit wir Klimamässig immer schön im Frühling fahren und nie im Hochsommer bzw. Winter.
Als wir unsere bisherigen Reisevorbereitungen auf die Motorradvariante hin überprüften, stellten wir fest, dass es ausser der Budgetplanung, der Tatsache dass wir nun mit Zelt und Kocher reisen würden und den Erschwernissen zum Erhalt von den Visa keine grossen Veränderungen zu machen gab.
Mit diesen Gedanken machten wir uns im Februar 2002 auf an die Zweiradmesse in Zürich um uns nach einer Grossen umzusehen. Mehr dazu unter dem Link Motorrad.

Frühling 2002:
Wir erhielten vom Strassenverkehrsamt eine Absage. Also verschoben wir die Reise ein letztes Mal auf Frühling 2003.
Es war an der Zeit, einen Zeitplan aufzustellen, Konzepte zu entwerfen (für die Reisevorbereitungen, den Internetauftritt, die Sponsorensuche und nicht zuletzt die berufliche Zukunft bis zur Abreise). Es gibt viel zu tun! Praktisch jedes Wochenende sassen wir hin und planen.
Im Mai erkundigten wir uns auf dem chinesischen Konsulat über das Visumprozedere mit Einfuhr eines eigenen Motorfahrzeuges ins Land. Unser Traum wird ein erstes Mal heftig gerüttelt. Es wird und organisatorisch und finanziell zu aufwendig, China in unsere Reiseroute zu verpacken. Und China zu umfahren ist aus heutiger, politischer Sicht nicht zu empfehlen. Und Australien? Die Kosten des Anfluges und die Einfuhr der Motorräder übersteigen den angemessen Aufwand um vieles und so beschliessen wir eine neue Route- denn gehen wollen wir auf alle Fälle! Jetzt einfach einen anderen Weg. Wir entschliessen uns für eine Durchquerung Nordamerikas, Mittelamerikas, Südamerikas und dann der ursprünglichen Route durch Afrika nach Hause.
Ehlich gesagt kostete es uns einige Mühe, von unserer ersten Route Abschied nehmen zu müssen. So waren wir doch sehr gespannt auf China und die Mongolei. Doch diese Länder laufen uns ja nicht weg...
Jetzt ist unsere Reise keine Weltreise mehr und wir starten sie auch nicht wirklich von Zürich aus- das machte uns ebenfalls etwas traurig. Doch das sind Details! Und schon bei näherer Betrachtung des Kartenguts von Amerika waren wir bald davon überzeugt, dass uns auch das grosse Amerika viel zu bieten hat.

Sommer 2002:
Philipp beendete seine Schule mit Erfolg. Wir genossen den Sommer für einmal in der Schweiz und waren beschäftigt mit Homepageerstellung, Einkauf von diverser Ausrüstung wie Zelt, Kocher, Pfannen, sowie der Planung und Konzeptierung unserer Sponsorensuche. Ich komme allmählich in den Abschlussprüfungsstress und muss beim Unterrichten aufpassen, dass ich nicht ständig vom eigentlichen Thema auf Motorrad oder Weltreise oder Impfungen oder Ferien oder was weiss ich abschweife... ;-) (Obwohl das die Schüler natürlich auch brennend interessieren würde!)

Herbst 2002:
Wir kaufen unsere Grossen und gehen gleich 1 Woche in die Töffferien ins Tessin: hier heisst es lernen für die Prüfung, die wir so schnell wie möglich machen wollten. Aber auch unser bisher eingekauftes Equipment wurde getestet: Schlafsack, Zelt, Kochausrüstung... More to come

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